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"Das Reale in der Kultur der Moderne"

Aktuelles:

Ausschreibung:

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkollegs „Das Reale in der Kultur der Moderne“ sind
1 Doktorand(inn)enstipendium (Laufzeit zunächst bis zum 30.9.2014, bei entsprechender Bewilligung durch die DFG wird das Stipendium ab dem 1.10.2014 in eine 65% Stelle TV-L E13 umgewandelt, Höchstförderungsdauer insgesamt: 3 Jahre)
und
1 Post-Doktorand(inn)enstipendium (Laufzeit zunächst bis zum 30.9.2014, bei entsprechender Bewilligung durch die DFG wird das Stipendium ab dem 1.10.2014 in eine 100 % Stelle TV-L E13 umgewandelt, Höchstförderungsdauer insgesamt: 2 Jahre)
zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu vergeben.
Die Höhe des Stipendiums folgt den Richtlinien der DFG.
Das Kolleg geht der Frage nach, wie kulturelle Wirklichkeitsreferenz organisiert ist und wie sie auch und gerade in ihren Paradoxien funktioniert.
Beteiligte Fächer: Literaturwissenschaft (Anglistik, Amerikanistik, Germanistik, Romanistik, Slavistik), Medienwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Wissenschaftsgeschichte, Ethnologie.
Von dem/der Bewerber(in) wird erwartet, dass sie ihren Wohnsitz in Konstanz nimmt und sich regelmäßig und aktiv am Studienprogramm des Kollegs beteiligt. Nähere Informationen zu Fragestellung und Forschungsschwerpunkten des Kollegs unter: http://www.uni-konstanz.de/reales.
Rückfragen bitte an: Alexander.Zons@uni-konstanz.de.
Bewerbungen sind mit den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugniskopien), einem max. 10 Seiten umfassenden Exposé des Arbeitsvorhabens mit Zeitplan und einer einseitigen Kurzfassung bis zum 3. März 2014 zu richten an:
Universität Konstanz
Graduiertenkolleg „Das Reale in der Kultur der Moderne“
Fach D 153
D-78457 Konstanz
oder elektronisch (eine pdf-Datei) an: Alexander.Zons@uni-konstanz.de.

 

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Kurze Zusammenfassung des Profils:

Die kulturwissenschaftliche Debatte der letzten Jahrzehnte war auf Effekte der Selbst­referenz von Texten, Sprache und kulturellen Symbolisierungen gerichtet. Es ging vor allem darum, die gesellschaftliche und geschichtliche Bedingtheit von Zeichenprozessen und der sich daraus ergebenden Objektkonstitutionen vor Augen zu führen. Diese Akzent­setzung, die sich unter den Sammelbegriff ‚Konstruk­ti­vis­mus’ fassen lässt, fordert ihren Preis. Sie lässt die Dimension der Fremdreferenz von Zeichensystemen in den Hin­ter­grund treten, erzeugt eine gewisse Verlegenheit, was die Frage nach dem Realen unabhängig von der je­wei­ligen kul­turellen Symbolwelt betrifft, und läuft dadurch Gefahr, den epistemi­schen Graben zwischen sciences und humanities zu vertiefen.
  Bei genauerem Hinsehen handelt es sich hier indessen nicht um ein spezifisch post­modernes Dilemma, sondern um einen Zwiespalt, der die gesamte Moderne begleitet und zudem wesentlich ältere Wurzeln hat. Es bildet geradezu die Signatur der Moderne, dass sie ihren großen Erfolgen in der Praxis eine tiefe Skepsis hinsichtlich der Er­kenn­bar­keit der ‚Dinge an sich’ und der Zugänglich-keit der Natur durch den Menschen ent­gegenstellt. Die kulturellen Selbstdiagnosen der Moderne werden von einem Narrativ dominiert, das einer­seits von der wachsenden Autonomie des Subjekts und der Kultur als selbst­geschaf­fener menschlicher Be­deu­tungs­welt Zeugnis gibt, andererseits aber in seinem pes­si­­misti­schen Gegen­sinn eine (oft literarisch ausgestaltete) Geschichte vom Verlust der Referenz, vom Ver­fall der Nähe zu den Din­gen und von der Entwirklichung der Erfahrung erzählt.
  Dieses gespaltene Narrativ prägt auch den Begriff des Realen in der Moderne, das kaum anders als paradox zu haben ist: als etwas, das sich im Prozess seiner Aneignung entzieht, das zur Symbolisierung und Repräsentation drängt, aber durch beide immer zugleich ver­stellt wird – sowohl Matrix als auch Hindernis kultureller Bedeutungsproduktion.
  Das Graduiertenkolleg geht von einem kultursemiotischen Ansatz aus der Frage nach, wie kulturelle Fremdreferenz organisiert ist und wie sie auch und gerade in ihren Para­doxien funktioniert. Es soll ‚Schau­plätze des Realen’, seiner begrifflichen Fassung und metaphorischen Model­lie­rung aufsuchen – epistemologisch, wissenschaftstheoretisch, wahr­nehmungs­geschichtlich, ästhetisch und literarisch. Es bietet Dokto­ran­den Anschluss an die kultur­wissenschaftliche Grundlagenforschung in Konstanz und ist zudem in einen bereits existierenden internationalen Forschungsverbund eingebet­tet.

Short Overview

Over recent decades, debates in cultural studies have focused on the effects of self-reference in texts, language, and cultural symbolization, the main concern here being to demonstrate the social and historical conditioning of semiotic processes and the resulting configuration of objects. This focus, which may be conceptualized as “constructivism,” comes at a price. First of all, it eclipses the object-reference dimension of semiotic systems. Second, it blurs the notion of a “reality” existing independently of the sphere of cultural symbols. And third, as a result it runs the risk of deepening the gulf between the sciences and humanities.
  With a closer look, it becomes apparent that what is at work in “constructivism” is not a specifically postmodern dilemma, but a dichotomy that has accompanied modernity in its entirety and in fact has roots reaching even further back. For modernity’s signature is, precisely, a juxtaposition of its greatest success in practice with a deep-rooted skepticism regarding the perceptibility of “things in themselves” and human accessibility to nature. The cultural self-diagnoses of modernity are dominated by a narrative that, on the one hand, bears witness to the increasing autonomy of the self and to culture as a self-constructed, human realm of meaning; and, on the other hand, in its pessimistic counter-sense tells a tale—often in literary form—of the loss of reference, of the decay of closeness to things, and of the de-realization of experience.
  This split narrative also stamps modernity’s concept of the “‘real,” something that can hardly be grasped otherwise than paradoxically: as an entity withdrawing in the very process of its appropriation, pressing for symbolization and representation but always simultaneously obstructed by both. In short, the real is both the matrix of and obstacle to the cultural production of meaning.
  Grounded in cultural semiotics, the graduate research program will explore the question of how cultural reference is organized, and how it functions precisely through its paradoxes. The program is meant to identify “sites of the real” and delineate their conceptual and metaphorical contents within the fields of epistemology, the history of science, cognitive history, aesthetics, and literature. The envisioned program will offer doctoral students an opportunity to participate in basic research in cultural studies being carried out at Constance and will be embedded in an existing international research network.

 

 


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„Das Reale in der Kultur der Moderne“
Fach D 153
D-78457 Konstanz