Plastikboje mit lebenden japanischen Rankenfußkrebsen, Seeanemonen und Muscheln, die im März 2011 während des Erdbebens und Tsunamis in Japan verloren ging. Im Februar 2017 wurde sie nach einer 7.000 Kilometer langen Reise über den Ozean an der Küste des US-amerikanischen Bundesstaates Washington angespült. Bild: Nancy Treneman

Wissenschaftler warnen vor zunehmenden Gefahren durch invasive eingeschleppte Arten

In einer neuen Studie mit Beteiligung der Universität Konstanz warnen Forschende weltweit vor einer Zunahme der Gefahren durch invasive nicht-heimische Arten: Es müsse rasch gehandelt werden, um Eindringlinge sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene zu verhindern, aufzuspüren und zu kontrollieren.

Nicht-heimische Arten sind Pflanzen, Tiere und Mikroben, die versehentlich oder absichtlich von Menschen in Gebiete eingeschleppt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Viele von ihnen gedeihen bestens und verbreiten sich mit schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt, Wirtschaft und auch die menschliche Gesundheit weiter.

Die in Biological Reviews veröffentlichte Studie wurde von einem internationalen Wissenschaftsteam aus 13 Ländern in Afrika, Asien, Australasien, Europa, Nord- und Südamerika durchgeführt. Darin wird beschrieben, dass die Zahl der invasiven gebietsfremden Arten rapide zunimmt und es derzeit weltweit über 18.000 Arten sind.

Weltweiter Anstieg
Die Forschenden führen die Zunahme der biologischen Invasionen auf die vielen verschiedenen Wege zurück, auf denen sich diese Arten ausbreiten, sowie auf die Zunahme des Verkehrsvolumens auf diesen Wegen. Eine besondere Rolle spielen neu entstehende Wege wie zum Beispiel der Onlinehandel mit ungewöhnlichen Haustieren oder die Beförderung von fremden Arten auf Inseln aus Plastikmüll, die auf den Weltmeeren treiben.

Die Studie zeigt auch, wie neben dem internationalen Handel auch andere Wirkkräfte der globalen Veränderung, zum Beispiel Klimawandel und Landnutzungsänderungen, die Auswirkungen biologischer Invasionen verschlimmern. Dank der Klimaerwärmung können beispielsweise per Schiff transportiere Arten nun in neuen Regionen gedeihen, und im Meer lebende Arten können sich aufgrund der dauerhaften Öffnung des Arktischen Ozeans zwischen Atlantik und Pazifik hin- und herbewegen.

Warnung an die Menschheit
Das Paper ist Teil der Initiative „Warnung der Wissenschaftler der Welt an die Menschheit: Zweite Mitteilung“, die eindringlich dazu auffordert, unseren Umgang mit der Erde und dem Leben darauf zu ändern. Die Autoren betonen, dass biologische Invasionen gesteuert und begrenzt werden können. Sie verweisen auf Ansätze, die weltweit funktionieren und geben gezielte Empfehlungen für ein verbessertes Management. So hat zum Beispiel die Einführung strengerer Grenzkontrollen unter Einsatz von Röntgengeräten und Spürhunden zu einem Rückgang der Einschlepprate von Pilzpflanzenpathogenen nach Neuseeland geführt.

Prof. Dr. Mark van Kleunen, Ökologe an der Universität Konstanz, sagt dazu: „Dank wirklich inspirierender weltweiter Kooperationen hat sich unser Wissen und unser Verständnis biologischer Invasionen in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt. Es ist sehr wichtig, dass wir weiterhin unser Wissen teilen und mit den relevanten Interessengruppen über Fachgebiete und Grenzen hinweg zusammenarbeiten.“

Was ist das Ausmaß des Problems?
Eine vor kurzem durchgeführte Analyse der Roten Liste ausgestorbener Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN, 2017) deckte auf, dass nicht-heimische Arten bei 25 Prozent der ausgestorbenen Pflanzenarten und bei 33 Prozent der ausgestorbenen Land- und Süßwassertieren eine Rolle spielten. Jährlich durch eingeschleppte Arten in den USA, Großbritannien, Australien, Südafrika, Indien und Brasilien verursachte Schäden werden auf über 100 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Maßnahmen gegen invasive Arten
Seit 1992 wird die Wichtigkeit von Maßnahmen gegen invasive nicht-heimische Arten weltweit anerkannt (Millennium Ecosystem Assessment, 2005). Der jüngste globale Bericht zu Biodiversität und Ökosystemen des Weltbiodiversitätsrates „Intergovernmental Science Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES)“ stufte invasive nicht-heimische Arten an fünfter Stelle der direkten Faktoren ein, die mit den größten relativen globalen Auswirkungen für Veränderungen in der Natur verantwortlich sind. Damit kommen invasive Arten direkt nach veränderter Land- und Meeresnutzung, direkter Ausbeutung von Organismen, Klimawandel und Umweltverschmutzung.
 

Faktenübersicht:

  • In einer neuen Studie in Biological Reviews machen internationale Forschende aus 13 Ländern in Afrika, Asien, Australasien, Europa, Nord- und Südamerika – darunter auch der Ökologe Prof. Dr. Mark van Kleunen von der Universität Konstanz – auf die zunehmende Gefahr durch invasive nicht-heimische Arten aufmerksam und fordern sofortige Maßnahmen, um Eindringlinge sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene zu verhindern, aufzuspüren und zu kontrollieren.
  • Jüngere Analysen (2017) zeigen, dass nicht-heimische Arten bei 25 Prozent der ausgestorbenen Pflanzenarten und bei 33 Prozent der ausgestorbenen Land- und Süßwassertiere eine Rolle spielten.
  • Originalveröffentlichung: Pyšek P., Hulme P. E., Simberloff D., Bacher S., Blackburn T. M. Carlton J. T., Dawson W., Essl F., Foxcroft L. C., Genovesi P., Jeschke J. M., Kühn I., Liebhold A. M., Mandrak N. E., Meyerson L. A., Pauchard A., Pergl J., Roy H. E., Seebens H., van Kleunen M., Vilà M., Wingfield M. J. & Richardson D. M.: Scientists’ warning on invasive alien species. Biological Reviews. URL: https://doi.org/10.1111/brv.12627
  • Das Paper ist Teil der „Warnung der Wissenschaftler der Welt an die Menschheit: Zweite Mitteilung“, einer globalen Initiative von Forschenden, die 1992 ins Leben gerufen wurde und eindringlich zum Umdenken bei der Beantwortung globaler Umweltproblematiken auffordert.