Bildung als Motor gegen soziale Ungleichheit

Ungleichheitsforschung an der Universität Konstanz

Die Ungleichheitsforschung hat sich in den vergangenen Jahren an der Universität Konstanz zu einem zentralen Thema entwickelt. Bildung zählt in modernen Wohlfahrtsstaaten zu den wichtigsten Instrumenten, um sozialer Ungleichheit zu begegnen. Anhand einer vom Europäischen Forschungsrat ERC geförderte Umfrage in acht europäischen Ländern untersucht der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Marius Busemeyer, was den Menschen Bildung geldwert ist.  Die Forschung der Arbeitsgruppe Busemeyer eröffnet neue Lösungswege im Interessenabgleich zwischen politischen Entscheidungsträgern und Bevölkerung.

Die Politikwissenschaft vernächlässigt Ursachen und Konsequenzen der Ungleichheit

"Das Thema Ungleichheit ist ein etabliertes Feld in den Sozialwissenschaften, aber die bestehende Forschung hat die politischen Ursachen und Konsequenzen der Ungleichheit vernachlässigt."

Marius Busemeyer, Politikwissenschaftler

Ausbildung und Entwicklungszusammenarbeit

Die Forschung zur deutschen Berufsausbildung eröffnet interessante Handlungsmöglichkeiten für die Welt der Entwicklungsländer. So war Marius Busemeyer im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ ) und der KfW Entwicklungsbank an der Erstellung eines Gutachtens zur Übertragung des deutschen Ausbildungsmodells beteiligt. Ziel der Studie war, Hinweise für den Aufbau und die Weiterentwicklung beruflicher Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit zu liefern.

 

Bildungsreformen in Deutschland und Europa

Bildrecht: Michaela Pfeiffer/Stadt Konstanz
Bildrecht: Michaela Pfeiffer/Stadt Konstanz

Ein Kernbereich politikwissenschaftlicher Wissensvermittlung liegt in der Bildungsreformpolitik. Marius Busemeyer war unter anderem als Experte Teil einer OECD-Mission, die die Finanzierungsbedingungen im österreichischen Schulsystem untersuchte. Darüber hinaus hat er mit seiner Mitarbeiterin Susanne Haastert im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung eine groß angelegte Evaluation der grün-roten Bildungsreform in Baden-Württemberg durchgeführt.

Bildung vor Ort

Gemeinsam mit seinem damaligen Mitarbeiter Dr. Janis Vossiek (heute Universität Köln) führte er im Auftrag der OECD und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt „Lernen vor Ort“ in vier Städten und Landkreisen durch. Zuletzt wertete er für eine größere Expertenbefragung der Bertelsmann-Stiftung zum Stand von sozialpolitischen Reformen den Bereich Bildung aus. Außerdem hat er mit dem Wirtschaftswissenschaftler Pof. Dr. Christian Keuschnigg von der Universität St. Gallen eine Sonderauswertung der Daten für Deutschland durchgeführt.

Konstanzer halten einkommensabhängige Gebühren für gerecht

Bildrecht: Peter Allgaier
Bildrecht: Peter Allgaier

Ebenso war Marius Busemeyer an der Befragung Konstanzer Haushalte zum Thema Kita-Gebühren federführend, die durchaus überraschende Ergebnisse hervorbrachte: Unabhängig vom eigenen Einkommen hält die Bevölkerung einkommensabhängige Gebühren für gerecht.

Öffentliche Meinung und Bildungspolitik

Für die Politik ist es enorm hilfreich, die Einstellungen der Bevölkerung detailliert zu kennen, um unterschiedliche Interessen abzugleichen. Marius Busemeyer hat zu diesem Zweck mit dem Kollegen Ludger Wössmann von der LMU München einen Bericht für ein Expertennetzwerk der Europäischen Kommission verfasst, in dem der Stand der Forschung zum Verhältnis zwischen öffentlicher Meinung und Bildungspolitik aufgearbeitet und konkrete Politikempfehlungen abgeleitet werden.

Prof. Dr. Marius Busemeyer leitet die Arbeitsgruppe Policy-Analyse und politische Theorie an der Universität Konstanz. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen vergleichende politische Ökonomie und Wohlfahrtsstaatenforschung, Bildungs- und Sozialpolitik, Staatsausgaben, Theorien des institutionellen Wandels sowie öffentliche Meinung und individuelle Einstellungen zum Sozialstaat.

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