Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ untersucht Prozesse von Integration und Desintegration epochenübergreifend und auf allen sozialen Ebenen – von den Anforderungen familiären und nachbarschaftlichen Zusammenlebens bis hin zu politischen Fragen in globalem Maßstab. Aktuelle, öffentlich diskutierte Fragestellungen erfahren in der Verknüpfung aus grundlagenorientierten und empirisch ausgerichteten Forschungen nicht nur konkrete Denkanstöße, sondern vielmehr eine theoretische Fundierung.

Die einzelnen Forschungskomponenten sind so aufeinander abgestimmt, dass sie nicht nur Raum schaffen für ruhiges, konzentriertes Forschen, sondern auch für lebhafte Debatten und anregende Vorträge. Den wissenschaftlichen Austausch fördern zudem die verschiedenen beteiligten Disziplinen – Geschichte und Soziologie, Sozial- und Kulturanthropologie, Literatur-, Kunst und Medienwissenschaft, Philosophie,Politik- und Verwaltungswissenschaft sowie Rechtswissenschaft – und die enge Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern weltweit.

Mit dem Ende der Exzellenzinitiative 2017 wird der Exzellenzcluster in ein international vernetztes Zentrum kulturwissenschaftlicher Forschung münden.

Forschen im Spannungsfeld zwischen den Begriffen „Kultur“ und „Integration“

Die beteiligten Wissenschaftler/innen verwenden Integration, eines der Schlüsselwörter der Sozial- und Systemtheorien, gerade nicht in einem traditionellen, normativen Sinn, sondern stellen diesem Begriff „Desintegration“ gleichursprünglich zur Seite. Unter Integration versteht der Cluster allgemein den Aufbau sozialer Ordnungsmuster, die eine bindende Wirkung entfalten. Dass solche Ordnungsmuster entstehen, ist keineswegs selbstverständlich. Gerade angesichts jüngster Entwicklungen wie der fortschreitenden Globalisierung wird es jedoch wichtig, Beschreibungsmodelle für dezentrierte gesellschaftliche Prozesse zu finden.

Wird Integration nicht als Idealfall privilegiert, muss aber auch der verwendete Kulturbegriff entsprechend anders gefasst werden. Im Verständnis des Clusters darf Kultur nicht so begriffen werden, als verbürge sie gesellschaftliche Einheit und Geschlossenheit. Stattdessen gehen die Wissenschaftler/innen von Kultur als einem heterogenen Kräftefeld mit diffusen Grenzen aus. Dabei richtet sich der Blick verstärkt auf nicht-westliche Begriffswelten und kulturtheoretisch tragfähige Konzepte der Ähnlichkeit.

Forschungsfelder

Vier Forschungsfelder konkretisieren das Cluster-Thema. Sie stellen bewusst keine organisatorischen Einheiten dar, um die Vernetzung zwischen den Projekte und Fachkompetenzen zu fördern.

  • Identifikation und Identitätspolitik: Wie und unter welchen Umständen entscheiden politische, ethnische oder religiöse Zugehörigkeit über Integration? Die relevanten Prozesse und Konstellationen untersucht dieses Forschungsfeld.
  • Praktiken des Wissens und Nichtwissens: Erzählen, Zeigen, Aufführen – in welcher Weise formen kommunikative Prozesse gesellschaftliches Wissen und Nichtwissen?
  • Kulturelle Modellierung von Hierarchie und Gewalt: Dieses Forschungsfeld richtet seine Aufmerksamkeit auf die instabilen Grenzbedingungen von Hierarchien und deren Abhängigkeit von Gewaltsituationen.
  • Kulturdynamik von Religion: Prozesse der Aus- und Entdifferenzierung stehen im Mittelpunkt dieses Forschungsfeldes: Wie bilden sich religiöse Gemeinschaften, welche institutionellen Formen geben sie sich, wie beeinflussen sie sich gegenseitig?

Wissenschaftliche Einrichtungen

Der Exzellenzcluster führt schon Studierende an seine Forschungen heran: Die MA-Studiengänge „Kulturelle Grundlagen Europas“ und „Transkulturelle Geschichte und Anthropologie“ sowie das MA-Studienprogramm „Internationale Verwaltung und Konfliktmanagement“ bilden nicht nur eine Brücke zur Lehre, sondern sollen auch potenziellen Forschungsnachwuchs für das Cluster-Thema begeistern.

 Im Doktorandenkolleg „Europa in der globalisierten Welt“, in Nachwuschs- und anderen Forschungsgruppen sowie in zahlreichen Prpjekten werden Promovierende intensiv und über Fächergrenzen hinweg betreut.

Inspiriert durch namhafte Institutionen wie das Institute for Advanced Study in Princeton bietet das Kulturwissenschaftliche Kolleg Konstanz sowohl den Etablierten als auch dem Nachwuchs unter Wissenschaftlern wieder Freiräume, die sie zum konzentrierten Abschluss von Monographien und zum Verfassen von Aufsätzen so dringend benötigen.

Die Professuren Geschichte der Religionen, Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Methoden, Ethnologie/Kulturanthropologie – sowie die Juniorprofessuren Ethnologie/Politische Anthropologie, Innenpolitik/Öffentliche Verwaltung, Romanische Literaturen, Wirtschaftsgeschichte und Wissenschaftsgeschichte erweitern das Fächerspektrum der Konstanzer Geistes- und Sozialwissenschaften und sind gleichzeitig auf bewährte Weise eingebettet in die Fachbereiche der Universität.

Etwas bewegen

Der Exzellenzcluster hat sich zum Ziel gesetzt, die Wissenschaft auch strukturell nachhaltig zu bereichern, und zwar konkret:

  • bessere Bedingungen speziell für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung zu schaffen
  • Wissenschaftler/innen durch besondere Angebote und Programme zu fördern
  • neue Verfahren für die autonome und qualitätsorientierte Verteilung von Ressourcen zu entwickeln
  • Organisationsstrukturen und Forschungsbedingungen geschlechtergerecht und familienfreundlich zu gestalten
  • die internationale Zusammenarbeit und Sicherheit zu verbessern
  • und Transferzonen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu etablieren.