Informationen für Lehrende

Haben Sie in diesem Semester schon mit einem Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung gesprochen? Waren Sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst?  Knapp ein Fünftel aller Studierenden an deutschen Hochschulen sind von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen. Die meisten Beeinträchtigungen  oder chronische Erkrankungen sind für Lehrende und Mitstudierende gar nicht sichtbar.

Studieren mit Behinderungen und chronischen Erkrankung ist eine Herausforderung. Die Studierenden müssen nicht nur Leistungen für das Studium erbringen, sondern auch Zeit für Therapien sowie Arzt- und Reha-Besuche aufbringen. Die Leistungsmöglichkeiten schwanken je nach Gesundheitszustand und Umweltbedingungen. Auch die Anwesenheit ist wegen akuten Krankheitsschüben oder Arztterminen oder Therapien (z.B. Dialyse oder Bestrahlungen) nicht immer möglich.

Für Hochschullehrende haben wir hier Informationen zusammengestellt, die Ihnen helfen sollen, die besonderen Herausforderungen von Studierenden mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu erkennen, zu verstehen und diesen Personen zielgerichtet und bedarfgerechte Unterstützung anbieten zu können.

Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sind häufig sehr engagierte junge Menschen, die bereits viele Herausforderungen gemeistert haben. Sie fordern keine Vorteile, sondern gleiche Chancen unter besondern Umständen. Bitte brücksichigen Sie dies bei den Gesprächen mit Studierenden, die Nachteilsausgleiche beantragen bzw. benötigen.

Wir beraten Sie sehr gerne zu allen Fragen rund um den Themenkomplex Studieren mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen.

Barrierefreie Online-Lehre

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass es ohne großen Mehraufwand möglich ist, digitale Lehre so zu gestalten, dass sie von allen Studierenden gut genutzt werden kann.

Dafür verweisen wir auf Empfehlungen, die Sigrid Eicken und ihre Kolleginnen sowie das Team des TIK an der Universität Stuttgart erarbeitet haben und bereiten diese Empfehlungen für die Bedingungen an unserer Universität auf.

Wir bitten Sie herzlich darum, folgende organisatorische und technische Aspekte zu beachten:

  1. Achten Sie bitte auf gute Ton- und Bildqualität sowie einen möglichst störungsfreien Hintergrund bei eigenen Vorlesungsaufzeichnungen. Lassen Sie sich hierzu gerne beraten vom Team E-Learning, insbesondere von Roland Fischer (Medienproduktion)
  2. Bitte stellen Sie zusätzlich zu aufgezeichneten Lehrveranstaltungen auch eine schriftliche Ausarbeitungen (Skripte, Vorlesungsnotizen, schriftlich entwickeltes „Tafelbild“ o.Ä.) in  ILIAS  zur Verfügung. Viele Studierende sind darauf angewiesen, da sie nicht gleichzeitig zuhören und mitschreiben können, für andere sind solche Ausarbeitungen eine große Hilfe: Sehbehinderte und Blinde, Hörbehinderte und Gehörlose, Mobilitätseingeschränkte (v.a. bezüglich des (Mit)Schreibens), Studierende mit anderen Einschränkungen, bei denen eine Verlangsamung stattfindet (z.B. durch Medikamenteneinnahme, ADHS oder psychische Beeinträchtigungen), internationale Studierende, Studierende mit Kindern.
  3. Bitte halten Sie Ihr Lehrangebot mit allen Materialien (aufgezeichnete Präsentationen,  Skripte, „Tafelbilder“ etc.) mindestens bis zur Prüfung und Nachprüfung online zur Verfügung.
  4. Bitte bereiten Sie vor allem Ihre schriftlichen Ausarbeitungen möglichst barrierearm auf. Uns ist bewusst, dass eine weitgehende Barrierefreiheit von Dokumenten derzeit noch nicht möglich ist, aber bitte erleichtern Sie sehbehinderten Studierenden das Lesen und ggf. Vergrößern von Dokumenten:

     
    • Die Dokumente müssen dafür möglichst kontrastreich sein: Optimal sind weißer Hintergrund und schwarze Schrift. Auf das hellere Uni-Blau mit weißer oder schwarzer Schrift sollte verzichtet werden, ebenso auf Kombinationen aus Rot-Grün, Rot-Orange, Blau-Grün usw.
       
    • Gestalten Sie Ihre Ausarbeitungen bitte möglichst übersichtlich, so dass auch Personen mit Vergrößerung am Bildschirm den Überblick behalten können.
       
    • Verwenden Sie in Word-Dokumenten Dokumentvorlagen und kennzeichnen Sie Kapitelüberschriften als solche, so dass diese von der Sprachausgabe lesbar sind.

       
  5. Bieten Sie den Studierenden die Möglichkeit, Rückfragen zu Ihren Lehrveranstaltungen und Materialien stellen zu können. Das muss nicht unbedingt in Echtzeit sein. Es sollten jedoch Regeln kommuniziert werden, wie Sie am besten zu erreichen sind und in welchem Zeitraum Studierende von Ihnen eine Antwort auf Fragen und Anmerkungen erwarten können (insbesondere bei Lehrbeauftragten, die nicht so oft zur Verfügung stehen (können)). Dies schafft Transparenz und nimmt den Studierenden die Unsicherheit, wann sie mit Ihnen wie in Kontakt treten können.
  6. Falls Sie Lehrveranstaltungen mit Webkonferenzen und anderen Präsenzformaten abhalten, bitten wir Sie, alternative Möglichkeiten der Teilnahme (z.B. Aufzeichnung dieser Sitzungen) und Leistungserbringung anzubieten für:
     
    • Studierende mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen, die – ggf. verschärft durch die aktuelle Situation – aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten nicht zu diesem Zeitpunkt an der Lehrveranstaltung teilnehmen können, oder
    • Behinderte und chronisch kranke Studierende, die einen vom Prüfungsausschussvorsitzenden genehmigten Nachteilsausgleich bezogen auf die Anwesenheitspflicht bei Lehrveranstaltungen haben.

Da wir aufgrund dieser neuen und für alle unbekannten Situation sicherlich nicht alle Fälle und Situationen bedacht haben, bitten wir Sie, auf Rückfragen und Bitten von Studierenden sensibel und lösungsorientiert zu reagieren. Wir freuen uns auch auf Anregungen und Best-Practice von Ihnen, die uns allen dabei helfen können, in dieser Zeit zu lernen und gute Lehrangebote zu entwickeln. Für Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.