Nachteilsausgleich für Studien- und Prüfungsleistungen

Studienregelungen, die für alle Studierenden gleich und maßgeblich sind, können für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu erheblichen Nachteilen und Studienerschwernissen führen. Diesen zusätzlichen Erschwernissen sollen Nachteilsausgleiche entgegen wirken. Sie sind ein zentrales Instrument der Chancengleichheit und tragen dazu bei, dass vorhandene Barrieren in Einzelfällen überwunden werden können. Sie sind keine Bevorzugung und wirken nicht qualitätsmindernd auf die zu erbringenden Leistungen.

FAQ

Wer kann einen Nachteilsausgleich in Anspruch nehmen?

Alle Studierende, deren Studium aufgrund ihrer individuellen Behinderungen oder einer chronischen Erkrankung erschwert wird. Die rechtlich bindende Definition von Behinderung und chronischer Erkrankung ist:


„Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt ist.” (§2 Absatz 1 Sozialgesetzbuch IX)


Diese Definition umfasst auch chronische, d.h. länger andauernde Erkrankungen, wie auch Erkrankungen mit einem episodischen Verlauf (z.B. psychische Erkrankungen, Epilepsie, Herz-Kreislauferkrankungen). Sie umfasst sichtbare, wie nicht sichtbare Beeinträchtigungen und so genannte Teilleistungsstörungen wie Legasthenie und Dyskalkulie.

Was kann ein Nachteilsausgleich sein?

Nachteilsausgleiche können beim Studienzugang, während des Studiums und bei Prüfungsleistungen Erschwernisse abbauen. Sie können dauerhaft oder einmalig gewährt werden. Sie sollten immer im Einzelfall geprüft und mit dem individuellen Bedarf der bzw.  des Studierenden abgeglichen werden.

Beispiele für Nachteilsausgleiche bei Prüfungsleistungen:

  • Verlängerung der Bearbeitungszeit bei Prüfungen, Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten (z.B. bei Legasthenie, motorischen Einschränkungen, krankheitsbedingten Konzentrationsverlusten, ADS, Asperger Syndrom)
  • Erholungspausen bei Prüfungen (z. B. bei Sehbeeinträchtigungen, Einnahme von konzentrationsbeeinträchtigenden Medikamenten)
  • eigener Bearbeitungsraum bei Prüfungen (z. B. bei krankheitsbedingten Konzentrationsstörungen, Asperger Syndrom)
  • Aufteilung von Prüfungsleistungen in Teilleistungen Personelle oder technische Unterstützung bei Prüfungen (z. B. Gebärdensprachendolmetscher_innen)
  • Ersatz einer Prüfungsform durch eine andere (z. B. mündlich statt schriftlich, Einzel- statt Gruppenprüfung, Hausarbeit statt Referat)

Beispiele für Nachteilsausgleiche im Studienverlauf:

  • Ton- und Videomitschnitte der Lehrveranstaltung
  • Ersatz obligatorischer Präsenzzeiten (z. B. bei chronischen Erkrankungen)
  • Vorlesungsskripte und Handouts zur Vor- und Nachbereitung
  • Modifikation von Praktika 


Wie beantrage ich einen Nachteilsausgleich?

Um einen Nachteilsausgleich zu beantragen, müssen Studierende in der Regel:

  • einen formlosen Antrag stellen und
  • ein ärztliches Attest beifügen oder nachreichen.

Das Attest kann von Therapeuten, Fach- oder Hausärzten stammen. In manchen Fällen ist ein betriebsärztliches Attest notwendig. Diagnostische Tests (z. B. bei Lese- und Rechtschreibschwäche) sollten nicht älter als 5 Jahre sein. Der Antrag und das Attest müssen enthalten:

  • wichtige Angaben zu der Krankheit,
  • die daraus resultierenden, konkreten Erschwernisse für Ihr Studium und
  • Lösungsvorschläge für einen individuellen Nachteilsausgleich.

Eine Diagnose muss in beiden Schreiben nicht genannt werden. Die Unterlagen reichen Sie bei dem/der zuständigen Fachbereichsreferent_in oder dem entsprechenden Prüfungsamt ein.

Wichtig: Beachten Sie die Antragsfristen – Anträge auf Nachteilsausgleiche für Prüfungsleistungen müssen rechtzeitig gestellt werden!

Anmerkung für Lehrende

Laut bundesweiten Erhebungen des Deutschen Studentenwerks haben ca. 8% der Studierenden studienerschwerende Beeinträchtigungen. Dennoch machen nur wenige Betroffene von ihrem Recht auf einen Nachteilsausgleich Gebrauch, auch aus Sorge vor Sonderbehandlung, Stigmatisierung und Verdächtigungen auf Missbrauch oder Nichteignung für ein Studium.

Wirken Sie als Lehrkraft diesen Ängsten entgegen, sorgen Sie für Transparenz bei relevanten Nachteilsausgleichen und gehen Sie ermutigend auf betroffene Studierende zu! Nachteilsausgleiche können zusätzliche Erschwernisse beheben und Studierenden mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen ermöglichen, ihr Studium sorgenfreier und erfolgreich abzuschließen.