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Sylvia Gschwend
[sylvia.gschwend@uni-konstanz.de]

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KollegiatInnen
Koordinator
HochschullehrerInnen




Poetik der geometrischen Figur.
Der geometrische Diskurs in der Literatur des Realismus


Projektskizze

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Bedeutung der zeitgenössischen Geometrie für die Darstellungsverfahren und Strukturierungsstrategien in Erzähltexten des deutschsprachigen Realismus des 19. Jahrhunderts.

Ausgehend von einer enormen Popularität ihrer praktischen Anwendungsbereiche zu Anfang des Jahrhunderts, katalysiert durch Industrialisierungsprozesse und die einhergehende metrische Verdatung des empirischen Raums, erfährt die Geometrie im Laufe des Jahrhunderts eine zunehmende Abstrahierung von ihrer Orientierung am dreidimensionalen Raum des Realen. In dieser syn- und diachronen Vielschichtigkeit werden geometrische Ordnungsmodelle auch in anderen Disziplinen diskutiert, allen voran in der Naturwissenschaft, wo die idealgeometrische Form über das ganze Jahrhundert hinweg im Sinne der Objektivität als epistemologische Idealform zu finden ist. Die Suche nach sich in räumlich codierbaren Strukturen und Mustern manifestierenden Gesetzmäßigkeiten ist dabei ein Bestreben, das sich naturwissenschaftliche Disziplinen des 19. Jahrhunderts mit Texten des poetischen Realismus teilen. Auch dort sind, insbesondere in Anlehnung an das Tableau, literarische Darstellungsverfahren mittels geometrischer Idealfiguren und damit verbundene Prozesse der Reduktion und Abstraktion zu finden, auch dort sind Symmetrie, Maß und Proportion elementare Strukturierungs- und Ordnungsprinzipien der jeweiligen Erzählverfahren.

Die im Diskurs des poetischen Realismus bedeutende Frage, ob Ideales (und ideale Formen) innerhalb des Realen vorfindlich sind oder durch Ästhetisierungsverfahren auf die Wirklichkeit übertragen werden, stellt den spezifischen Kontext dar, in welchen sich die im Dissertationsprojekt behandelte ‚geometrische Verklärung‘ einschreibt. Anhand der detaillierten Nachzeichnung zeitgenössischer geometrischer Praktiken als literarische Verfahren in Texten des poetischen Realismus (von Stifter bis Storm) will das Dissertationsprojekt diese Diskussion aufgreifen und durch Positionen der (Formalen) Ästhetik sowie Wissenschaftsgeschichte und -theorie kontextualisieren.

Zur Person

Studium der Medienwissenschaften, Romanistik und deutscher Literaturwissenschaft in Freiburg i. Br., Basel und Konstanz; M.A. Deutsche Literatur an der Universität Konstanz mit einer Thesis zur Meteorologie in Adalbert Stifters frühen Erzählungen (2014). Seit Sommer 2015 Promotion am FB Literaturwissenschaft der Universität Konstanz. Von August 2015 bis Mai 2017 Stipendiatin der LGFG Baden-Württemberg. Seit Juni 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg „Das Reale in der Kultur der Moderne“, Universität Konstanz.