Festakt zum 50-jährigen Jubiläum im Audimax

Impressionen der Feierlichkeiten anlässlich der 50-jährigen Gründung

21. Juni 2016: Große Mächte – große Ohnmacht? 50 Jahre nach Waldemar Bessons Gründungsvorlesung „Die großen Mächte“

Am 21. Juni 1966 hielt der Politikwissenschaftler Waldemar Besson im Inselhotel seine öffentliche Antrittsvorlesung „Die großen Mächte“. Anlass dieses Vortrages war der Akademische Festakt zur Grundsteinlegung der Universität Konstanz, sie war damit auch die erste Vorlesung an der Universität. Genau fünfzig Jahre später am selben Ort, dem heutigen Steigenberger Inselhotel, widmet sich Katharina Holzinger, Professorin für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität Konstanz, Bessons Thema aus heutiger Sicht.

23. Juni 2016: Abendessen mit Vertreterinnen und Vertretern internationaler Partnerhochschulen

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50jährigen Jubiläum der Universität Konstanz fand ein Treffen der internationalen Partnerhochschulen statt. Universitätsleitungen, Partnerschaftsbeauftragte, Alumni-Ambassadors und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von International Offices nahmen an den Jubiläumsveranstaltungen teil.

Der Schatz am Bodensee

Die Universität Konstanz erhielt beim Festakt zu ihrem 50. Geburtstag viel Anerkennung

Sie sind von überall her gekommen, um mit der Universität Konstanz Geburtstag zu feiern. Rektor Prof. Dr. Ulrich Rüdiger freute sich genauso über die Ehrengäste, die zum Festakt anlässlich der Gründung der Universität Konstanz vor 50 Jahren gekommen waren, wie über die Vertreterinnen und Vertreter internationaler Partneruniversitäten, die Gäste aus der Region sowie die Studierenden. Eine bunt durchmischte Gesellschaft füllte am Freitag, 24. Juni 2016, das Audimax. Die Stimmung war heiter bis festlich und blieb von angenehmer Leichtigkeit, die bruchlos in das anschließende Sommerfest im Innenhof der Universität überging. Dafür mitverantwortlich war die Bigband der Universität Konstanz im Audimax sowie die Partyband „4 at the club“. Ein gut gelauntes Publikum wechselte zum Sommerfest im festlich und kulinarisch hergerichteten Innenhof über.

Es gab auch ernste Töne. Winfried Kretschmann, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, sprach das britische Votum für einen Austritt aus der EU an, das am selben Morgen bekannt worden war. Es sei höchste Zeit, eine Debatte über Europa zu führen, sagte er, und er hoffe, dass sich die Universitäten daran beteiligten. Damit verband er ein Plädoyer für ein vereinigtes Europa. Die Universität Konstanz sei von Anfang an „europäisch gedacht“ worden, kam er auf die Protagonistin an diesem Tag zu sprechen. Der Ministerpräsident nannte sie ein „grandioses Erfolgsmodell“ und einen „wahren Schatz am Bodensee“. Die Landesregierung werde die Universität Konstanz dabei unterstützen, exzellent zu bleiben. Im Übrigen liefere die Wissenschaft mehr denn je die Grundlage für Wohlstand und gesellschaftliche Entwicklung.

„Ein Leuchtturm steht in Konstanz ...“ – so lautete der Titel des Festvortrags von Prof. Dr. Dieter Imboden, Umweltphysiker von der ETH Zürich und ehemaliger Vorsitzender des Schweizerischen Nationalfonds, der die sogenannte „Imboden-Kommission“ zur Evaluierung der Exzellenzinitiative leitete. Gleich zu Anfang bekannte er, dass er sich mit der Universität Konstanz schon immer sehr verbunden gefühlt habe. Ihre Gründung habe in der ganzen Region für Aufbruchsstimmung gesorgt. Er erinnerte an Prof. Dr. Gerhart v. Graevenitz, den am 25. März 2016 verstorbenen ehemaligen Rektor der Universität Konstanz, dem er einen symbolischen Ehrenplatz einräumte. Sein Vortrag vermochte Wichtiges mit Witzigem zu verbinden. Insbesondere als er sich dem Ministerpräsidenten zuwendend meinte, Baden-Württemberg wolle sich wohl genauso wenig bei der Finanzierung seiner Universitäten gegenüber dem Nachbarland lumpen lassen wie beim Fluglärm. Die deutschen Universitäten seien unterfinanziert, und daran ändere auch die Exzellenzinitiative nur wenig.

Die zahlreichen internationalen Gäste belegten die wissenschaftlichen Kontakte der Universität Konstanz in die Welt hinaus. Dass die regionale Anbindung – für beiden Seiten – ebenso wichtig ist, bekräftigte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt, der vor allem die Bedeutung der Universität für die Stadt hervorhob. Dabei schrieb er die markanteste Veränderung der Präsenz der Studierenden zu. Die heutige Atmosphäre in Konstanz sei so nicht denkbar ohne die jungen Leute aus aller Welt. Angefangen vom „liberalen Geist“, der mit der Universität in die Stadt eingezogen sei, bis hin zum Aufstieg des Handballvereins HSG Konstanz mit seinen studentischen Spielern zählte er die Vorteile der Universitätsgründung vor 50 Jahren auf.

An die Studierenden richtete Prof. Dr. Dieter Jahn, Vorsitzender des Konstanzer Universitätsrates, seinen besonderen Gruß. Die Menschen seien der entscheidende Erfolgsfaktor der Jubilarin, die es schaffe, außergewöhnliche Menschen anzuziehen. „Wir müssen Menschen finden, die in die Universität Konstanz investieren“, sagte er außerdem.

Prof. Dr. Wolfram Ressel, der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz (LRK) Baden-Württemberg, befand die Universität Konstanz als beispielgebend, nicht nur für deutsche Universitäten. Auch er merkte an, dass die der Exzellenzinitiative nachfolgende „Exzellenzstrategie“ die Spielregeln zugunsten der großen Universitäten verändern werde.

Zwischen Festakt und Sommerparty erhielt die neue Präsentation der Stifterinnen und Stifter im Foyer der Universität Konstanz gleich einen zusätzlichen Glasquader. Gewidmet ist dieser der Dr. Karl-Helmut Eberle Stiftung für ihre großzügige Förderung innovativer Forschung an der Universität Konstanz. Im laufenden Jahr 2016 wird ein Forschungspreis von 300.000 Euro vergeben, ab 2018 über jährlich 500.000 Euro. Dr. Alexandra Zoller und Dr. Georg Freiherr von Schönau vom Vorstand brachten darüber hinaus eine zusätzliche Förderzusage für das Projekt „Shared Classroom“ in Höhe von 100.000 Euro mit. Sinnbildlich für die neue Zusammenarbeit übergaben sie eine Skulptur von Claire Ochsner, der Lieblingskünstlerin des Stifters Dr. Karl-Helmut Eberle.

Geehrt wurde auch ein langjähriger Freund und Wegbegleiter der Universität Konstanz. Dieter H. Boesken erhielt von Rektor Ulrich Rüdiger als Symbol für seine Verbundenheit –seit 40 Jahren, wie der Ehrensenator der Universität und Ehrenvorsitzende der Universitätsgesellschaft anfügte – das Goldene Logo der Universität Konstanz. Neben seinen zahlreichen Verdiensten um die Universität Konstanz hat seine Dietrich H. Boesken-Stiftung zum Universitätsjubiläum in besonderer Weise beigetragen. Sie ermöglichte den Bildband „Gebaute Reform: Architektur und Kunst am Bau der Universität Konstanz“.

Die Fotografin Inka Reiter sowie die Autorinnen Dr. Constanze von Marlin und Dr. Anne Schmedding wurden, wie auch alle Redner beim Festakt, mit einer auf 150 Stück limitierten Sonderausgabe des Bandes in Plexiglas-Schuber bedacht, die den Farben des Glasdaches von Otto Piene im Foyer nachempfunden sind.

Zu guter Letzt noch eine spaßige Überraschung: Prof. Dr. René Schwarzenbach, Mitglied des Konstanzer Universitätsrates, bewies als Professor Leopold Ranzenhuber erhebliches kabarettistisches Talent. Als Professor für Psychopathologische Behandlung, insbesondere männlicher Professoren und da speziell deutscher männlicher Professoren an der ETH Zürich, schonte er weder seine Berufskollegen noch die Eigenheiten des Schweizer Arbeitsmarktes für deutsche Wissenschaftler. Auch Rektor Ulrich Rüdiger und dessen Sangeskunst bei Fasnacht-Veranstaltungen nahm er aufs Korn. Der wiederum nahm‘s mit Humor.

24. Juni 2016: Festakt im Audimax der Universität Konstanz

Reden anlässlich des Festakts ­am 24. Juni 2016

Begrüßung durch Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident a.D. Teufel,

aus dem Kanton Thurgau begrüße ich das Pendant zu unserem Ministerpräsidenten, Frau Präsidentin des Regierungsrates Knill.

Ein herzlicher Gruß gilt dem Oberbürgermeister der Stadt Konstanz, Herrn Burchardt, und unserem heutigen Festredner, Herrn Prof. Imboden!

Ich freue mich, Rektorinnen und Rektoren oder Rektoratsmitglieder von elf Partneruniversitäten und befreundeten internationalen Universitäten willkommen heißen zu dürfen:

aus Warschau, Prag, Kiew, Jassy, Tartu, Moskau, Taichung City in Taiwan, Madrid, Barcelona, Maastricht und Nottingham – und selbstverständlich auch der nahen Schweiz und aus Österreich – aus St. Gallen, Kreuzlingen, Linz, Dornbirn, Vaduz und Salzburg!

Herzlichen Dank dafür, dass Sie uns die Ehre Ihrer Teilnahme erweisen!

Ich freue mich, dass der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Herr Prof. Ressel, sich zu einem Grußwort bereit erklärt hat, und zusammen mit ihm begrüße ich die Präsidenten, Rektoren und Kanzler von mehr als 30 deutschen Hochschulen. Zudem Herrn Professor Jahn, den Vorsitzenden unseres Universitätsrates, der später noch einige Worte über unsere Universität verlieren wird. Ein herzlicher Gruß ihm und auch dem Kollegen Ranzenhuber, dessen Ausführungen wir mit besonderer Spannung entgegensehen.

Meine Damen und Herren, verehrte Festversammlung!

Es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie alle im Namen der Universität Konstanz zur Feier des 50. Jubiläums unserer Universität begrüßen zu dürfen. Ein ganz besonderer Gruß gilt auch all denjenigen, die jetzt in den weiteren Hörsälen sitzen, weil sie in unserem Audimax keinen Platz mehr gefunden haben!

„Begonnen hat alles mit dem legendären Zettel, auf dem der damalige Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger am 6. September 1959 seine Idee der Universitätsgründung in die Welt setzte“ – mit dieser simplen Tatsachenfeststellung fing die Rede zur 40-Jahr-Feier der Universität an, die mein hochverehrter Vorgänger im Rektoramt, Gerhart v. Graevenitz, gehalten hat.

Gerhart v. Graevenitz ist am 25. März gestorben.

Ihn vermissen wir heute ganz besonders.

Er hätte hier in die ersten Reihen gehört, ganz konkret, aber auch im übertragenen Sinne als einer der ganz wesentlichen Mitgestalter unserer Universität.

Wenn ich von dem legendären Zettel spreche: da kommt mir auch Ralf Dahrendorf in den Sinn, der die Universität Konstanz einmal als eine „späte Fürstengründung“ bezeichnet hat. Der Ministerpräsident nämlich, so schildert es Dahrendorf, war mit dem Auto von einer Italienreise zurückgekommen. Als er oberhalb von Kreuzlingen über den Berg kam und sich der Blick auf Konstanz und den See öffnete, da beschloss er:

Hier gehört eine Universität hin. – Recht hatte er!

Verehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, ob diese Geschichte nun wahr ist oder nur gut erfunden: gerade auch unser Gründungsmythos ist eng mit der Weitsicht und Entschlossenheit von Ministerpräsidenten verbunden, da brauchte es gar keines fürstlichen Gehabes – umso mehr ist es geradezu eine innere Notwendigkeit, dass Sie heute hier sind.

Meine Damen und Herren, mein Beitrag hier soll angesichts unseres Programms kurz ausfallen – aber nicht so kurz, dass ich nicht in wenigen Worten charakterisieren dürfte, was die Universität Konstanz für mich so besonders macht. So besonders, dass auch unser Jubiläum ein wenig anders ausfällt, als es sich manche vielleicht vorgestellt haben.

Wenn ich die Universität für mich und andere beschreibe, so sind es fünf Adjektive, die mir besonders bezeichnend erscheinen:

Erstens: Authentisch.

Wir haben keine dicke Festschrift – wir haben stattdessen einen wunderbaren Bildband über Architektur und Kunst am Bau an der Universität herausgegeben – ich werde ihn später vorstellen –, und wir veröffentlichen eine eigene, und zwar crossmedial gestaltete Ausgabe unseres Universitätsmagazins uni’kon zum Jubiläum. Crossmedial bedeutet: Sie finden im gedruckten Heft, das heute ausliegt, immer wieder Verweise auf unsere Dokumentation im Internet. Wir verbinden interaktive Elemente mit Videos, Texten, Bildern und Klang – so können Sie eintauchen in 50 Jahre Universität Konstanz.

Wir meinen: ein solcher Zugang ist authentisch. Wir sind eine junge und lebendige Universität, wir gehen andere Wege als andere, und wir sind stolz darauf.

Und diese gehen wir, zweitens, geradlinig. Wir verfolgen selbstbewusst unsere Ziele und bieten einen transparenten Maßstab für die Messung von Erfolgen. All dies wurde uns auch von den Gutachtern der Exzellenzinitiative immer wieder bestätigt – vielleicht wird Herr Prof. Imboden später noch etwas dazu sagen. Es wäre aber nicht möglich, wenn nicht alle Kolleginnen und Kollegen hier an einem Strang ziehen würden. Genau das hat eben die Gutachter ja so überrascht: es kommt nämlich nicht allzu häufig vor, dass eine Universität ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl aufweist.

Mein Dank gilt hier allen Kolleginnen und Kollegen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Art des Miteinanders tagtäglich leben. Sie legen mit ihrer Arbeit überhaupt erst den Grund dafür, dass wir etwas zu feiern haben.

Wir sind, drittens, offen: Zwölf Prozent unserer Studierenden sind international, unsere Universität ist stolz auf ihre zahlreichen Partnerschaften, wie sie sich auch heute in der Gästeliste so eindrücklich verkörpern.

Und: wir fördern einen offenen, regen und ehrlichen Dialog – untereinander und zwischen den Disziplinen.

Ganz selbstverständlich bringen sich etwa die Studierenden in das Tagesgeschäft ein: alle zwei Wochen kommen die studentischen Senatsvertreter zu mir ins Büro, und wir sprechen über alles: Hochschulpolitik, Senatsbeschlüsse, Sorgen und Nöte der Studierenden. Auch meine Tür steht immer offen.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch einmal ganz bewusst bei unseren Studierenden bedanken. Sie bilden das Rückgrat unserer Universität, und sie begeistern mich immer wieder.

Jedes Semester kommen erneut großartige Studentinnen und Studenten zu uns – sie sind die Zukunft, sie sorgen dafür, dass die Universität sich nicht ausruht auf ihren Lorbeeren, sie fordern und bereichern uns, und sie zwingen uns, nicht stehenzubleiben.

Und das gelingt uns umso leichter, als wir, viertens, beweglich sind: eine relativ kleine Campus-Universität erlaubt kurze Entscheidungswege und direkte Kommunikation. Die flachen Hierarchien sorgen für Agilität, schützen uns vor der möglichen Schwerfälligkeit mancher altehrwürdigen Universität klassischen Zuschnitts. In all den Jahrzehnten, so bin ich überzeugt, ist es uns gelungen, die Gründungsdynamik beizubehalten.

Mit unserem Jubiläumsmotto „Ein Model(l) wird 50“ knüpfen wir an die Gedanken der Gründungsväter an. Eine Reform darf nie aufhören, wenn man eine moderne Universität bleiben möchte. Immer wieder, so bin ich überzeugt, müssen die Strukturen und Prozesse hinterfragt werden.

Für mich persönlich steht noch ein Adjektiv für Konstanz:

Paradiesisch.

„Science in Paradise“ lautet das inoffizielle oder zumindest mein ganz persönliches Motto der Universität Konstanz. Man kann hier einfach in wenigen Minuten von Studium, Forschung, Lehre und Lernen umschalten: der See, die wunderschöne Altstadt von Konstanz mitsamt dem geschichtsträchtigen Konzil, die Alpen, der Schwarzwald sind nicht weit. Nicht zuletzt verfügt die Universität über ein eigenes Seegrundstück und großartige Wassersportmöglichkeiten: auch so kann sie mit nunmehr 50 Jahren fit und in Form bleiben.

Dass wir an unserem Model(l) keinerlei Anzeichen für eine mid­life crisis feststellen können, dafür möchte ich mich bei allen Mitgliedern und Angehörigen unserer Universität, unseren Partnern, Förderern und Wegbegleitern ganz herzlich bedanken. Sie alle haben auf ihr Art dazu beigetragen.

Ein besonderer Dank gilt dem Jubiläumsausschuss sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stabsstelle Kommunikation und Marketing, die die Jubiläumsfeierlichkeiten mit Begeisterung, Präzision und Ideenreichtum konzipiert und auf die Beine gestellt haben.

Ein großer Dank auch an die Brauerei Ruppaner und die Stadt Konstanz, die auf ihre sehr großzügige Weise zu Zufriedenheit, Wohlbefinden und Attraktivität der Jubilarin und ihrer Gäste beitragen, nämlich mit 6.000 Flaschen Bodensee-Jubiläums-Pils und 500 Flaschen Bodensee-Wein der Spitalkellerei!

Meine Damen und Herren, ich freue mich auf einen anregenden Nachmittag und ein rauschendes Sommerfest!

Rede von Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg

 

– Es gilt das gesprochene Wort –

Ich freue mich sehr, heute, zwei Jahre nach meinem letzten Besuch, wieder an der Universität
Konstanz zu Gast zu sein und Ihren runden Geburtstag gemeinsam mit Ihnen zu feiern. Heute
ist ein Tag der Freude in Konstanz, aber ein schwarzer Tag für Europa. Lassen Sie mich
deshalb zunächst ein paar Worte zu der Entscheidung der Briten sagen, die EU zu verlassen.

Diese Entscheidung erschüttert Europa in seinen Grundfesten. Für das Projekt eines vereinten Europas ist der Brexit eine historische Zäsur. Mit dem heutigen Tag verliert die EU ihre drittstärkste Volkswirtschaft, sie verliert 64 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger. Die wirtschaftlichen Folgen, auch für unser Land, sind heute noch gar nicht abzusehen. Das außenpolitische Gewicht der EU ist durch diesen Austritt empfindlich geschwächt. Im Innern besteht die Gefahr, dass die Fliehkräfte weiter zunehmen und europafeindliche Gruppen an Stärke und Einfluss gewinnen. Es ist deshalb höchste Zeit, eine Debatte über die Zukunft
Europas zu führen – auch bei uns im Land. Und ich hoffe, dass sich die Universitäten und Hochschulen an dieser Debatte beteiligen. Wir verdanken der Europäischen Integration eine beispiellose Zeit des Friedens, der Freiheit und des wachsenden Wohlstands. Diese Errungenschaften müssen heute mit Zähnen und Klauen verteidigt werden.

Nur ein geeintes und handlungsfähiges Europa kann in der Welt von heute für seine Grundwerte wirksam eintreten und dafür sorgen, dass diese auch in Form internationaler Regelwerke Niederschlag finden. Nur ein geeintes und handlungsfähiges Europa kann einen wirksamen Beitrag zur Bewältigung der vielfältigen globalen Krisen leisten. Wir müssen Europa verteidigen, aber wir müssen es auch reformieren: Europa muss – mehr als heute – zu einem demokratischen Europa, einem Europa von unten werden, zu einem Europa
der Bürgerinnen und Bürger, zu einem Europa der Subsidiarität. Baden-Württemberg wird sich als Land in der Mitte Europas aktiv in diese Debatte einbringen.

Ich komme gerade zurück von einer Reise in die Schweiz. Auch dort haben die anti-europäischen Kräfte 2014 mit der so genannten Masseneinwanderungsinitiative einen folgenreichen Sieg errungen. Das hat heute schmerzhafte Konsequenzen für die Schweiz, auch im Bereich der Wissenschaft. So kann die Schweiz jetzt nicht mehr voll am EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 partizipieren. Dabei erfordert ein
immer härter werdender internationaler Forschungswettbewerb eigentlich mehr – und nicht
weniger europäische Kooperation. Wenn wir im globalen Innovationwettbewerb weiter mithalten wollen, dann werden wir in Europa auch in der Wissenschaft zu Schwerpunktbildungen kommen müssen, zu koordinierter Forschung an wichtigen
Zukunftsprojekten. Das Kooperationsprojekt der Internationalen Bodenseehochschule – die
Universität Konstanz ist ein Teil davon – weist dabei in die richtige Richtung. Wir brauchen in Zukunft mehr, und nicht weniger solcher gemeinsamen Anstrengungen.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nun zu Ihrem schönen Jubiläum kommen. Jede Institution von Bedeutung hat ihre Gründungsmythen – das muss ich in Konstanz niemandem erzählen. In Ihrem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ gehören solche Mythen ja geradezu zu den Forschungsgegenständen. Eine bemerkenswerte Version Ihres eigenen Gründungsmythos lautet - frei nach Ralf Dahrendorf
- in etwa so: Ministerpräsident Kiesinger soll auf der Rückfahrt von einer Italienreise gewesen sein. Als er oberhalb von Kreuzlingen über den Berg kam und der Blick auf Konstanz und den See sich eröffnete, soll er beschlossen haben, hier gehöre eine Universität hin. Wahrscheinlich kam der Anstoß zu diesem Mythos vom Ministerpräsidenten selbst, als er schon im Dezember 1959 in einer Landtagsdebatte sagte, das Projekt einer Universität Konstanz sei aus seinen Überlegungen hervorgegangen, ich zitiere, „wie Pallas Athene aus
dem Haupt des Zeus“. Nun war es allerdings auch vor über 50 Jahren schon so, dass zwischen dem griechischen Göttervater und einem badenwürttembergischen Ministerpräsidenten glücklicherweise noch einige Unterschiede bestehen. Und so dauerte es von der Idee bis zur Verwirklichung immerhin noch weitere sieben Jahre. Die demokratischen Mühen der Ebene blieben also auch meinem Vorgänger Kiesinger nicht erspart. Das schmälert aber seine Verdienste in keiner Weise. Im Gegenteil: Die Neugründungen der Universitäten Konstanz und Ulm gehören ohne Frage zu den besten Hinterlassenschaften seiner Amtszeit.

Die Universität Konstanz war dabei alles andere als die fixe Idee eines Politikers. Sie war eine
weitsichtige Maßnahme aus einer konkreten historischen Situation heraus. Ihre Gründungsabsicht war, wenn man so will, von einem mehrfachen Integrationswillen geprägt.
Ministerpräsident Kiesinger ging es darum, mit einer Universitätsgründung einer lange Zeit
vernachlässigten Randregion neue Impulse zu geben. Dass sich die bedachte Randregion im
badischen Landesteil befand, war ebenfalls kein Zufall und sollte in dem noch jungen Bindestrichland „letzte altbadische Unruhen besänftigen“ helfen, wie Gründungsrektor Gerhard Hess einmal formulierte. Auch eine Grenzstadt als Standort war bewusst
gewählt, denn von Anfang an wurde bei der Gründung europäisch gedacht, hoffte man auf
grenzüberschreitende Ausstrahlung und Kooperation. An diesem Tag muss daran ganz
besonders erinnert werden. Grenzüberschreitung und Integration waren aber auch und gerade in wissenschaftlicher Hinsicht die Leitmotive der Konstanzer Gründung. In guter badenwürttembergischer Manier wollte man nicht einfach eine weitere Universität unter vielen gründen. Nein, man wollte Pionierarbeit leisten in Sachen Hochschulreform, man wollte in der damaligen Hochschullandschaft etwas ganz Neues, Innovatives schaffen – und das war, neben der von Beginn an angelegten Internationalität, wohl das entscheidende Erfolgsrezept dieser Gründung.

In einer Zeit der immer weiter fortschreitenden Spezialisierung der Wissenschaften, in der zugleich immer mehr junge Menschen an die Hochschulen strebten, sollte eine Reformuniversität entstehen, um die alten Humboldt‘schen Bildungsideale in die
eigene Gegenwart zu übertragen. Die von vielen bereits für tot erklärten Prinzipien „Bildung durch Wissenschaft“ und „Lehre aus Forschung“ sollten aufs Neue miteinander verbunden werden, die „Einheit der Wissenschaft“, die zunehmend aus dem Blick zu geraten drohte, sollte institutionell für die Universität zurück gewonnen werden. So entstand hier am schönen Bodensee eine Modelluniversität, die sich Interdisziplinarität nicht nur auf ihre Fahnen schrieb – und zwar lange bevor dies andere taten –, sondern die die Überwindung
von Fachgrenzen und die Zusammenarbeit der Disziplinen auch in ihren Strukturen zu verwirklichen suchte.

Wenn dabei in den ersten Jahren auch nicht gleich alle Blütenträume reiften – das Projekt Universität Konstanz war und ist, das steht heute fraglos fest, eine grandiose Erfolgsgeschichte. Und zwar nicht in erster Linie, wie Ralf Dahrendorf treffend sagt,
„durch die Umsetzung eines Plans, sondern durch die Fortsetzung einer Grundhaltung.“ Schon in der Gründungszeit zog Konstanz bedeutende Wissenschaftler an, die den Mut hatten, in ihren jeweiligen Fächern neue Wege zu gehen und deren Erkenntnisinteresse die Grenzen der Disziplinen sprengte: Ich nenne Dahrendorf selbst, den großen Liberalen. Ich nenne den umtriebigen konservativen Politikwissenschaftler Waldemar Besson. Ich nenne
die schulbildenden Literaturwissenschaftler Wolfgang Iser und Wolfgang Preisendanz, aber
auch den Romanisten Hans Robert Jauß, dessen Zugehörigkeit zur Waffen-SS die Universität Konstanz in großer Offenheit in den letzten Jahren wissenschaftlich aufarbeiten ließ. Und ich nenne den Biologen Hubert Markl, der in Büchern wie „Natur als Kulturaufgabe“ weit über den Tellerrand seines eigenen Faches hinausblickte.

Heute sind die großen Erfolge in beiden Phasen der Exzellenzinitiative, aber auch die Spitzenpositionen in nationalen wie internationalen Hochschulrankings der Beleg dafür, dass hier nach wie vor höchste wissenschaftliche Qualität zu Hause ist – und zwar in der Forschung wie in der Lehre! Klein-Harvard am Bodensee – das war einmal ein Spottname
angesichts der hohen Erwartungen in der Gründungszeit. Heute kann er getrost als
angemessener Ehrentitel aufgefasst werden – und zwar für beide Universitäten.

Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit sagen: Ich freue mich, dass am Donnerstag vor einer Woche in Verhandlungen im Kanzleramt das Nachfolgemodell der Exzellenzinitiative, die „Exzellenzstrategie“ auf den Weg gebracht werden konnte. Bund und Länder stärken damit auch in Zukunft die Spitzenforschung an den Universitäten. Dabei steht wissenschaftliche Exzellenz weiterhin im Mittelpunkt des Programms. Ich bin mir also sicher, dass eine forschungsstarke Universität wie Konstanz wieder gute Chancen hat, aus dem Wettbewerb erfolgreich hervorzugehen. Konstanz ist „exzellent“ – und wir werden alles dafür tun, dass das auch so bleibt! Die Landesregierung wird Sie und die anderen Universitäten im Land jedenfalls nach Kräften dabei unterstützen.

Meine Damen und Herren, ich sprach eingangs angesichts der Universitätsgründung in Konstanz von einer weitsichtigen Maßnahme meines Vorgängers Kiesinger. Tatsächlich hat die Bedeutung der Wissenschaft für unsere Gesellschaft seit den sechziger Jahren noch einmal deutlich zugenommen. Der Wettbewerb auf den Weltmärkten ist für unsere Unternehmen inzwischen in erster Linie ein Innovationswettbewerb. Und Innovationen sind
wissenschaftsgetrieben. Sie sind das Ergebnis von Durchbrüchen in der Wissenschaft. Zugleich sehen wir uns in unserer Zeit mit großen Fragen konfrontiert: Von der Krise Europas war bereits die Rede. Weiter fragen wir: Wie können wir den Klimawandel wirksam begrenzen? Wie können wir das Wirtschaftswachstum vom Naturverbrauch entkoppeln? Wie gestalten wir die digitale Revolution, damit sie Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen nutzt? Wie gehen wir mit den zunehmenden weltweiten Migrationsbewegungen um?

Wie verteidigen wir unsere offene Gesellschaft gegen ihre Feinde? Was hält unsere immer
heterogener werdenden Gesellschaften noch zusammen? All diese Fragen, meine Damen und Herren, können nach meiner festen Überzeugung nur mit Hilfe der Wissenschaft beantwortet werden.

Und eine eindeutige, ein für alle Mal fest stehende Antwort wird es auf die meisten dieser Fragen gar nicht geben. Die Wissenschaft ist also mehr denn je zur Grundlage unseres Wohlstands und unserer gesellschaftlichen Entwicklung geworden.

Das hat in jüngster Zeit allerdings auch zu neuen Debatten über das Verhältnis von Wissenschaft und Politik geführt. Manche meinen, die Politik müsse mehr Einfluss nehmen auf die Hochschulen, damit die Steuergelder dort auch wirklich zur Lösung der drängenden gesellschaftlichen Probleme eingesetzt werden. Nun ist die Freiheit der Wissenschaft aber
in meinen Augen nicht nur ein hohes Verfassungsgut.

Freiheit ist vielmehr die eigentliche Voraussetzung für Kreativität und Innovation. Gerade wer viel von der Wissenschaft erwartet, muss ihr deshalb vor allem Freiräume gewähren, damit sie alte Gewissheiten in Frage stellen und neues Denken wagen kann. Freiräume gewähren: darin sehe ich auch die besondere Qualität unseres Hochschulfinanzierungsvertrags „Perspektive 2020“, den wir in der zurückliegenden Legislaturperiode geschlossen haben. Mit der darin festgeschriebenen Erhöhung der Grundfinanzierung um 3 Prozent pro Jahr schaffen und schützen wir Freiräume, indem wir zum Beispiel mehr unbefristete Stellen an den Hochschulen ermöglichen: Freiräume für Forschung, die nicht sofort die Verwertung im Sinn haben muss – eben Grundlagenforschung. Freiräume in den Köpfen, um kreativ denken und arbeiten zu können. Freiräume für eine autonom vorangetriebene Hochschulentwicklung.

Bis 2020 investieren wir auf dieser Basis 1,7 Milliarden Euro zusätzlich in unsere Wissenschaftslandschaft. Und die grün-schwarze Koalition hat bereits weitere Investitionen in unsere Hochschulen verabredet. In Forschungsleuchttürme ebenso wie in innovative Lehre, in Grundlagenforschung ebenso wie in die Stärkung von Transfer und Gründergeist.

Was unsere Hochschulen brauchen ist eine Kultur der Kreativität und Rahmenbedingungen, die eine solche Kultur ermöglichen. Eine Kultur, wie sie hier in Konstanz seit 50 Jahren gelebt wird. Eine Kultur der intellektuellen Risikobereitschaft und des Mutes, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen. Eine Kultur, die Grenzen, Fachgrenzen wie Ländergrenzen, überwindet. Interdisziplinäre Forschungsprojekte in den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften … Kooperationen mit Universitäten in aller Welt – von den engen
Beziehungen in die Schweizer Nachbarschaft bis hin zum Austausch mit China und den USA –, …und nicht zuletzt Partnerschaften mit Unternehmen und gesellschaftlichen Akteuren: Das ist der Konstanzer Nährboden, auf dem neues, innovatives Denken gedeihen kann.

Dazu kommt eine aktive Förderung von Ausgründungen, die Gründerförderung „Campus
Startup Konstanz“, die die Universität gemeinsam mit der Hochschule Konstanz ins Leben gerufen hat. Nicht nur Spezialisten ausbilden, sondern Forscherpersönlichkeiten bilden – das war hier in Konstanz von Anfang an der Anspruch: Persönlichkeiten mit Erkenntnisleidenschaft und Neugier, mit der Lust am Zweifel, an der kritischen Reflexion und der intellektuellen Debatte. Wer gelernt hat, den Dingen auf den Grund zu gehen, dem fällt es leichter, neue Fragestellungen zu entwickeln und neue Antworten zu geben – und
zwar ganz gleich, an welchem Ort in der Gesellschaft er später wirken wird. Auf solche
Persönlichkeiten aber, meine Damen und Herren, ist unsere Zeit dringend angewiesen. Sie verkörpern Wissenschaft im besten Sinne – und damit eine Haltung, die dem aktuell grassierenden Populismus diametral entgegensteht. Wissenschaft weiß um die Komplexität unserer Welt – und um die Bedeutung des permanenten, lösungsorientierten Diskurses. Die kleine Universität Konstanz – auf Augenhöhe mit den ganz Großen – macht es seit 50 Jahren vor, als Hochschule zugleich Zukunftslabor und Impulsgeber, Denkfabrik und Kreativzentrum zu sein.

Sie ist ein wahrer Schatz am Bodensee!

Meine Landesregierung will Ihnen auch in Zukunft bei Ihrer wichtigen Arbeit ein verlässlicher Partner sein. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und alles Gute für die Zukunft!

Begrüßung durch Prof. Dr. Dieter Jahn, Vorsitzender des Universitätsrates

 

Sehr geehrte Ministerpräsidenten Kretschmann und Teufel,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Burchardt,
Magnifizienzen,
Sehr verehrte Festgäste,

Im Namen des Universitätsrates möchte ich Sie sehr herzlich begrüßen, und ich freue mich, dass Sie der Universität Konstanz Priorität eingeräumt haben angesichts der Alternativen, die man an einem so schönen Sommertag in der Region Bodensee hat.

Für uns Menschen sind 50 Jahre eine lange Zeit, für eine Universität aber eine relativ kurze Lebensspann.

Man würde sagen, dass die Universität nun gerade mal der Pubertät entwachsen ist.

Gleichwohl kann man eine erste Zwischenbilanz ziehen, und hierzu möchte ich in aller Kürze einige Aspekte beitragen.

Beim Start als Reformuniversität wurden sehr viele Erwartungen hinein projiziert, die unrealistisch waren: Wer erwartet hatte, dass der Weg ein leichter und gerader sein werde, lag ebenfalls falsch. Es gab Krisen, auch einen sogenannten Neustart.

Gleichwohl wurden viele Erwartungen auch übererfüllt, und Konstanz ist nun zu einer Universität geworden, auf diese nun alle Beteiligen stolz sein können.

Was sind nun die wichtigen Erfolgsfaktoren aus meiner persönlichen Sicht in aller Kürze?

  1.  Die Struktur der Universität ohne traditionelle Institute, aber mit Fachbereichen. Mit dieser Struktur gelingt es wesentlich besser als an traditionellen Universitäten, mit Instituten den modernen Anforderungen an Interdisziplinarität und Kooperation Rechnung zu tragen.

  2. Auch die Größe und die Architektur der Universität: Größe ist nicht alles, wenn es um die Qualität von Universitäten geht. Die noch überschaubare Größe, die Architektur und Lage auf dem Gießberg führen zu einer Kultur der Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit, die einzigartig ist. Konstanz beweist, dass auch mittelgroße Universitäten Spitze sein können.

  3. Die leistungsbezogene Mittelvergabe mit internen Entscheidungsgremien für die Ressourcenallokation führt zu einer hohen Akzeptanz und Motivation.

  4. Die Anreize externe Mittel einzuwerben, die nach Qualitätskriterien vergeben werden. Die Universität Konstanz ist absolut Spitze beim Einwerben von Drittmitteln.

  5. Das ist das Wichtigste: Es sind die Menschen, die hier gewirkt haben und hier wirken. Die Studierenden, die Professoren, die Rektoren, die Kanzler und nicht zu vergessen die Mitarbeiter in der Verwaltung und Service. Immer ist es gelungen, außergewöhnliche Menschen für die Universität zu begeistern und zur Mitarbeit zu verpflichten. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat auch deswegen in Konstanz immer hohe Priorität besessen. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir den Generationswechsel bei den Professoren, der ja in 50 Jahren naturgegeben ist, so positiv gestalten konnten. Ich möchte in mein Lob auch die Menschen im Umfeld der Universität mit einbeziehen: Die Landesregierungen, die Konstanz immer unterstützt haben, niemals genügend, aber immer im sichtbaren Bemühen, die Universität voranzubringen. Die Stadt Konstanz, die aus meiner Sicht im Gegenzug auch unglaublich von der Universität profitiert, und last, not least, die Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz-auch im Universitätsrat, die dazu beitragen, dass aus dem vermeintlichen Standortnachteil als Randlage ein handfester Vorteil erwachsen ist. Die Schweizer Kollegen Imboden und Ranzenhuber alias René Schwarzenbach spielen bei dieser Veranstaltung nicht zufällig eine tragende Rolle.

Gestatten Sie mir am Schluss noch eine persönliche Bemerkung als Bürger dieses Landes:

Wenn ich mir die 50 Jahre Konstanz im Rückblick anschaue und versuche zu bewerten, dann komme ich zum Schluss, dass die Investition des Geldes der Steuerzahler und die privater Gönner in Konstanz ausgesprochen gute Investitionen waren, weil sie auch in Zeiten von Niedrigzinsen hohe und nachhaltige Erträge erwirtschaften in Form von gut ausgebildeten und gebildeten Menschen und von Forschungsergebnissen, die der Gesellschaft und der Wirtschaft eine Zukunftsperspektive geben. Gerade das Modell Konstanz ist ein Paradebeispiel für ein solches gewinnbringendes und nachhaltiges Investment in Wissenschaft, Bildung und Ausbildung.

Ich beglückwünsche die Universität zu ihrem 50. Geburtstag, und ich wünsche uns allen jetzt einen lehrreichen, anregenden und auch motivierenden Nachmittag, und wenn es stimmt, dass es auf die Menschen ankommt, dann erwächst für uns alle in diesem Hörsaal, die Verpflichtung, auch in Zukunft nicht nachzulassen, sondern noch mehr zu tun für die Zukunft dieser wunderbaren Universität.

Begrüßung durch Prof. Dr. Wolfram Ressel, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Burchardt,
sehr geehrter Herr Professor Jahn,
Herr Professor Imboden,
Herr Rektor, lieber Ulrich,
verehrte Festversammlung,

ich freue mich außerordentlich, der Universität Konstanz und ihren Mitgliedern die besten Wünsche der Landesuniversitäten zu ihrem Jubiläum überbringen zu dürfen. Meine Freude ist auch deswegen so groß, weil ich am Freitag letzter Woche fast befürchten musste, wieder ausgeladen zu werden. Ulrich Rüdiger berichtete im Rahmen der letzten Sitzung der Rektorenkonferenz über die großzügigen Gaben der Freunde und Förderer der Universität für das Sommerfest. Dabei wurde mir schmerzhaft bewusst, dass ich heute weder mit mehreren hundert Flaschen Wein noch mit einem gebratenen Ochsen im Gepäck vor Ihnen stehen kann. Wie schön, dass ich trotzdem hier sein darf!

Als angefragter Redner habe ich zudem das Glück, hier im Festsaal einen Platz zu bekommen – keine Selbstverständlichkeit, denn die Universität musste aufgrund von hohen Sicherheitsauflagen die Gästezahl im Gebäude beschränken, so dass es schon seit längerem eine Warteliste gibt. Hier, sehr verehrter Herr Ministerpräsident, wäre auch ein schönes Geburtstagsgeschenk nicht an die Universität Konstanz, sondern für alle Landesuniversitäten. Wir wollen an allen neun Universitätsstandorten im Land eine universitas bleiben, eine Gemeinschaft, die offen ist für ihre Mitglieder, ihre Freunde und Gäste, in der Veranstaltungen, Konferenzen, und auch Feiern stattfinden, keine geschlossenen Gesellschaften mit Zugangskontrollen. Das wird uns von den ständig weiter verschärften Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen aber immer schwerer gemacht. Der Staatsanwalt winkt uns schon fröhlich zu, wenn man zu großzügig Veranstaltungen genehmigt, die noch vor 20 Jahren eine Selbstverständlichkeit waren. Daher meine Bitte an die Vertreter des Landes, vielleicht einmal über die Anforderungen der Versammlungsstättenverordnung nachzudenken, die man uns auferlegt. Wünschenswert wäre, das noch deutlich vor der 75-Jahrfeier der Konstanzer Universität zu schaffen, damit im Jahr 2041 die Zahl der Gäste noch höher sein darf als die der Brandwächter und des Sicherheitspersonals.

„Kreativität entsteht“, so schrieb Gerhart von Graevenitz im Jahr 2012, „wenn man kreative Menschen in Ruhe lässt“ und räumt sofort danach ein, dass er sich als Rektor nicht immer nach diesem Grundsatz verhalten habe. Leider, wie er sagte. Oder doch eher zum Glück der Universität Konstanz - wenn ich betrachte, was hier in der nach universitären Maßstäben kurzen Zeit von 50 Jahren mit der tatkräftigen Unterstützung von bisher acht Rektoren von den Studierenden, Mitarbeitern, und Wissenschaftlern aufgebaut und geleistet wurde.

Wie die Universität Konstanz in einem ehemaligen Dominikanerkloster begann auch die Universität Heidelberg im Jahr 1386 ihren Betrieb mangels eigener Räume in Klostermauern, hat aber bis zum Exzellenzsiegel einige hundert Jahre länger benötigt. Angesichts dieser Zeiträume wird deutlich, dass die Entwicklung von Konstanz geradezu blitzartig verlief. Auf dem blanken Gießberg hat sich, um an dieser Stelle auch das Gründungsmotto der Universität Freiburg zu zitieren, „die Weisheit ihr Haus gebaut“. Und sie hat es gut hinbekommen, finde ich. Sanierungsbedürftig ist hier höchstens der Beton der Gebäude, die Strukturen sind nach wie vor zukunftsfähig. Was vor fünfzig Jahren Organisation erdacht wurde, große Fachbereiche statt kleinteiliger Institute, eine eher reduzierte Grundausstattung mit einem starken Anreiz zur Drittmitteleinwerbung und zur Kooperation statt Erbhöfe von Großordinarien, eine generelle Offenheit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, war und ist beispielgebend nicht nur für die deutsche Universitätslandschaft. Konstanz ist auch in dem einflussreichen QS World University Ranking in der Kategorie „Fifty under fifty“ der jungen Universitäten die beste deutsche Hochschule. Wenige Plätze danach folgt im Übrigen schon Ulm.

50 Jahre sind zwar länger als ein halbes Menschenleben, für Universitäten aber, neben der katholischen Kirche die konstantesten Institutionen auf dem europäischen Kontinent, ist dies nur eine kurze Zeit, die gerade ausreicht, um erwachsen zu werden. Die Herausforderungen sind groß: dass in den Rankings die Kategorie der Unterfünfzigjährigen Universitäten nicht mehr greift, ist verkraftbar, aber auch die Spielregeln der Exzellenzinitiative haben sich zugunsten der großen Universitäten geändert. Zwei erfolgreiche Clusteranträge, die es braucht, um sich überhaupt erst dem Wettbewerb um das Exzellenzsiegel stellen, sind für eine kleine Universität mit ihren begrenzten Zahlen an Forscherinnen und Forschern nur schwer zu stemmen. Hier sind ganz besondere Anstrengungen vonnöten, um mit den großen Tankern mitzuhalten, die auch mit mehr Ballast Fahrt aufnehmen können. Konstanz ist dagegen essentiell darauf angewiesen, an seinen bisherigen Qualitätsmaßstäben festzuhalten und diese konsequent anzuwenden und weiterzuentwickeln, um in der Riege der Spitzenuniversitäten zu bleiben. „Hierzulande“, sagt die Rote Königin in „Alice hinter den Spiegeln“, muss man so schnell rennen, wie man kann, um am selben Fleck zu bleiben. Wenn man irgendwo woanders hin will, muss man zweimal so schnell rennen.“

Ich wünsche der Universität, ihr Tempo so steigern zu können, dass sie nicht stehenbleibt oder gar zurückfällt. Am Einsatz aller ihrer Mitglieder wird die Sache sicherlich nicht scheitern. Unterstützung braucht sie dennoch. Üblicherweise machen Eltern heutzutage dem wohlgeratenen Nachwuchs zur Volljährigkeit ein schönes Geschenk, um den Start ins Leben zu erleichtern. Als Äquivalent für eine eben erwachsen gewordene Universitäten bietet es sich vielleicht an, wenn die wohlmeinenden Landeseltern der äußerst erfolgreichen jungen Universität Konstanz – und ihren acht Geschwistern vielleicht auch – einen guten Start in die neue Wettbewerbsrunde verschafft. Die Signale sind auf jeden Fall positiv.

Und da ich im Interesse der guten Nachbarschaft mit der Universität Hohenheim nicht gewagt habe, vom dortigen Versuchsbauernhof der landwirtschaftlichen Fakultät einen Ochsen zu entwenden und hierher mitzubringen, kann ich seitens der Regie auf wenig Milde hoffen und muss daher mein kurzes Grußwort an dieser Stelle beenden. Für die kommenden Jahre und Jahrzehnte wünsche ich im Namen aller Landesuniversitäten der Universität Konstanz weiterhin den verdienten Erfolg und Ihnen allen eine schöne Feier.

Ich danke Ihnen.

Festvortrag von Prof. Dr. Dieter Imboden, ETH Zürich

Vorbemerkung

Es ist für mich eine grosse Ehre, am 50. Geburtstag der Universität Konstanz zu Ihnen sprechen zu dürfen. – Und eine grosse Freude: Mit Konstanz und seiner Universität fühle ich mich in mehrfacher Weise verbunden.

Für den Zürcher und einstigen Professor der ETH liegt erstens die Universität Konstanz geografisch sozusagen gleich um die Ecke. Zudem gehört zu ihr ein renommiertes limnologisches Forschungsinstitut, mit dem ich als Seephysiker während vieler Jahre intensiv zusammengearbeitet habe und an dem heute ein ehemaliger Doktorand von mir, Professor Frank Peeters, tätig ist.

Zweitens: Für Basel, wo ich den grössten Teil meiner Schul- und Studienzeit verbracht habe, ist Konstanz sozusagen eine ältere Schwester, hatten doch beide Städte im 15. Jahrhundert die Ehre, ein Konzil zu beherbergen, Konstanz von 1414 bis 1418, Basel von 1431 bis 1448. Allerdings – dies vermerkt der protestantische Ex-Basler mit einem gewissen Schmunzeln – war Basel weit erfolgreicher, aus dem Konzil für seinen eigenen Ruhm Kapital zu schlagen. Nicht nur wurde während des Konzils ein provisorischer Universitätsbetrieb aufgezogen, die Basler schafften es auch, im harten Konkurrenzkampf mit Freiburg i.B. den nach dem Basler Konzil zum Papst Pius II gewählten Enea Silvio Piccolomini für ihre Pläne für eine permanente Universität zu gewinnen, so dass die Stadt Basel schon im Jahre 1460, nur wenig später als die Konkurrentin Freiburg, zu ihrer Universität kam.

Das Konzil von Konstanz stand diesbezüglich unter einem weniger glücklichen Stern. Es wurde während des Schismas vom Gegenpapst Johannes (dem) XXIII mit der Hoffnung einberufen, die Einheit der katholischen Kirche wieder herzustellen, was trotz zum Teil drastischer Entscheide, so der Verbrennung von Jan Hus als Ketzer, nicht gelang. Immerhin muss es während des Konzils auch lustig zugegangen sein, woran heute am Eingang des Konstanzer Hafens die Statue der Imperia, einer üppigen Kurtisane, erinnert.

Und damit bin ich am Bodensee und beim Titel meines Vortrages angelangt.

Der Leuchtturm und die Exzellenzinitiative

„Ein Leuchtturm steht in Konstanz“ – da stimmt doch einiges nicht, werden sich manche beim Lesen dieses Titels gesagt und vielleicht an die erwähnte Imperia gedacht haben: In jenem Volkslied, auf das der Titel anspielt, geht es erstens nicht um einen Leuchtturm, sondern um ein Männlein, und dieses steht nicht in Konstanz, sondern im Walde. Immerhin: Der Wald könnte zu unserem Geburtstagskind passen, obschon dieses Männlein im Mainauwald ob der Stadt alles andere als auf einem Bein steht, sondern auf vielen Betonsäulen fest im Boden verankert ist. Zweitens aber werden die Einheimischen untern Ihnen wissen, dass der bekannteste Leuchtturm am Bodensee nicht in Konstanz, sondern in einem befreundeten Nachbarstaat steht – einem freien Staat übrigens, wie er mit vollem Namen stolz verkündet –, nämlich an der Hafeneinfahrt des bayrischen Lindau.

Pikanterweise allerdings gehörten während vieler Jahre das Lindauer Hafengelände und damit auch der Leuchtturm den Stadtwerken Konstanz. Es brauchte zähe Verhandlungen, bis im Jahre 2010 das Gelände zusammen mit dem Leuchtturm und dem Bayrischen Löwen, welcher die andere Seite der Lindauer Hafeneinfahrt schmückt, an Lindau zurückging. Vielleicht – so meine Vermutung – waren die Verhandlungen schliesslich nur deswegen erfolgreich, weil Konstanz unterdessen einen eigenen Leuchtturm geschaffen hatte, eben jenen auf dem Giessberg, um den es heute geht. So konnten die Konstanzer den Lindauer Leuchtturm mit leichterem Herzen ziehen lassen.

Und weil „Die Zeit“ (die Zeitung, meine ich) ihre Artikel über die Exzellenzinitiative jeweils mit einem Leuchtturm schmückt, sind wir unweigerlich beim aktuellen Thema der deutschen Hochschul- und Forschungspolitik angelangt. Ich möchte meinen Vortrag keineswegs als Diskurs über die Exzellenzinitiative missbrauchen. Doch so ganz vermeiden lässt sich das Thema aus aktuellem Anlass wohl doch nicht, denn die Regierungschefs von Bund und Ländern haben erst vor ein paar Tagen, am 16. Juni 2016, dem Vorschlag der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) zur Fortführung der Exzellenzinitiative zugestimmt. Daran konnte glücklicherweise auch der in letzter Minute aufgetauchte Widerstand einer Hansestadt nichts ändern.

Kurz, Modalität und Fahrplan für die nächste Runde des Wettbewerbs um die Exzellenz-Gelder sind nun festgelegt, und Konstanz ist davon sehr direkt betroffen. Wie Sie wissen, ist die Universität aktuell mit zwei Graduiertenschulen, einem Exzellenzcluster und – was besonders hervorzuheben ist – mit einem Zukunftskonzept an der Exzellenzinitiative beteiligt. Damit gehört die Universität Konstanz schon seit dem Jahre 2007 zum illustren Kreis der momentan elf Exzellenzuniversitäten, übrigens als einzige der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten  „Reformuniversitäten“, was schon für sich allein genommen ein lebendiger Beweis für die Lebenskraft der vor 50 Jahren gegründeten Universität darstellt. Ferner ist Konstanz unter den Exzellenz-Universitäten bei weitem die kleinste; darauf werde ich am Schluss nochmals zu sprechen kommen. (Der Vollständigkeit halber möchte ich hier ergänzen, dass im Jahre 2012 die Universität Bremen als weitere junge Universität in den Kreise der „Erwählten“ aufgenommen worden ist.)

Wegen ihrer Sonderstellung unter den Exzellenz-Universitäten diente die Universität Konstanz der internationalen Expertenkommission, welche im Auftrag der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) die bisherige Wirkung der Exzellenzinitiative auf das deutsche Universitätssystem zu evaluieren hatte, immer wieder als Testfall. Insbesondere war die Kommission der festen Überzeugung, dass die Spielregeln der künftigen Exzellenzinitiative so zu gestaltet seien, dass höchste Qualität unabhängig von der Grösse einer Universität und unabhängig von ihrem Fächerspektrum zu identifizieren und zu fördern sei. – Es wird sich zeigen, ob die am 16. Juni beschlossenen Spielregeln diesem Anspruch zu genügen  vermögen. Die Kommission war jedenfalls erfreut, dass die Minister in vielen Fällen ihren Vorschlägen gefolgt sind, auch wenn es entscheidende Differenzen dazu gibt. – Aber der Entscheid ist jetzt getroffen, also lassen wir dieses Thema und kommen wir zum eigentlichen Punkt des heutigen Tages, zu den fünfzig Jahren der Universität Konstanz, oder allgemeiner noch: zur Zeit.

Die Zeit

„Die Zeit ist ein sonderbar Ding“, singt die Marschallin im ersten Akt des Rosenkavaliers von Richard Strauss. Sie meint damit die Zeit für ein Menschenleben, für ihr eigenes Leben, welches sie im feinsinnigen Libretto von Hugo von Hofmannsthal mit dem erbarmungslosen Rieseln der Sandkörner in einer Sanduhr vergleicht. „Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie“, sagt die Marschallin zu ihrem jungen Liebhaber Octavian.

Um nicht einfach „so hinzuleben“, feiern wir Geburtstage, und einige davon, nämlich die „Runden“, begehen wir besonders festlich. Doch seien wir uns bewusst, dass es ganz besondere Umstände sind – und nicht eine höhere Ordnung –, welche unsere runden Geburtstage definieren. Da wäre erstens die Astronomie, welche mit der Umlaufzeit der Erde um die Sonne  das Jahr und die Jahreszeiten schafft, welche dem Leben ihren Takt geben. Und da wäre zweitens ein kleines Detail in der späten Evolution, als die Säugetiere entstanden und die Primaten, inklusive der Mensch, mit fünf Fingern an jeder Hand ausgestattet wurden, was schliesslich zum Zehnerzahlensystem führte, wo doch das Zwölfersystem wegen der einfacheren Primzahlzerlegung der Zahl zwölf so viel praktischer für unseren Rechnungsunterricht gewesen wäre. Im Zwölfersystem übernähme die Zahl 144 die Rolle unserer Zahl 100, das halbe Jahrhundert würde dann 72 Jahre dauern und wir müssten auf die heutige Feier noch 22 Jahre warten.

Das Symbolhafte runder Geburtstage aber liegt selbstverständlich nicht im Absoluten, sondern in jenem relativen Rhythmus, welcher der Mensch für seine eigene Orientierung braucht, um vor der Unendlichkeit der Zeit nicht zu verzweifeln. Es sind Meilensteine, wie sie einst am Rande unserer Wege standen, um dem Kontinuum der zeitlichen oder räumlichen Bewegung Struktur zu geben. An dieses Prinzip haben sich die Organisationswissenschaftler offensichtlich erinnert: Nichts mehr geht heute ohne die neudeutschen Milestones. Auch die Forschung ist von der „Milestone-itis“ befallen. Wir fragen uns, wie Kepler, Einstein und Darwin es damals gemacht haben...

Aber wir feiern heute einen Meilenstein einer Institution, nicht eines Forschungsprojektes. Im Vergleich zur Dauer eines Projektes oder der Lebenszeit eines Menschen gehorcht die Zeit einer Institution – zumindest in unserer Wahrnehmung – einem anderen Gesetz. Erstere sind von endlicher zeitlicher Dimension. Menschen werden geboren, altern und sterben. Ganz andere Regeln gelten für das Alter von Institutionen. Je älter, desto besser und ehrwürdiger – fragen Sie nur die Universität Heidelberg oder meine eigene Alma Mater, die Universität Basel. Wäre ich eine Institution, nicht ein Mensch, dürfte ich mich gegenüber der heutigen Jubilarin fast ein wenig brüsten, denn ich hätte das halbe Jahrhundert bereits hinter mir, sogar im Zwölfersystem.

Eine neue Institution wird unausgesprochen für die Ewigkeit geschaffen, an ihren möglichen Tod denkt niemand, denn das würde ja implizit einen Misserfolg bedeuten. Wir kennen Gründungszeremonien, Grundsteinlegungen, Einweihungsfeiern – beliebte Bühnen für Politiker. Haben Sie schon einmal von einer „Ausweihungsfeier“ oder einer „Grundsteinentfernung“ gehört? Für Institutionen gibt es kein Pensionsalter. Wenn wir ihre runden Geburtstage feiern, wie wir es heute an der Universität Konstanz tun, mögen wir zwar auch Rückschau halten und uns an das einst Beabsichtigte und Erhoffte erinnern, aber immer – und vor allem – geht der Blick auch in die Zukunft. Der Mensch, der unter dem Diktat der Endlichkeit steht und seit seiner Geburt den Tod in sich trägt, schafft sich so seine Illusion der Unsterblichkeit.

Der Fluss der Geschichte

Was aber gibt dem Menschen, dem sterblichen Wesen, immer wieder die Kraft und die Kühnheit, über sein eigenes Dasein hinaus zu schauen und das Unsterbliche zu wagen? – Das sind uralte Fragen der Menschheit. Jede Kultur hat auf ihre eigene Art mit der Endlichkeit des individuellen Lebens fertig zu werden versucht, hat Mythen der Wiedergeburt und des ewigen Lebens geschaffen und immer wieder auf neue Art versucht, mit Hilfe der scheinbaren Unendlichkeit der physischen und geistigen Dinge, mittels Bauwerke und Institutionen, das eigene Leben (oder zumindest die Erinnerung daran) zeitlos zu machen.

Ich bin weder der Philosoph noch der Historiker, der hier über dieses Thema Kompetentes und Neues zu sagen im Stande wäre. Dem Physiker, der sich in seiner eigenen Forschung mit der Rolle des Wasser in der Geo- und Biosphäre beschäftigt hat, liegen andere Bilder näher, Bilder, welche die physische Welt in die endlose Kette von Entstehen und Vergehen einschliessen und damit ein Sinnbild für den Verlauf unserer Geschichte abgeben.

Stellen Sie sich, meine Damen und Herren, für einen Augenblick vor, sie seien ein Falke, der über einer Landschaft  kreist, durch die ein grosser, ungezähmter Fluss fliesst, ein Fluss, der noch nichts weiss vom Dämme bauenden Menschen. Das scharfe Auge des Vogels erblickt ein kompliziertes Netz von Wasserläufen, grossen und kleinen, die sich fortwährend teilen und wieder vereinigen. Immer wieder fliesst neues Wasser durch dieses Netzwerk von Wasseradern, aber was bleibt und sich meist nur langsam verändert, ist das System von Flussläufen. Hier und dort, in einer Biegung vielleicht, bricht plötzlich ein Wasserarm durch das Kiesbett und sucht sich einen neuen Weg, um schon bald wieder zu versiegen oder sich etwas weiter stromabwärts wieder mit dem alten Wasserlauf zu verbinden. Manchmal aber bleibt eine anfängliche Richtungsänderung bestehen, ja sie verstärkt sich, und der Wasserlauf findet ein neues Ziel, ein neues Meer. So entstehen aus kleinen Abweichungen grosse Wasserscheiden.

Selten nur wird das Bild der kontinuierlichen Veränderung durch ein katastrophales Ereignis überwältigt, durch ein Hochwasser, welches die Flusslandschaft von Grund auf neu formt und, wenn die Wasser wieder abgezogen sind, eine neue Welt zurücklässt, in der wieder der alte Prozess der Abspaltung und Verschmelzung der Wasseradern zu wirken beginnt. Man nennt solche Ereignisse Revolutionen. Aus der Geschichte wissen wir, dass sie zwar Raum für Neues schaffen, aber meist – wie Hochwässer auch – mit schmerzlichen Kollateralschäden einhergehen. (Wie das gestrige Resultat der Brexit-Abstimmung die Flusslandschaft verändern wird, wird sich dereinst zeigen, wenn das Hochwasser abgeflossen ist!)

Weit häufiger aber verändert sich die Welt evolutiv. Als einen evolutiv ausbrechenden, vorerst unscheinbaren Nebenstrom stelle ich mir jenen berühmten Schmierzettel vor, welcher der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Georg Kiesinger im Jahre 1959 einem Konstanzer Landrat zugesteckt haben soll, auf dem Kiesinger Konstanz als Standort einer neuen Universität vorschlug. Er war nicht der einzige Flussarm, der damals in Deutschland entstand, nur dass viele schnell wieder versiegten. Aber der „Kiesinger-Schmierzettelstrom“ überlebte und wurde zu einem stabilen neuen Flussarm, vielleicht weil er besser war als andere, aber sicher auch weil Zeit und Ort dafür reif waren, sozusagen schon eine kleine Vertiefung für den neuen Strom im Gelände angelegt war, welche das kleine Bächlein zu nutzen verstand.  Die Prädisposition für einen neune Flussarm war nicht zuletzt dadurch gegeben, dass der Raum nördlich des Bodensees – im Gegensatz etwa zum badischen Rheintal– auf der Universitäts-Landkarte fast so etwas wie ein weisser Fleck geblieben war und sich im sonst doch so tüchtigen Ländle offensichtlich ein Drang nach diesbezüglicher Leistung aufgestaut hatte. Daher bewirkte die Idee einer Universitätsgründung  nicht nur in Konstanz, sondern in der ganzen Region eine Aufbruchstimmung, welche bis heute anhält.

Eine neue Idee, und sei sie noch so gut und vielversprechend, muss scheitern, wenn nicht nachfliessendes Wasser den neuen Flusslauf vertieft, wenn nicht weitere Menschen mit ihren Ideen und Taten nachstossen und sich das Neue zur eigenen Sache machen. Und diese Menschen gab es, den Gründungsrektor Gerhard Hess zum Beispiel oder Rektor Horst Sund, der 15 Jahre und damit bislang am längsten an der Spitze der Universität stand.

Ich kann die Personen nicht alle nennen, welche den Lauf der Universität geprägt und zum Erfolg geführt haben, aber gestatten Sie mir aus besonderem Anlass eine Person speziell zu erwähnen, Gerhard von Graevenitz, Rektor von 2000 bis 2009 und damit primärer Verantwortlicher für den frühen Erfolg der Universität Konstanz in der Exzellenzinitiative. Ich hatte ihn vor vielen Jahren an einer wissenschaftspolitischen Tagung kennen gelernt, wo unser Gespräch sehr schnell bei Theodor Fontane landete und ich kurz danach sein neues Fontane-Buch in Händen halten durfte. Als die Evaluationskommission in ganz Deutschland Interviews über die Exzellenzinitiative führte, war er ein sehr feinsinniger, überlegter und weiser Gesprächspartner. Ich hatte danach für den 22. März dieses Jahres ein zweites Treffen mit ihm vereinbart, um mich von ihm für meinen heutigen Vortrag inspirieren zu lassen. Dann kamen kurz hintereinander zwei Mitteilungen, die erste von seinem Sekretariat, Herr von Graevenitz sei erkrankt und könne den Termin nicht wahrnehmen, und kurz danach die Nachricht von seinem Tod am 25. März, die uns alle bestürzte und traurig machte. Ihm möchte ich mit diesen wenigen Sätzen einen wenn auch nur symbolischen Ehrenplatz an der heutigen Feier geben.

Visionen und dynamischer Pragmatismus

Jedes gute Vorhaben beginnt mit einer Mischung aus Vision und Pragmatismus. Wer keine Visionen hat, glaubt nicht an die Zukunft. Pragmatismus hilft bei der Umsetzung von Visionen, aber schafft wenig Neues. Visionen sind keine Hirngespinste, sondern Entwürfe einer möglichen Zukunft, dazu gemacht, dass man mit ihnen arbeitet, sie aufgrund gemachter Erfahrungen ändert, gewisse Ideen ganz aufgibt, andere modifiziert. Nur wer sich farbige Federn an den Hut steckt, kann später auch die eine oder andere Feder lassen, ohne gleich wie ein gerupftes Huhn dazustehen.

Ich habe Dokumente und Zeugnisse aus der Gründerzeit der Universität studiert und darin sowohl Visionen als auch Pragmatismus gefunden. Es ist eindrücklich, mit welcher Offenheit und Selbstkritik im Laufe der Jahre an diesen Visionen gearbeitet worden ist. Von Anfang an spürt man die Überzeugung der damals Verantwortlichen, für das Gedeihen einer modernen Universität seien physische Faktoren ebenso wichtig wie organisatorisch-strukturelle.

Zur ersten Kategorie gehörte die Frage, wie und wo eine neue Universität gebaut werden sollte. Inspiriert durch Vorbilder von jenseits des Atlantiks wurde die Universität bewusst als Campus auf der grünen Wiese (bzw. im grünen Wald) konzipiert, in deren Mitte nach dem Vorbild des antiken Griechenlands eine Agora und eine gemeinsame Bibliothek liegen sollten.

Zu den physischen Randbedingungen passend hat man nach neuen Wegen für die innere Struktur der Universität gesucht: Hier wirkte – neben andern – der Geist des Soziologen und Politikers Rolf Dahrendorf. Er gehörte zu den Gründern der Universität und entwickelte, zusammen mit andern und stark beeinflusst vom amerikanischen Modell, lange vor der Bologna Reform  ein zweistufiges Studium (Bachelor/Master) und regte die Schaffung von reinen Lehr- und Forschungsprofessuren vor. Die Frontalvorlesungen sollten zugunsten von Seminaren und Praktika weitestgehend eliminiert werden. Dahrendorf schwebte eine Universität vor, wo sich Lehre und Forschung an den Schnittstellen der modernen Wissenschaften mit den Kernfragen der modernen Gesellschaft weiter entwickeln sollten.

Dass die optimale Form nicht auf Anhieb gefunden wurde, ist kein Zeichen des Misserfolges, sondern des ernsthaften Bemühens um stetige Verbesserung. Es gehört zur Natur einer dynamischen und lebendigen Organisation, dass die Frage nach der optimalen Struktur auch künftig immer wieder neu gestellt werden muss.

Der Mut zur Veränderbarkeit der Zukunft

Was darf man der jungen Universität für die nächsten Jahrzehnte wünschen? – Als Festredner hat man das Privileg – oder die Narrenfreiheit –, seinen eigenen Vorstellungen nachzuhängen. Lassen Sie mich also zum Schluss meine persönlichen Gedanken zur Zukunft einer exzellenten Universität formulieren, wie Konstanz zweifellos eine ist, auch wenn diese Gedanken politisch vielleicht tabu sind. Tabus verstellen den Blick in die Zukunft.

Als Konstanz vor 50 Jahren gegründet wurde, lag in Deutschland der Prozentsatz von Schulabgängern mit Hochschulreife unter 10%, Tendenz stark steigend. Heute liegt die Quote je nach Bundesland 3 bis 5mal höher. Über den damaligen Zeitgeist hinaus, ja in einem gewissen Sinn gegen ihn gerichtet, wollte Konstanz Eliteuniversität,   und nicht – wie der Jargon damals hiess – Entlastungsuniversität sein. Zahlenmässig sind die einst anvisierten 3000 Studierenden zwar um das Vierfache übertroffen, aber die Ambition, Universität im Humboldt’schen Sinn zu bleiben und jungen Menschen in erster Linie die Fähigkeit des selbständigen kritischen Hinterfragens, und nicht primär Berufsfertigkeiten, auf den Weg zu geben, ist geblieben, auch wenn der Zeitgeist dieser Idee heute noch weit mehr im Wege steht als vor 50 Jahren. Immer mehr junge Menschen drängen zur Universität oder werden im Rahmen des heutigen Bildungsmythos in diese gedrängt, und dabei verfügte doch Deutschland wie nur wenige andere Länder über ein hochstehendes, sehr differenziertes und vom Arbeitsmarkt her erfolgreiches Ausbildungssystem, das der Universität zwar einen wichtigen, aber bei weitem nicht den einzigen Platz zuweisen müsste.

Sollte es tatsächlich unabwendbar sein, dass künftig die Hälfte oder mehr eines Jahrganges über die Universität zum Beruf gelangen wird, muss sich auch die Universitätslandschaft grundlegend verändern und ausdifferenzieren, so wie das im universitären „ Vorbild-Land“, in den USA, der Fall ist. Im Augenblick aber lässt die Politik mit zahlreichen Randbedingungen, wie der Kapazitätsverordnung oder dem eingeschränkten Recht der Universität, sich ihre Studierenden über Qualitätsparameter selber auszusuchen wie jede Musikakademie oder jede Schauspielschule, wenig Spielraum für einen Differenzierungsprozess und letztlich auch nicht für das, was die Exzellenzinitiative will.

Aber gerade deswegen wünsche ich der Universität, an die Veränderbarkeit der Zukunft zu glauben und an ihr zu arbeiten. Sie wird sich – wie schon in der Vergangenheit – immer wieder der Frage stellen müssen, wie sie sich im Spannungsfeld zwischen Exzellenz und Wachstum, zwischen fachlicher Konzentration und Ausuferung künftig positionieren will. Mir scheint, der bisherige erfolgreiche Weg der Universität Konstanz weist in eine ganz bestimmte Richtung, auch wenn die Regeln für die neue Exzellenzinitiative – ich kann es mir nicht verkneifen, es hier nochmals zu sagen – leider Qualität an Grösse koppeln.

Aber ich habe auch einen Wunsch an die Politik: Nicht minder wichtig als der gute Wille der Universität sind die politischen Rahmenbedingungen, die Handhabung der Kapazitätsverordnung zum Beispiel, aber vor allem die Finanzen: die Uni ist im Vergleich zu den ausseruniversitären Forschungsinstitutionen und zu ihren ausländischen Konkurrenten unterfinanziert (wie praktisch alle deutschen Universitäten). Daran ändert auch die Exzellenzinitiative wenig. Fast möchte ich sagen: Baden-Württemberg wird sich doch gegenüber dem südlichen „Nachbar-Ländle“ nicht lumpen lassen, weder bei den Universitäten noch beim Fluglärm.

Doch genug der Politik. Heute feiern wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Universität Konstanz. Ich stelle mir vor, dass der am Himmel kreisende Falke, wenn er in fünfzig Jahren auf den mächtigen Fluss der Geschichte blickt, sowohl Vertrautes, als auch Neues erspähen wird. Ich möchte es ganz stark hoffen, dass der vor fünfzig Jahren neu entstandene Flussarm noch immer als vitale Wasserader zu erkennen ist, auch wenn sich sein Lauf verändert haben mag. Und wenn die Sonne auf das bewegte Wasser scheint, so wird der Falke das reflektierte Licht aufblitzen sehen und vielleicht an einen Leuchtturm denken, an einen Leuchtturm, der in Konstanz steht. Und könnte man dann den Ruf des Falken in menschliche Sprache übersetzen, dann würden wir vielleicht hören: Vivat, crescat, floreat, Alma Mater Constantiensis!

 

24. Juni 2016: Sommerfest im Innenhof der Universität Konstanz

Zum Sommerfest im Anschluss an den Festakt zur Gründung der Universität Konstanz vor 50 Jahren war der Innenhof festlich und kulinarisch hergerichtet worden. Das Angebot war paradiesisch, die Stimmung himmlisch.

25. Juni 2016: Treffen von Vertreterinnen und Vertretern internationaler Partnerhochschulen: Rosgartenmuseum und Ausflug auf die Insel Mainau

Ein Arbeitstreffen am 25. Juni im Rosgartenmuseum sowie ein Ausflug zur Insel Mainau unter sachkündiger Führung von Björn Graf Bernadotte rundeten das Programm des Treffens von Vertreterinnen und Vertretern internationaler Partnerhochschulen ab.

25. Juni 2016: Jubiläums-Konzert mit internationalen Partnerchören

Das Abschlusskonzert am 25. Juni im Audimax der Universität setzte einen begeisternden Schlusspunkt. Mit den Chören der Partneruniversitäten Kiew und Lyon, dem Kinder- und Jugendchor der Musikschule Konstanz sowie dem Universitätschor und -orchester erklang unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Peter Bauer Carl Orffs „Carmina Burana“. Den musikalischen Auftakt übernahm der Chor der Nationalen Taras Schewtschenko-Universität Kiew.