Menschen im Garten
v.l.n.r: Lilly Mutschinski (MA-Arbeit), Dominik Gügel (Museumsdirektor Arenenberg / Napoleonmuseum / Ges. f. Natur und Kultur), Lothar Damaschek (Vermögen und Bau, Konstanz), Dr. Hilmar Hofmann (Stabstelle Nachhaltigkeit Uni Konstanz), Markus Zeiler (Gartendirektor Mainau GmbH), Jarid Zimmermann (BUND, „Konstanz summt“), Tim Schoch (Pronatura/ Naturgartenberatung), Dr. Gregor Schmitz (Bot. Garten), Dr. Uwe Messer (Kommunen für Biologische Vielfalt e.V.), Eva Eisenbarth (Gartenforum / Ges. f. Natur und Kultur)

Projekte des Botanischen Gartens

Förderung der Artenvielfalt in heimischen Gärten: Biodiversität auf der Palette

Wer sich aufmerksam in der Natur umsieht, dem ist es sicherlich schon aufgefallen: Die Insektenvielfalt hat in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen. Um diesen Prozess aufzuhalten, ist nun jeder dazu aufgefordert in seinem privaten Wohnumfeld etwas zur Steigerung der Biodiversität zu tun. Da sich viele mit der konkreten Umsetzung schwertun, hat sich der botanische Garten der Universität Konstanz überlegt, wie man den Gartenbesitzer und die Gartenbesitzerin mit Anregungen unterstützen kann. Durch Dr. Gregor Schmitz entstand so die Idee, Biodiversität „auf die Palette zu packen“ und damit (potentiell) transportabel zu machen. So etwas könnte dann zukünftig von Gartenbauunternehmen angeboten werden. Dafür wurden im botanischen Garten zunächst Prototypen hergestellt und Erfahrungen im Handling und der Pflege gesammt. Zudem wurde der Effekt auf die Insektenvielfalt ausgewertet und für die Bevölkerung nachvollziehbar gemacht.

Durchführung des Projektes

Unterstützt durch Eva Eisenbarth vom Konstanzer Gartenbauunternehmen „Gartenforum“ wurden Anfang des Jahres 2023 zehn individuell gestaltete Module aus verschiedensten, recycelten Materialien gebaut und mit unterschiedlichen Gruppierungen heimischer Pflanzen bepflanzt. So entstand z.B. aus einer alten Regentonne und einer Schattenmatte eine vertikal bepflanzte Blumenwiese, eine Munitionskiste wurde mit diversen Rankpflanzen besetzt und ein alter Tontopf mit einem Sandrasen für Wildbienen versehen. Neben dem Pflanzen- und Blütenaspekt halten die Module auch Brut- und Nistplatzmöglichkeiten sowie Verstecke und Lebensräume, wie Totholzstrukturen, bereit. Das die einzelnen Pflanzenarten auf unterschiedliche Weise zur Insektenvielfalt beitragen, sollen diese Beispiele zeigen:

  • Die Salweide ist eine der „Spitzenreiter“, stellt sie doch für insgesamt 451 pflanzenfressende Insektenarten eine Nahrungsquelle dar, wovon 190 Arten weitestgehend weidenspezifisch sind.
  • Die Glockenblumen werden von fünf stark spezialisierten Wildbienen besucht, die teils auch in den Blüten schlafen.
  • Viele Tagfalter können durch die Pflanzung von z.B. der Acker-Kratzdistel oder dem Echten Dost (Oregano) gefördert werden, da diese zu den häufig besuchten Nektarquellen gehören.

Die ökologischen Wertigkeiten der Pflanzen ergeben sich aus der Zahl der sie nutzenden Blütenbesucher (Daten liegen insbesondere zu Tagfaltern und Wildbienen als Bestäuber vor, wie auch zu dem Heer pflanzenfressender Insekten). Für eine größere Auswahl an Pflanzen stellt Lilly Mutschinski diese Biodiversitätswerte zusammen.

Ausblick

Die Module wurden nun am 16.06.2023 zunächst einem Fachgremium vorgestellt, um einerseits Rückmeldungen zu bekommen, was gegebenenfalls anders oder besser gemacht werden kann und andererseits gemeinsam zu überlegen, wie die Idee verbreitet werden könnte. Entsprechend vielfältig war das Gremium zusammengesetzt (s. Foto). Alle Anwesenden waren inspiriert und wollen gemeinsam an der Verbreitung der Idee, Biodiversität modulweise anzubieten, weiterarbeiten. Weitere Treffen sind daher geplant.

Führungen im Botanischen Garten

Der botanische Garten bietet regelmäßig Führungen an. Da die langfristige Pflege und Entwicklung der Module untersucht werden soll, werden diese ebenfalls noch länger zu besichtigen sein. Weitere Informationen zu Führungen und aktuellen Projekten können auf der Website und Instagram Seite des Botanischen Gartens eingesehen werden.