Ein erstklassiges Netzwerk zur Beobachtung des Lebens auf der Erde

ICARUS wird uns erstklassige Möglichkeiten zur Beobachtung des Lebens auf der Erde liefern.
Professor Dr. Martin Wikselski, Direktor, Max-Plank-Institut für Ornithologie

Projekt 1: Unseren Planeten aus dem Weltraum beobachten

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Stellen Sie sich vor, wir hätten die Möglichkeit, Zugtiere auf ihren Reisen zu begleiten. Stellen Sie sich vor, wir könnten rechtzeitig eingreifen, um bedrohte Arten zu retten, die Ausbreitung von Epidemien eindämmen und vielleicht sogar Naturkatastrophen vorhersagen.

Ab 2018 werden diese Möglichkeit zur Realität.

 

Weltraumbasierte Systeme kommen bei der Beobachtung globaler Migrationsbewegungen zum Einsatz

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Im Mai 2018 wird mit ICARUS das erste weltraumbasierte System für die Beobachtung globaler Migrationsbewegungen von Wildtieren seine Arbeit aufnehmen. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Professor Martin Wikelski in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Im Rahmen von ICARUS werden einzelne Tiere mit extrem leichten (< 5 gr.) Radiotransmittern ausgestattet, die Position, Temperatur, Druck etc. messen können.

Ein Empfänger der Raumstation ISS trackt tausende Tieren

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Ein eigens dafür ausgerichteter Empfänger auf der Internationalen Raumstation ISS wird es den Forscherinnen und Forschern dann ermöglichen, die Bewegungen von Tausenden von Tieren in Echtzeit zu verfolgen und Einblicke in ihr Lebensumfeld während ihrer Reisen zu gewinnen, was von mindestens gleich hoher Bedeutung ist. ICARUS läutet damit ein neues Zeitalter der Entdeckung ein, das in dieser Form noch nie dagewesen ist und uns auf revolutionäre Art und Weise mit der (Tier)Welt verbinden wird.

Projekt 2: Eine globale Sicherheitszone für Störche

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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2017 war ein gutes Jahr für Störche in Baden-Württemberg. Noch vor 50 Jahren lag die brütende Population bei zehn Pärchen. Dieses Jahr wurden 1000 Jungtiere im Land gezählt. Diese phänomenale Entwicklung haben wir Umweltschutzmaßnahmen zu verdanken, die auf einem echten Verständnis der Biologie von Störchen fußen. Jetzt hilft ein Team des Max-Planck-Instituts für Ornithologie dabei, ein noch klareres Bild zu zeichnen.

Radiotransmitter begleiten die Störche auf Ihren Reisen

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Mithilfe ICARUS verfolgt das Team 491 Störche, die jedes Jahr zwischen Europa und Afrika wandern. Die Radiotransmitter, mit denen die Tiere ausgestattet sind, übermitteln wichtige Informationen zu den Geschehnissen während der Reise, die bis zu 10.000 Kilometer lang sein kann.  

Schon jetzt hat das „LifeTrack White Stork–Projekt“ gezeigt, dass die häufigste Todesursache auf Stromschläge zurückzuführen ist, die ausgelöst werden, wenn sich die Tiere auf Strommasten niederlassen. Außerdem hat es die Jagd auf Störche in Westafrika und die damit einhergehende neue Bedrohung für die Tiere in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt.

Welche Faktoren gefährden das Überleben der Störche?

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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„Wir wussten immer, dass Störche sehr weit reisen. Allerdings war bislang weitestgehend unbekannt, wie es ihnen während ihrer Reisen ergeht“, erklärt Dr. Wolfgang Fiedler, einer der an der Studie maßgeblich beteiligten Wissenschaftler. 

„Jetzt können wir genau sehen, welche Faktoren das Überleben der Störche gefährden und wo sie auftreten, was wiederum dabei helfen wird, noch bessere Schutzmaßnahmen innerhalb und außerhalb Deutschlands zu entwickeln“.

Projekt 3: Können Tiere Katastrophen vorhersagen?

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Hunde, die kurz vor dem Auftreten von Erdbeben unruhig werden… Vögel, die sich vor dem Hereinbrechen eines Sturms in Sicherheit bringen… Würmer, die kurz vor Überschwemmungen aus dem Boden quellen.

Geschichten von Tieren, die Naturkatastrophen erahnen können, tauchen überall auf der Welt und quer durch alle Epochen auf. Aber kann uns die Wissenschaft dabei helfen, herauszufinden, ob diese Geschichten auch wirklich stimmen? In einem interdisziplinär angelegten Projekt, das sowohl Biologen als auch Mathematiker involviert, testen Professor Martin Wikelski und Professor Winfried Pohlmeier, ob Ziegen, Schafe und Elefanten als eine Art biologisches Frühwarnsystem für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche genutzt werden können.

 

Woher kommen die Daten?

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Vergangene Studien waren dadurch eingeschränkt, dass Tiere nicht ununterbrochen beobachtet werden konnten. Dies bedeutete, dass es keinen Basisdatensatz gab, mit dem man eine nachfolgende Naturkatastrophe hätte vergleichen können. Aber dank modernster Trackingtechnologien – und besonders solcher Technologien, die im Rahmen von ICARUS
entwickelt wurden – kann Professor Wikelski nun Tiere vor, während und nach dem Eintreten von Katastrophen beobachten.

Mit modernsten Trackingmethoden werden die Tiere vor, während und nach dem Eintreten von Katastrophen beobachtet

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Das Projekt hat damit begonnen, Tiere in Gebieten mit hohem Risiko zu verfolgen, darunter Ziegen und Schafe nahe des Ätnas, des aktivsten Vulkans in Europa, Elefanten und Wasserbüffel in Banda Aceh, das 2004 durch den Tsunami verwüstet wurde, und den italienischen Apenninen, die während eines Erdbebens im Oktober 2017 weitestgehend zerstört wurden. Die Forschungsergebnisse werden die bislang belastbarsten empirischen Hinweise dafür liefern, ob durch die Beobachtung von Tierverhalten die Folgen von Naturkatastrophen gemildert werden können. 

Projekt 4: Angehenden Wissenschaftlern Flügel verleihen

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Kinder lieben den Weltraum. Kinder lieben Tiere. Dank eines Projekts, das sie über die Internationale Raumstation ISS mit Wildtieren verbindet, können Schulkinder in Deutschland diese zwei Vorlieben ab sofort miteinander kombinieren. Martin Wikelskis Team kooperiert mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der „Wächter der Erde“ Initiative – ein Projekt, dass es Schulkindern ermöglichen wird, die Erde und ihre Fauna mithilfe von ICARUS zu beobachten und zu erkunden. Dr. Jesko Partecke aus Wikelskis Team wird Amseln, die sich fast überall in Eurasien finden und damit ein perfektes Versuchsobjekt für die Beobachtung der Erde und der Umwelt darstellen, mit Radiotransmittern versehen.

Die gesammelten Daten können im Unterricht ausgewertet werden

Copyright: Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO)
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Diese Transmitter werden Daten sammeln, die dann über die ISS in einer Onlinedatenbank gesammelt werden, zu der auch Lehrer Zugang haben werden. Mithilfe spezieller Unterrichtsmaterialien können Lehrer und Schüler dann gemeinsam die Daten auswerten und auch komplizierte Fragestellungen bearbeiten, so zum Beispiel zur Beziehung zwischen den Amseln und dem globalen Ökosystem. Wissenschaftler aus Wikelskis Team werden darüber hinaus mithilfe von MaxCine, dem Öffentlichkeitsprogramm des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, praktische Hilfestellungen geben und ihr Fachwissen zur Verfügung stellen.

ICARUS („International Cooperation for Animal Research Using Space“) ist ein gemeinsames Projekt der Universität Konstanz und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie (Radolfzell) in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos und wird unterstützt von der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Wissenschaftlicher Leiter von ICARUS ist Prof. Dr. Martin Wikelski, einer der beiden Direktoren des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell sowie Honorarprofessor der Universität Konstanz.

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