Tobias Neumann ist Schwerbehindertenvertreter

Tobias Neumann ist Schwerbehindertenvertreter an der Universität Konstanz und als solcher Ansprechpartner für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die körperliche oder psychische Einschränkungen haben. An der Universität arbeitet Tobias Neumann seit Ende 2008, und seit Ende 2014 ist er Sprecher des Teams, das sich gemeinsam darum kümmert, dass Menschen mit Schwerbehinderung im Arbeitsleben der Universität Konstanz so gut wie möglich unterstützt werden können (Ursula Indlekofer und Sabine Rothe sind mit im Team). Für Studierende gibt es parallel dazu Beratungsangebote unter „Studieren in besonderen Lebenslagen“ sowie Angebote von Seezeit, die wir in weiteren Ausgaben von EIN|BLICK ebenfalls vorstellen werden.

Tobias Neumann ist für seine Tätigkeit als Schwerbehindertenvertreter zu 50 Prozent freigestellt – was mehr ist, als das Gesetz bei derzeit etwa 70 bis 75 schwerbehinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an der Universität Konstanz vorsieht. Auch wenn es in vielen Fällen darum geht, einen Arbeitsplatz so auszugestalten, dass er der jeweiligen Behinderung gerecht wird, nimmt für ihn die Teilnahme an Vorstellungsgesprächen die meiste Zeit in Anspruch. Denn bei jedem Vorstellungsgespräch, bei dem ein schwerbehinderter Bewerber oder eine Bewerberin im Verfahren ist, muss laut Gesetz der Schwerbehindertenvertreter eingebunden sein.

Die Schwerbehinderung, die körperlich oder psychisch begründet sein kann, wird durch das Versorgungsamt anerkannt, wenn die Behinderung mindestens 50 Prozent beträgt. Es kann jedoch auf Antrag eine Gleichstellung mit einer Schwerbehinderung erfolgen, wenn der Grad der Behinderung mindestens 30 Prozent beträgt. Personalrat und Schwerbehindertenvertretung können hier auch unterstützend tätig werden, wie Tobias Neumann sagt. „Ich gehe davon aus, dass es eine Dunkelziffer gibt von Kolleginnen und Kollegen, die das für sich behalten. Oft geht es dabei um Scham, darum, keine Schwäche zeigen zu wollen. Das ist oft ein Problem“. Es sei ganz klar, dass Schwerbehinderung in unserer Gesellschaft immer noch ein Stigma sei, egal, welcher Art. Auch falle es Menschen oft schwer, sich selbst die Behinderung einzugestehen.

Wenn ein Parkplatz für Schwerbehinderte reserviert ist, weist ein Schild mit dem Piktogramm eines Rollstuhlfahrers darauf hin – ein typisches Bild, wie Tobias Neumann sagt. Von den 70 bis 75 schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Universität Konstanz sind nicht einmal eine Handvoll Personen auf einen Rollstuhl angewiesen. Neben psychischen Beeinträchtigungen oder schleichenden Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) sind Behinderungen aufgrund geringerer Belastungsfähigkeit auch immer wieder Folgen von Burnout. Dass Burnout keine Managerkrankheit ist, hat Tobias Neumann in den vertraulichen Gesprächen, die er regelmäßig führt, oft erlebt. Burnout sei natürlich nicht zwangsläufig eine Schwerbehinderung. „Mindestens sechs Monate muss es den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin so beeinträchtigen, dass sie die Arbeit nicht mehr so ausführen kann wie vorher. Dann reden wir von einer Situation, wo das dauerhaft werden kann, und dann kommen wir in einen Bereich, wo es eine Schwerbehinderung werden kann – nicht muss. Wichtig ist hier immer das Vertrauensverhältnis zu seinem Arzt oder seiner Ärztin“.

Im Gespräch zu bleiben ist auf vielen Ebenen wichtig. „Wir tauschen uns auch im Team untereinander aus. Denn die eine oder andere Geschichte ist nicht so ohne, das nimmt man dann auch mit“, sagt Tobias Neumann. Vertraulichkeit bleibt dabei – wie übrigens auch beim Personalrat – aber stets gewahrt. Und weiter: „Informationen holen kann man sich immer. Auch, wenn man keinen Schwerbehindertenausweis hat, kann man vorbeikommen. Wir haben viele Beratungsgespräche hier, die nicht nach zehn Minuten beendet sind, und dabei muss es auch nicht nur um den Arbeitsplatz gehen. Eine Behinderung ist immer auch eine Krankheit, die verschiedene Dinge mit sich bringt. Da sind wir auch eine Anlaufstelle“.

„Empathie“ ist für Tobias Neumann das Stichwort, das beschreibt, was ein Schwerbehindertenvertreter vor allem mitbringen muss. Und die Fähigkeit, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, mit denen viele Menschen gar nicht erst konfrontiert werden wollen. Nicht nur im persönlichen Bereich konnte er schon helfen, auch bei konkreten Dingen wie etwa den baulichen Gegebenheiten der Universität Konstanz: „Wir sind an der Universität Konstanz relativ weit. Wir haben natürlich noch schwere Türen, die man verbessern könnte, aber das weiß auch der Kanzler, und da sind wir im Gespräch. Man kann eben nicht von heute auf morgen alles ändern, das muss Stück für Stück erfolgen. Und der Kanzler hat da ein offenes Ohr“.