Nach den Kindern ist vor den Eltern

Eine immer größere Anzahl von Menschen steht vor der Herausforderung, ihre Berufstätigkeit, ihr Studium oder ihre Forschungsarbeit mit Pflegeaufgaben vereinbaren zu müssen.

Die Fürsorge oder Pflege von älteren Angehörigen wird irgendwann fast alle betreffen. Aber auch Kinder mit Behinderungen sowie schwer erkrankte Partnerinnen oder Partner können permanent auf Unterstützung und Pflege angewiesen sein.

Diese Anforderungen sind für die Betroffenen eine enorme zeitliche, körperliche und psychische Belastung. Die Universität unterstützt ihre pflegenden Mitglieder durch Beratung, Vorträge, Fortbildung und flexible Arbeitsbedingungen.

Unterstützung durch die Universität

Mit den Flexiblen Arbeitsmodellen bietet Ihnen die Universität Möglichkeiten, Ihre Familienaufgaben und Ihre Berufstätigkeit in eine gute Balance zu bringen. Die flexiblen Arbeitsmodelle zu Arbeitszeit und Arbeitsort können Sie dabei entlasten.

Veranstaltungen

"Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung" (26.07.2016 )
Dr. Heinrich Everke, Allgemeinmediziner und Rainer Mosbrugger, Rechtsanwalt erläutern die verschiedenen Verfügungen und Vollmachten.

Folien zum Vortrag von Dr. Everke

Folien zum Vortrag von Hr. Mosbrugger

Beratung

Erstanlaufstelle bei Fragen von Studierenden, Forscherinnen oder Berufstätigen, die Angehörige pflegen ist Inés Eckerle, betriebliche Pflegelotsin.

Zusätzlich bietet Ihnen die Universität alle zwei Monate eine Beratung durch Frau Nabholz von der Caritas an. Zu diesen Terminen melden Sie sich bitte bei ihr an.

Telearbeit - Homeoffice

Bei umfangreichen Familienaufgaben kann Telearbeit eine große Entlastung sein.
Arbeiten von zu Hause und an der Universität sollen sich abwechseln und der Anteil an der Universität soll mindestens 50% der Arbeitszeit betragen.

Schreiben Sie einen formlosen Antrag und reichen ihn mit der Zustimmung Ihrer oder Ihres Vorgesetzten bei der Personalabteilung ein. Nennen Sie darin den geplanten Umfang der Telearbeit, den geplanten Telearbeitstag/-tage sowie die vorgesehenen Tätigkeiten.

Bei Fragen wenden Sie sich an die Beauftragte für Chancengleichheit.

Reduktion der Arbeitszeit

Sie haben die Möglichkeit, Ihre Arbeitszeit zu reduzieren, um Familienaufgaben und Erwerbstätigkeit besser miteinander vereinbaren zu können. Meist wird die Reduzierung zunächst für zwei Jahre vorgenommen und kann verlängert werden. Sie können an allen Arbeitstagen in reduziertem Umfang arbeiten oder Sie können die Anzahl der Arbeitstage pro Woche reduzieren.

Reichen Sie Ihren formlosen Antrag mit der Zustimmung Ihrer oder Ihres Vorgesetzten bei der Personalabteilung ein.

Bei Fragen wenden Sie sich an die Beauftragte für Chancengleichheit.

Jahresarbeitszeit

Die Universität bietet Ihnen die Möglichkeit der gleitenden Arbeitszeit. Kernarbeitszeit ist zwischen 9.00 und 15.30 Uhr, freitags bis 12.00 Uhr.

In Absprache mit Ihrer oder Ihrem Vorgesetzten können Sie die in arbeitsintensiven Zeiten geleistete Mehrarbeit wieder abgleiten, z. B. für die Weihnachsschließung, um Ferienzeiten der Kinder zu überbrücken oder Angehörigenpflege leichter leisten zu können. Grundsätzlich können Sie  bis zu 20 Tage pro Jahr Gleitzeit nehmen, davon pro Monat bis zu fünf. Darüber hinausgehenden Bedarf klären Sie mit Ihren Vorgesetzten.

Der Flexibilisierungszeitraum reicht bis zum 31.01. des nächsten Jahres. Dies bedeutet, dass Überstunden, die über Ihre wöchentliche Arbeitszeit hinausgehen, erst am 31.01. verfallen. So können Überstunden während der Betriebsschließung über den Jahreswechsel abgebaut werden.

Broschüren und Vordrucke

Pflege - Rechtliches

Finanzielles - Freistellung

Kurzfristige Arbeitsbefreiung - Pflegeunterstützungsgeld
Beschäftigte haben das Recht, pro pflegebedürftigen/r Angehörigen, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, wenn dies erforderlich ist, um in einer akut aufge-tretenen Pflegesituation eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen. Sie haben währenddessen Anspruch auf eine Lohnersatzleistung (ca. 90 Prozent des Nettolohns) aus der Pflegeversicherung der/des Pflegebedürftigen. Der Antrag ist unverzüglich bei der Pflegekasse oder dem Versicherungsunternehmen der/des Pflegebedürftigen zu stellen. Dort erhalten Sie weitere Informationen über das Vorgehen, um die Lohnersatzzahlung zu erhalten. 

Informieren Sie Ihre/n Vorgesetzte/n über Ihre Abwesenheit und deren Dauer  und reichen anschließend eine ärzliche Bescheinigung vom Arzt oder der Ärztin Ihrer Angehörigen bei der Personalabteilung ein. Die zehn Tage Arbeitsverhinderung können pro akuter Pflegesituation in Anspruch genommen werden (d. h. wenn es so ist, mehrmals, je nach akuter Pflegesituation nicht nur 1 x im Jahr).

Die Auszeit von bis zu zehn Arbeitstagen kann nicht genommen werden, wenn man sich lediglich um nahe Angehörige kümmern will oder ein Arztbesuch erforderlich ist.

Zinsloses Darlehen
Zur besseren Absicherung des Lebensunterhalts während der Familienpflegezeit und der Pflegezeit wurde ein Anspruch der Beschäftigten auf Förderung durch ein zinsloses Darlehen eingeführt. Das Darlehen kann direkt beim Bundesamt für zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden. Es wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt grundsätzlich die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab. Auf entsprechenden Antrag kann auch ein niedrigeres Darlehen - bis zu einer Mindesthöhe von 50 Euro monatlich – genommen werden. Die bisherige Möglichkeit, eine Entgeltaufstockung unter Verwendung eines Wertguthabens zu vereinbaren, bleibt unberührt.

Rentenansprüche
Sie können für die Zeit der Pflege Rentenansprüche erwerben. Damit die Pflegezeit bei der Rente anerkannt wird, dürfen Sie maximal bis zu 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Wer (teilzeit-) erwerbstätig ist und nebenher pflegt, erwirbt alos doppelte Rentenansprüche: aus dem eigenen Arbeitsverhältnis und als Pflegeperson. Pflegende erhalten Rentenpunkte. Wer mindestens 14 Wochenstunden in seiner häuslichen Umgebung auf privater Basis pflegt, kann dies auf die eigene Rentenversicherung anrechnen lassen.

Pflegekosten
Pflegekosten sind eine außergewöhnliche Belastung. Die Kosten für die Unterbringung in einem Pflegeheim sind absetzbar. Das gilt allerdings nur, wenn der Pflegebedürftige sie aus eingener Tasche bestreitet. Wer eine private Pflegetagegeldversicherung hat, muss daher prüfen, ob trotz dieser Versicherungsleistung noch Pflegekosten aus eigenen Mitteln aufgewandt werden.

Pflegegeld
Wenn zu Hause lebende Pflegebedürftige von Angehörigen versorgt werden, erhalten sie von ihrer Kasse Pflegegeld. Die Pflegepersonen können dieses Geld "brutto für netto" annehmen. Steuern und Sozialversicherungsbeiträge fallen nicht an. Durch dieses Pflegegeld können Angehörige einen Verdienstausfall durch vorrübergehend reduzierte Arbeitszeit ausgleichen.

Unterhaltspflicht
Für anfallende Kosten muss zunächst der/die Pflegebedürftige selbst aufkommen. Wenn das Vermögen nicht ausreicht werden Ehepartner bzw. Kinder in die Pflicht genommen. Falls Eltern ihr Eigenheim auf Sohn oder Tochter übertragen haben und dies noch nicht länger als 10 Jahre her ist, muss das Eigenheim wieder an die Eltern zurückgegeben werden, um sodann als deren Vermögen zur Kostendeckung des Pflegeaufwands zu dienen.

Familienpflegezeit - Pflegezeitgesetz

Der kurze Film des Ministeriums gibt eine gute Übersicht zu den Gesetzesänderungen zum 01.01.2015.

Alles über Familienpflegezeit, das Pflegezeitgesetz, wer zu den nahen Angehörigen zählt und wie Sie die Doppelbelastung finanziell schultern können, erfahren Sie auf der Seite des Bundesfamilienministeriums.

Pflege zu Hause und Externe Unterstützung

Pflege zu Hause

Pflegevideos
zeigen Ihnen, wie Sie kraftsparend Ihre Angehörigen aufsetzen, umbetten, umdrehen, Ihnen beim Aufstehen helfen etc.
Beim Deutschen Pflegering finden Sie Einrichtungen in Ihrer Nähe. Vollzeitpflege, Tagespflege, ambulante Pflege usw. Sie können nach Pflegeschwerpunkten und Nähe zu Ihrem Wohnort sortieren und finden so schnell ein passendes Angebot.Menschen, die Angehörige pflegen, benötigen oft zunächst selber Anleitung und vor allem Unterstützung. An bundesweit 97 Standorten bieten 2000Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter ihre Hilfe an. Sie vermitteln Wissen über Bewältigungsmöglichkeiten bei Krankheit und Pflegebedarf. Sie helfen beim Finden von Unterstützungsnetzwerken vor Ort und stehen für Gespräche zur Verfügung. Kontakt: Iren Steiner, Tel.: 07023 74 12 48 und über www.pflegebegleiter.de

Die Altenhilfeberatung vermittelt pflegenden Angehörigen Vertretungskräfte für Urlaub oder das Wochenende. Das können Gastfamilien oder GastbetreuerInnen sein, die ins Haus kommen. Für die Grundpflege kommen Fachkräfte eines Pflegedienstes ins Haus.

In und um Konstanz

Der Malteser Hilfsdienst
in Konstanz bietet einen Besuchs- und Begleitdienst an. Geschulte Bürgerinnen und Bürger kommen ins Haus und entlasten pflegende Angehörige, indem sie sich stundenweise mit den an Demenz erkrankten Angehörigen beschäftigen.
Weitere Informationen unter 07531 8104-52

Selbsthilfegruppe
Für pflegende Angehörige gibt es vom Malteser Hilfsdienst eine Selbsthilfegruppe in Konstanz. Zusammenkünfte jeden zweiten Mittwoch im Monat. Weitere Informationen erhalten Sie unter der Telefonnummer 07531/8 10 40, E-Mail gabriele.grundwald@malteser.org

Tagespflege im Marienhaus
In der Zeit von 8.00 bis 16.30 Uhr können dort von Montag bis Freitag Seniorinnen und Senioren täglich oder auch nur einmal die Woche den Tag verbringen. Ein Fahrdienst holt sie zu Hause ab und bringt sie nachmittags zurück. Die Seniorinnen und Senioren werden während der Tagespflege gefördert und unterhalten. Tagespflege des Marienhauses, Tel. 07531 9 08 43 50.

Wohngemeinschaft für Seniorinnen und Senioren
In der Fürstenbergstraße in Konstanz (ehemaliges Hotel Tweer) bietet das Malteser Seniorenzentrum betreutes Wohnen und Pflege. Jede Person hat ihr eigenes Zimmer mit Bad. Gemeinschaftsküche, gemeinsames Wohnzimmer und Dachterrasse. Die Malteser garantieren 24-Stunden Präsenz von Fachkräften und Alltagsbegleitung im Drei-Schicht-Betrieb sowie Unterstützung durch externen Pflegedienst. Informationen erhalten Sie unter Telefon 07531/84061 bei Frau Baumann oder zur Pflege unter 07531 81 04 22.

Beratung
zur seelischen Gesundheit
im Alter im Zentrum für Psychiatrie Reichenau bei Magdalena Welzel im Patienten-Informations-Zentrum unter Tel: 07531/97 76 90, dienstags von 15.30 – 17.00 Uhr. Chefärztin der Abteilung Geronto- und Neuropsychatrie im ZPR: Dr. Suzana Andrade.

Eine psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige finden Sie auf der Seite von pflegen-und-leben. Es handelt sich dabei um ein Internetportal für pflegende Angehörige, aber auch für Freunde, Bekannte und Nachbarn, die pflegebedürftige Menschen im häuslichen Umfeld versorgen. Pflegende Angehörige, die gesetzlich krankenversichert sind, finden hier persönliche Unterstützung und psychologische Begleitung bei seelischer Belastung durch den Pflegealltag - anonym, kostenfrei und datensicher.

Haushaltshilfe - Urlaub von der Pflege

Haushaltshilfe
Aufgaben zu delegieren kann hilfreich und entlastend sein. Eine Haushaltshilfe kann Ihnen die eigene Hausarbeit abnehmen, während Sie sich um Ihre Angehörigen kümmern, oder sie erledigt im Haushalt Ihrer Angehörigen notwendige Arbeiten. Haushaltshilfen für Haushalte mit pflegebedürftigen Personen können von Privatleuten direkt angestellt werden.

Urlaub von der Pflege
Pflegende Angehörige haben Anspruch auf eine vierwöchige Vertretung im Jahr, um Urlaub zu machen. Voraussetzung ist eine sechsmonatige Vorpflegezeit für die erstmalige Inanspruchnahme außerdem müssen die Angehörigen Pflegegeld beziehen.Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Urlaub von der Pflege zu machen: die Verhinderungspflege, bei der Angehörige zu Hause von einer Ersatzperson versorgt werden. Und die Kurzzeitpflege, bei der die Pflege vorübergehend in einem Heim geleistet wird. Bei beiden Varianten stehen den Pflegenden je 28 Tage Auszeit im Kalenderjahr zu (Sozialgesetzbuch SGB XI, Paragraf 39 und 42). Die Entlastung kann auf mehrere Kurzurlaube verteilt werden.Unterstützung muss bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Mehr ...

Literatur

Die Literaturtipps sind eine kleine belletristische Auswahl mit den Themen: Umgang mit den Eltern, dem Sterben und dem Älterwerden.

Sehr sehenswert ist auch der biografische Dokumentarfilm von David Sieveking „Vergiss mein nicht”  (Filmstart 2013) über seine Mutter, die an Alzheimer erkrankte.

Justine Lévy: Schlechte Tochter

Louise ist schwanger, eine Überraschung, ein Glück. Doch beinahe gleichzeitig erfährt sie, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Die schöne, von allen bewunderte Frau, die man sich hinfällig, hilfsbedürftig kaum vorstellen kann. Die ferne Mutter, die sie als Kind im Stich gelassen hat. Louise möchte ihr gerne nahe sein, für sie sorgen, sich mit ihr zusammen auf das Kind freuen. Und traut sich doch kaum, ihr von der Schwangerschaft zu erzählen. Louise wird sie, als gute Tochter, bis zum Tod begleiten, ihre Launen und Ängste ertragen, den körperlichen Verfall. Und hofft doch noch vieles zu klären aus der verpatzten Kindheit, endlich das Gefühl loszuwerden, nie wirklich wahrgenommen, geliebt worden zu sein. Wie kann man selbst eine gute Mutter werden, wenn die eigene versagt hat? Wieso hat man noch als Erwachsene das Gefühl, an allem selbst schuld und als Tochter nie gut genug zu sein? Mit ihrer rückhaltlos offenen Beschreibung einer komplexen Mutter-Tochter-Beziehung ist Justine Lévy ein tief berührender Roman gelungen.

Thomas Harlan: Veit

«Mein Sohn, ich glaube, ich habe Dich verstanden.» Im April 1964 ruft Veit Harlan seinen Sohn Thomas nach Capri an sein Sterbebett, doch für das Gespräch, das mit diesem Satz hätte beginnen können, ist es zu spät. Drei Tage dauert das Sterben, drei Tage erinnert Thomas Harlan sich an die gemeinsame Geschichte. Wir erleben eine Familie, die nicht an «Jud Süß» allein zerbrach. «Seine Prosa hat, mit den üppig wuchernden Satzgebilden, der kraftvollen Wortwahl und der ungeheuren Präzision, wohl nicht ihresgleichen in der Nachkriegsliteratur.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Karl Ove Knausgard: Sterben

Das eigene Leben offen, schonungslos und radikal zum Gegenstand des Schreibens machen. Radikal ehrlich und mit unglaublicher sprachlicher Kraft nähert er sich in »Sterben« seinem schwierigen Verhältnis zum Vater, das ihn grundlegend geprägt hat. Als dieser stirbt und er sich mit seinem Bruder daran macht, den Nachlass zu ordnen, bietet sich beiden ein Bild des Grauens. Während sie das Haus reinigen und die Beerdigung vorbereiten, kommen Erinnerungen hoch. Nach und nach entsteht so das Porträt eines Mannes, über den sich in der Kindheit das Gleichgewicht der Familie definierte und den die beiden Söhne unsäglich zu hassen lernten. So sehr hat dieser Vater einen Schatten auf das Leben der Brüder geworfen, dass sie den Bestatter bitten, die Leiche sehen zu dürfen. Erst dann, so sind sich beide einig, werden sie glauben können, dass er wirklich tot ist.

Katja Thimm: Vatertage

Eine scheinbar ganz normale Einfamilienhaus-mit-Garten-Kindheit in der Bonner Republik. Doch manchmal, unvermittelt, bekommt die Normalität Risse, und die Tochter merkt: Es gibt da noch etwas anderes.

Dieses andere sind Kindheit und Jugend des Vaters, ist die traumatische Erfahrung von Flucht und Vertreibung, von Verlust und Massensterben, vom Leben in zwei totalitären Systemen.

Die Egon-Erwin-Kisch-Preisträgerin Katja Thimm erzählt so eindringlich wie einfühlsam die Geschichte ihres Vaters, die zugleich die Geschichte Hunderttausender Kriegskinder ist. Sie berichtet, wie die schrecklichen Erfahrungen der Vergangenheit fortwirken, in ihrem Vater, der mit zunehmendem Alter immer häufiger von traumatischen Erinnerungen heimgesucht wird, aber auch in ihr selbst und damit in der Generation der "Kriegsenkel".

Tilmann Jens: Abschied von meinem Vater

"Walter Jens, mein Vater, ist dement. Sein Gedächtnis ist taub, die Sprache versiegt. Die Blicke sind hohl und verloren. Meine Mutter, mein Bruder und ich sind uns einig, wir wollen, wir werden sein Leid nicht verstecken." Tilman Jens. Tilman Jens’ Buch ist die Chronik eines langsamen Abschieds des Sohnes vom geliebten und bewunderten Vater. Der Sohn berichtet von einem Lebensende, das so gänzlich anders verläuft, als sein Vater, der „Virtuose des Wortes”, der Anwalt eines selbstbestimmten Todes, erhofft hatte. Ein bewegendes Buch über Auslöser und Auswirkungen einer grausamen Krankheit.

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

„Ein bewegendes, berührendes Porträt des eigenen Vaters, der an Demenz leidet. Bei Geiger wird diese Krankheit zu einer Chiffre für eine ganze Welt des Vergessens und Verdrängens. Geigers Buch ist keine Krankengeschichte, sondern eine auch komische Erzählung über eine Welt, in der Alltagsvernunft und Demenz gar nicht so weit auseinanderliegen, wie man glaubt. Dabei wird nichts verklärt, aber manches wird klarer." Dieter Moor

Joyce Carol Oates: Du fehlst

Nikki Eaton, Anfang dreißig, unabhängig und eigenwillig, will endlich ihr schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter klären. Sie ist noch unterwegs, da wird diese Opfer eines Raubüberfalls. Wäre Nikki zehn Minuten eher bei ihrer Mutter eingetroffen, hätte sie deren Tod vielleicht noch verhindert. Bisher hatte sie ihre Mutter nur an Feiertagen besucht, immer auf der Hut vor deren Einmischung in ihr Leben. Nun trifft sie der Kummer um ihren Tod unerwartet und heftig.

Einfühlsam und spannend beschreibt Joyce Carol Oates das Spektrum der Veränderungen und verwirrenden Gefühle in Nikkis Trauerjahr: Lähmung, Wut, Sorge und auch Erkenntnis. Du fehlst ist ein erschütternder, intensiver Page-turner über Mütter und Töchter.

Gian Domenico Borasio: Über das Sterben

Liebevolles Unterlassen fällt Ärzten schwer. Ein Gespräch mit dem Arzt und Autor Gian Domenico Borasio über richtige Begleitung Sterbender.

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Inge Jens: Langsames Entschwinden. Vom Leben mit einem Demenzkranken

Walter Jens litt ein Jahrzehnt lang an Demenz. Der einst wortgewaltige Gelehrte versank zunehmend in eine Welt jenseits der Sprache, jenseits der Gedanken. Er starb am 9. Juni 2013. Seine Frau Inge Jens, mit der er mehr als ein halbes Jahrhundert zusammenlebte, hat ihn in seiner Krankheit begleitet und ihn, unterstützt von anderen Menschen, bis zuletzt gepflegt.

In vertraulichen Briefen an Freunde und Bekannte hat sie immer wieder geschildert, wie er sich veränderte und wie schwierig es ist, mit einem Demenzkranken umzugehen. «Ich sehe seinem Entschwinden zu – den Mann, den ich liebte, gibt es nicht mehr.»

Das Buch dokumentiert mit ausgewählten Briefen und einem längeren Bericht die Leidensgeschichte von Walter Jens. Einfühlsam und respektvoll beschreibt Inge Jens die Veränderungen, die durch die fortschreitende Krankheit verursacht wurden; und offen reflektiert sie die eigene Unsicherheit, wie man sich dem Kranken gegenüber verhalten soll. Zugleich ist sie sich bewusst, wie privilegiert ihre Situation als Angehörige war – und dass die Akzeptanz und die Bezahlung von Pflegepersonal in unserer Gesellschaft dringend verbessert werden müssen.

Eine berührende Schilderung und ein wichtiger Denkanstoß.