Das Audimax der Universität Konstanz
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Brücken schlagen: Das Studium Generale

Die Universität Konstanz bietet nicht nur ihren Studierenden ein breites Lehrangebot, sondern vermittelt Wissenschaft auch an die Öffentlichkeit.

Was behandeln die Vorträge?

Eine Reihe von Vorträgen beleuchtet ein aktuelles Rahmenthema aus naturwissenschaftlicher, kultureller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht. Das Studium Generale ist im kommenden Wintersemester den Themenbereichen „Migration“ und „Musterbildung und -erkennung“ gewidmet.
Fachleute aus unterschiedlichen Fachrichtungen erschließen Ihnen wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem neuesten Stand der Forschung.

Wann finden die Vorträge statt?

Die Themen des Studium Generale Wintersemester 2016/17

24. Oktober 2016: Migration und Flucht – die Geschichte der Gegenwart

Prof. Dr. Jochen Oltmer, Universität Osnabrück, IMIS

Migration, Flucht, Asyl, Grenzen, Integration: Europa scheint über kaum etwas anderes zu sprechen. Mit der Einordnung und Erklärung der Phänomene aber tut sich die Debatte schwer, auch weil sie geschichtsblind und weltvergessen agiert. Sie übersieht, dass sich die Gegenwart des Wanderungsgeschehens nur durch den Blick auf lange Linien des Wandels der Migration erklären lässt und einer Einbettung in globale Bezüge bedarf. Welche Faktoren aber bedingten und beeinflussten Migration, Flucht und ihre Folgen (also Integration oder Rückkehr), welche Formen fanden die räumlichen Bewegungen und von welchen Effekten ist auszugehen? Auf welche Weise lässt sich der deutliche Anstieg der Zahl der Asylsuchenden in der Bundesrepublik 2015 einordnen? Der Vortrag bemüht sich darum, Antworten auf diese grundlegenden Fragen zu bieten.

Aufzeichnung der Vorlesung

Jochen Oltmer, Dr. phil. habil., geb. 1965, ist Apl. Professor für Neueste Geschichte und Mitglied des Vorstands des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Autor und Herausgeber von Büchern und Aufsätzen zur Geschichte von Migration und Migrationspolitik vor allem im 19. und 20. Jahrhundert, zuletzt u.a (Hg.), Handbuch Staat und Migration in Deutschland vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin/Boston 2016; Globale Migration. Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl. München 2016; Migration vom 19. bis zum 21. Jahrhundert (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 86), 3. Aufl. Berlin/Boston 2016;
Weitere Informationen: www.imis.uni-osnabrueck.de/oltmer_jochen/zur_person/profil.html


 

7. November 2016: Der Westen in orientalischen Augen

 

Najem Wali, 1956 im irakischen Basra geboren, wurde als Andersdenkender inhaftiert und gefoltert. Er flüchtete 1980 nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs nach Deutschland. 1988 Abschluss des Germanistik-Studiums in Hamburg und anschließend Studium der spanischen Literatur in der Universität Complutense Madrid. Er war lange Zeit Kulturkorrespondent der bedeutendsten arabische Tageszeitung Al-Hayat und schreibt regelmäßig u. a. für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung, die TAZ und den Spiegel. Er veröffentliche zahlreiche Romane und Erzählungen. Im Carl Hanser Verlag erschien zuletzt sein Roman „Bagdad Marlboro“, für den er den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2014 erhielt, sowie „Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt“ (2015). 2016 wurde er in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen. 2017 ist er Grazer Stadtschreiber. Sein jüngstes Buch „Im Kopf des Terrors. Töten mit und ohne Gott“  ist am 31. August 2016 in der Reihe „Unruhe bewahren“ im Residenz Verlag erschienen. Heute lebt er als freier Schriftsteller und Journalist in Berlin.

Aufzeichnung der Vorlesung

Zur Website von Najem Wali

14. November 2016: Die Europäische Flüchtlingspolitik: zwischen äußerem Druck und innerem Widerstand

Prof. Dr. Frank Schimmelfennig, ETH Zürich

Die Reisefreiheit im Schengen-Raum und die damit verbundene Asyl- und Migrationspolitik gehören zu den Vorzeigeprojekten der Europäischen Union. In der Flüchtlingskrise zeigten sich jedoch erhebliche Konstruktionsmängel. Gemeinsame Regeln wurden missachtet, nationale Alleingänge dominierten. Bis in die Gegenwart zeigen sich die Mitgliedstaaten der EU unfähig zu einer kooperativen und solidarischen Politik. Stattdessen wurde die Problemlösung durch das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei ausgelagert. In meinem Vortrag analysiere ich das Scheitern der europäischen Flüchtlingspolitik in der Krise und ziehe vergleichend die Eurokrise heran, die anders als die Flüchtlingskrise zu mehr Integration führte.
Die europäische Flüchtlingspolitik ist ein eher unerwünschtes Nebenprodukt der (erwünschten) Reisefreiheit im Schengen-Raum. Mit der Abschaffung der Personenkontrollen an den Binnengrenzen ergab sich die Notwendigkeit, die Asylpolitik der Mitgliedstaaten zu koordinieren. Allerdings wehrten sich die nationalen Regierungen gegen starke Eingriffe in ihre Souveränität und zögerten eine Harmonisierung der nationalen Asylregeln immer wieder hinaus. Eine europäische Grenzsicherung und ein europäisches Asylverfahren lehnten sie ab.
In der Krise verhinderten nationale Interessen und innenpolitische Widerstände eine gemeinsame europäische Politik. Die europäischen Institutionen hatten zu geringe eigene Kompetenzen und Kapazitäten, um steuernd eingreifen zu können. Die unterschiedlichen nationalen Interessen ergeben sich in erster Linie aus der unterschiedlichen Betroffenheit durch die Migrationsströme. Die hauptbetroffenen Grenzländer (Griechenland und Italien) und Zielländer (vor allem Deutschland und Schweden) strebten eine gleichmässige Verteilung der Flüchtlinge in der EU an, die von den Ländern abseits der Flüchtlingsrouten (in West- und Osteuropa) abgelehnt wurde. Die Transitländer praktizierten eine Politik des «Aussperrens» (z.B. Ungarn) oder «Durchwinkens» (z.B. Dänemark) auf Kosten ihrer Nachbarn. Das veranlasste auch die ursprünglich aufnahmebereiten Zielländer zu zunehmend restriktiveren Massnahmen – und Deutschland zur Zusammenarbeit mit der Türkei statt mit den europäischen Partnern.

Aufzeichnung der Vorlesung

Frank Schimmelfennig ist seit 2005 Professor für Europäische Politik an der ETH Zürich. Zuvor hat er an der Universität Tübingen in Politikwissenschaft promoviert, sich an der Technischen Universität Darmstadt habilitiert und am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung gearbeitet. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die europäische Integration; seine Veröffentlichungen befassen sich unter anderem mit der EU-Erweiterung, der differenzierten Integration, der Eurokrise und der Demokratie in der EU. Sein Buch «The EU, NATO, and the Integration of Europe» (Cambridge University Press) erhielt 2005 den Buchpreis der European Union Studies Association. 

 

21. November 2016: Integration und Zugehörigkeit in der Einwanderungsgesellschaft

Prof. Dr. Daniel Thym, Universität Konstanz
Rex Osa, Flüchtlingsaktivist, Stuttgart

Mit der Flüchtlingskrise gewinnen Fragen an Relevanz, die die deutsche Gesellschaft schon länger umtreiben: Wie sichern wir die Integration der Gesellschaft in Zeiten erhöhter Zuwanderung? Wie verstehen wir rechtliche, politische und kulturelle Zugehörigkeit? Auf welcher Grundlage beruht der Zusammenhalt der deutschen Migrationsgesellschaft? Zu diesen Fragen wird Daniel Thym die Sichtweise des Verfassungs- und Migrationsrechts beisteuern und diese mit Herrn Osa sowie dem Publikum diskutieren.

Daniel Thym, Prof. Dr. , LL.M. (London), geboren 1973, studierte in Regensburg, Paris, Berlin und London; 2000-09 Mitarbeiter des Walter-Hallstein-Instituts für Europäisches Verfassungsrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin; seit 2010 Inhaber der Professur für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht  an der Universität Konstanz; Direktor des Forschungszentrums Ausländer- und Asylrecht (FZAA); maßgeblich beteiligter Wissenschaftler am Exzellenzkluster „Kulturelle Grundlagen der Integration“; seit 2016 Mitglied im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).

 

28. November 2016: Migration als Komödie. Das dramaturgische Potenzial kultureller Konflikte in Spielfilm

Prof. Dr. Andreas Schreitmüller, ARTE und Universität Konstanz

Einwanderung und Integration werden im gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskurs, innerhalb und außerhalb der Medien, nahezu ausschließlich als Problem diskutiert. Es ist bei genauer Betrachtung daher umso bemerkenswerter, dass auf der anderen Seite ein nicht unbeträchtlicher Teil der Spielfilm-Produktionen, insbesondere der Filmkomödien, sich kulturelle Konfliktlinien zu Nutze macht, um wirkungsvolle Ausgangssituationen für spannende, witzige, emotionale Erzählkonstruktionen zu schaffen. Man könnte bei einer Überblicksdarstellung sogar fast den Eindruck gewinnen, dass der Zusammenprall inkompatibler kultureller Milieus (nicht nur zwischen Orient und Okzident!) ein konstitutives Merkmal namentlich des komödiantischen Genres, von der klischeetriefenden  Klamotte über die Romantic Comedy bis zur ätzenden Filmsatire darstellt. Und da Filme bekanntlich viel Geld kosten und die Investitionen mindestens wieder eingespielt werden sollten, kann es sich bei dieser thematischen Engführung nicht ausschließlich um gemeinnützige Aktionen wohlgesinnter Filmemacher handeln. Vielmehr muss es beim zahlenden Publikum offenkundig auch ein Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Fremden geben. Es scheint angebracht, den Mehrwert neuer kultureller Erfahrungen in Rechnung zu stellen und die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen nicht nur als anstrengend und problembehaftet, sondern auch als vergnüglich und bereichernd wahrzunehmen.

Andreas Schreitmüller, Prof. Dr., geboren 1956 in Konstanz, Abitur 1975 in Rottweil, 1975-1980 Studium der Linguistik an den Universitäten Konstanz und Manchester (Großbritannien), M.A. und Dr. phil. (Thema der Dissertation „Filmtitel“), 1980 – 1981 Lehrbeauftragter an der Jiao-Tong-Universität Shanghai (China), 1981 – 1983 Stellvertretender Leiter der Westdeutschen Kurzfilmtage und des Stadtkinos Oberhausen, 1984 – 1991 Redakteur beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), Redaktion Das kleine Fernsehspiel, seit 1991 Leiter der Redaktion Fernsehfilm beim Europäischen Fernsehkulturkanal ARTE in Straßburg seit 1. November 2000 zusätzlich Leiter der Redaktion Spielfilm bei ARTE, seit 2000 Honorarprofessor für Medienwissenschaft an der Universität Konstanz. Orden Chevalier des Arts et Lettres des französischen Kulturministers, Mitglied der Europäischen Filmakademie, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und der französischen Académie des Arts et Techniques du Cinéma. Deutscher Fernsehpreis 2011 und 2013. Koproduktion zahlreicher Spiel- und Fernsehfilmen, u.a. „Lola rennt“ (Tom Tykwer), „Gegen die Wand“ (Fatih Akin), „Good Bye, Lenin!” (Wolfgang Becker), „Die innere Sicherheit“ (Christian Petzold), „Jenseits der Stille“ (Caroline Link), „Das Leben der Anderen“ (Florian Henckel von Donnersmarck), „Die andere Heimat (Edgar Reitz), „Victoria“ (Sebastian Schipper). Veröffentlichungen u.a. „Filme aus Filmen - Möglichkeiten des Episodenfilms“ (Herausgeber, 1983), „Freispiele“ (Mitherausgeber, 1986), „Filmtitel“ (Autor, 1994), „Strukturwandel me­dialer Programme. Vom Fernsehen zu Multimedia“ (Mitherausgeber, 1999), „Alle Bilder lügen. Foto - Film - Fernsehen - Fälschung“ (Autor, 2005)

 

5. Dezember 2016: Sinti und Roma: Die unerwünschte Minderheit

Prof. Dr. Wolfgang Benz, Technische Universität Berlin

Die Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma kulminierte im Völkermord unter nationalsozialistischer Ägide. Die Leiden der verfolgten und deportierten Sinti und Roma waren mit dem Ende des NS-Regimes nicht beendet. Die Diskriminierung dauerte mindestens bis in die 1970er Jahre. Die Ablehnung der Anträge auf Entschädigung wurde von den Behörden mit den gleichen rassistischen Vorurteilen begründet, die vom NS-Staat zur Bekämpfung der Minderheit benutzt wurden: „Zigeuner“ seien aus Veranlagung kriminell, ihre Internierung im Dritten Reich habe deshalb nur polizeilich notwendige vorbeugende Gründe gehabt, die Haftbedingungen seien harmlos gewesen und die Verfolgung habe sie weniger geschmerzt als andere Menschen. Vom Genozid wollten Politiker, Behörden, Gutachter, Mitbürger nichts wissen. Erst spät gaben Gerichte den Klagen von Sinti und Roma auf Entschädigung recht.
Mit der Zuwanderung von Roma werden Ängste geschürt und Gefahren beschworen, die uns durch Migration angeblich drohen. Vorurteile und Feindbilder, die pauschal auf alle Roma aus Südosteuropa projiziert werden, sind Gründe zur Ausgrenzung und Diskriminierung. Und wer angesichts bettelnder Kinder und Frauen von deren Menschenwürde spricht,  muss sich naiv nennen lassen.
Die Angehörigen der autochthonen Minderheit deutscher Sinti und Roma treten für die Mehrheit der Deutschen dagegen kaum in Erscheinung. Sie sind integriert, wohnen und arbeiten so unauffällig wie ihre Nachbarn, geben sich nicht zu erkennen, weil sie das Stigma fürchten, wenn sie sich als „Zigeuner“ outen. Einige Musiker und Sportler haben es getan, nachdem sie Prominentenstatus erreicht hatten und keine Schmähung und keinen Karrierenachteil mehr fürchten mussten.
Das Verhältnis der größten ethnischen Minderheit Europas zur jeweiligen Mehrheit wird durch Traditionen, überlieferte Ressentiments, Legenden, Bilder bestimmt. Dazu kommt eine neue visuelle Wahrnehmung: Roma-Zuwanderer aus Südosteuropa werden als „aggressive Bettler, als Sozialschmarotzer gesehen. Dies nährt den Antiziganismus.

Wolfgang Benz, Historiker, bis März 2011 Professor und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, Gastprofessuren u.a. in Australien, Bolivien, Nordirland, Österreich und Mexiko, zahlreiche Publikationen zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, zu Nationalsozialismus, Antisemitismus und Problemen von Minderheiten, zuletzt: Die Feinde aus dem Morgenland. Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet (München 2012), Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung (München 2013), Sinti und Roma: Die unerwünschte Minderheit. Über das Vorurteil Antiziganismus (Berlin 2014); Der Widerstand gegen Hitler (München 2014), Herausgeber mehrerer Buchreihen, Mitglied im P.E.N.

 

12. Dezember 2016: Integrationskonzepte und -erfahrungen mit Migranten (mit besonderer Betonung der Mariel-Bootkrise)

Prof. Michael Burda Ph.D., Humboldt-Universität zu Berlin

Die schlagartige Zunahme der Wanderung nach

Deutschland im Jahr 2015 hat große politische Spuren hinterlassen - aber wie

ist dieses Jahr ökonomisch und wirtschaftspolitisch zu beurteilen? Ein

sehr prominentes Beispiel aus der neueren Geschichte der USA, die Mariel

Bootskrise, kann Abhilfe zur Beantwortung dieser schwierigen Frage schaffen.

Vor mehr als 35 Jahren gab es ein "natürliches Experiment" – 125.000

Menschen wurden durch die damalige kubanische Regierung vom Großhafen Mariel in

Booten "entlassen" und haben sich als Geflüchtete in Miami

niedergelassen. In den folgenden Jahrzehnten kann beobachtet werden, wie ein

bekanntlich flexibler Arbeitsmarkt mit einer 7%-ige Zunahme der

Erwerbsbevölkerung fertig geworden ist - und welche Folgen daraus zu ziehen

sind. Die Diskussion der wissenschaftlichen Ergebnisse ist höchst kontrovers

und immer noch nicht endgültig entschieden, hat jedoch weitreichende Bedeutung

für eine sachliche Diskussion über die Auswirkungen der Einwanderung

hierzulande.

 

9. Januar 2017: Vom Sein zum Werden – Wie Symmetrie verschwindet und Struktur entsteht

Prof. Dr. Stephan Herminghaus, Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen

Warum gibt es überhaupt Struktur im Universum? Oder, um es in die Form einer der ältesten Fragen der Philosophie zu gießen: warum ist überhaupt irgendetwas, warum ist nicht einfach nichts? In der Tat sind die Mechanismen, die zur Bildung von Strukturen führen, zwar oft sehr komplex, lassen sich in vielen Aspekten aber auch recht gut verstehen und auf einfache Grundmuster zurückführen. Wir unternehmen eine kleine Reise durch die Physik der Strukturbildung und versuchen, etwas Ordnung in die große Vielfalt zu bringen.

Stephan Herminghaus studierte Physik und Bildende Kunst in Mainz, wo er auch 1989 in Physik promovierte. Nach einem Aufenthalt als Postdoc bei IBM in San Jose war er bis 1995 Assistent bei Paul Leiderer an der Universität Konstanz. 1996 übernahm er die Leitung einer unabhängigen Max-Planck-Forschungsgruppe am MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Berlin-Adlershof und wurde 1999 Ordentlicher Professor und Leiter der Abteilung Angewandte Physik an der Universität Ulm. Seit 2003 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen und Honorarprofessor an der Universität Göttingen.

 

16. Januar 2017: Statistische Mechanik des Verkehrsstaus – Die Wissenschaft vom Stillstand

Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Universität Duisburg-Essen

Seit über 50 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft ernsthaft mit dem Thema "Stau". Ob Fahrzeuge, Menschen, Tiere oder Mikroben, überall wo sich viele ähnliche Objekte zur selben Zeit am selben Ort in dieselbe Richtung bewegen wollen, tritt er auf. Oft ohne erkennbaren Grund und plötzlich ("Stau aus dem Nichts"). In der Zwischenzeit sind manche Rätsel gelöst, anderes aber bleibt trotz großer Anstrengungen auch weiterhin mysteriös und unerklärlich.
Zudem hat jeder Verkehrsteilnehmer seine eigenen Theorien und Strategien zur Bewältigung von Staus, was am Ende oft zu überraschenden Ergebnissen führt. Mit Informationen, Telematik und Navigation versucht die Technik dem Stau zu entrinnen – oft verbunden mit neuem Ungemach. Der Vortag versucht, den heutigen Stand der Erkenntnisse rund um Verkehr und Stau aus Sicht der Physik zu vermitteln und daraus mögliche Zukunftsszenarien zu entwerfen.

Michael Schreckenberg, geboren 1956 in Düsseldorf, studierte Theoretische Physik an der Universität zu Köln, wo er 1985 in Statistischer Physik promovierte und sich 1991 habilitierte. 1994 wechselte er zur Universität Duisburg-Essen, wo er 1997 die erste deutsche Professur für Physik von Transport und Verkehr erhielt. Seit fast 25 Jahren arbeitet er an der Analyse, Modellierung, Simulation und Optimierung von Transportsystemen in großen Netzwerken, dabei besonders an Straßen- und Personenverkehr und am Einfluss von menschlichem Verhalten darauf. Dabei stehen die Möglichkeiten der Kommunikation und Vernetzung, die Perspektiven autonomen Fahrens, die Reaktionen von Verkehrsteilnehmern auf Informationen, die Entwicklung individueller Navigationsgeräte sowie die Zukunft der Mobilität überhaupt in einer zunehmend digital(isiert)en Welt momentan im Vordergrund.

 

23. Januar 2017: Erdbeobachtung durch Tiere: ein globales Netzwerk intelligenter Sensoren

Prof. Dr. Martin Wikelski, Universität Konstanz 

30. Januar 2017: Jahresgutachten 2016/17 des Sachverständigenrates

Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, RWI Essen

Mitte November eines jeden Jahres übergibt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dessen Vorsitz Prof. Dr. Christoph M. Schmidt seit dem Jahr 2013 innehat, der Bundesregierung sein aktuelles Jahresgutachten.
Neben einer ausführlichen Darstellung der konjunkturellen Lage in Deutschland und der Welt sowie deren absehbarer Entwicklung beleuchtet das Jahresgutachten jeweils Themen, die in jüngster Zeit von besonderer Bedeutung für die Wirtschaftspolitik waren. Dabei soll der Sachverständigenrat gemäß seinem gesetzlichen Auftrag untersuchen, wie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsstand und außenwirtschaftliches Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wachstum gewährleistet werden können.
Der Vortrag stellt in prägnanter Form die wichtigsten wirtschaftspolitischen Analysen und Schlussfolgerungen aus dem aktuellen Jahresgutachten dar und beschreibt den Zustand der deutschen Volkwirtschaft sowie die Herausforderungen, denen sich diese mittel- bis langfristig gegenübersieht.

Christoph M. Schmidt, geb. 1962, studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, wurde an der Princeton University promoviert und habilitierte sich 1995 an der Universität München. Seit 2002 ist er Präsident des RWI Essen und Professor an der RUB. Zum März 2009 wurde Christoph M. Schmidt in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen, seit März 2013 ist er dessen Vorsitzender. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München, seit 2014 ist er zudem Mitglied des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Seit Juni 2011 ist er Mitglied bei acatech. Seit Juni 2016 ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Fritz-Thyssen-Stiftung.

13. Februar 2017: Neue Architektur in Applikationen, digitale Prozesse in der Logistik sowie Cloud Anwendungen mit SAP S/4 HANA

Holger Herrmann, SAP AG

Diverse Innovationen werden thematisiert und veranschaulicht:

- Innovationen in der Business Welt verändern die Architektur (Hauptspeicher-
   banken, HANA, neue Anwendungsarchitektur), anhand konkreter Beispiele.
- Darstellung konkreter Innovationen anhand des neuen Produkts S/4 HANA.
- Cloud als neue Option für Nutzung und Betrieb von Software, Darstellung ver-
   schiedener Anwendungsbeispiele auf Basis der Cloud Architektur (Analytics,
   Kollaboration Szenarien)

Zur Veranschaulichung werden betriebswirtschaftliche, logistische Prozesse der Bestandsführung, der Materialplanung und der Verfügbarkeitsprüfung bei der Auftragserfassung herangezogen; sie bilden den  Schwerpunkt des Vortrags. 

Holger Herrmann, Senior Vice President, Development Head of Product & Innovation, SAP S/4HANA Produce. Holger Herrmann kam 1990 als Entwickler für die Materialbedarfsplanung zu SAP. Er war für die Entwicklung der Automotive-Industry-Lösung, für den Bereich Manufacturing und für die Logistikentwicklung bei SAP Business ByDesign verantwortlich. Mit seiner umfassenden und branchenübergreifenden Erfahrung in den Bereichen ERP, Logistik und Supply Chain gilt er in der SAP-Produktentwicklung als Vordenker. Holger Herrmann leitet einen Bereich in der SAP S/4HANA Produktentwicklung für logistische Anwendungen

 

Mit freundlicher Unterstützung von:



Was ist das Studium Generale?

Die kostenlosen Ringvorlesungen des Studium Generale schlagen Brücken zwischen den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Sie richten sich an Studierende aller Fachrichtungen, interessierte BürgerInnen sowie an SchülerInnen und sind allgemein verständlich.

Die Vorträge des Studium Generale finden
jedes Wintersemester
montags
zwischen 18.15 und 19.45 Uhr
im Auditorium Maximum (Raum A 600) der Universität Konstanz statt.

Konzept: Günter Franke, Louise Haitz, Jannik Held, Paul Leiderer, Bernhard Schink,  Clemens Wischermann

Unterstützen Sie das Studium Generale!

Auch in Zukunft möchte die Universität Konstanz ein qualifiziertes Veranstaltungsprogramm kostenfrei anbieten. Wir freuen uns, wenn Sie uns dabei mit einer privaten Spende unterstützen.

Empfänger: Universität Konstanz
IBAN: DE92 6005 0101 7486 5012 74
BIC: SOLADEST
Kreditinstitut: BW-Bank Konstanz
Verwendungszweck: Studium Generale, Kst. 15964404, Spende

Den Verwendungszweck bitte unbedingt angeben!

Wir stellen Ihnen gerne eine Spendenbescheinigung aus.

Im Wintersemester 2014/2015 behandelte das Studium Generale „Die Entstehung des Neuen“ . Einschneidende Ereignisse unterbrechen oft lange Phasen der Stabilität. Meist entsteht dann etwas Neues mit großer Auswirkung auf den Verlauf der Geschichte. Erfahren Sie mehr dazu im Rückblick!