Knotenpunkte

Wo Menschen aus verschiedensten Bereichen zusammen forschen, da bilden sich Knotenpunkte der Wissenschaft. Welche Schwerpunktbereiche gibt es an der Universität Konstanz?

Gemeinsam forschen: Es ist ein Markenzeichen der Universität Konstanz und tief in ihrem Selbstverständnis verankert, dass Forschung fächerübergreifend stattfindet. Eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen ist die Regel, nicht die Ausnahme. Bereits die Gründungsvision der Universität Konstanz sah interdisziplinäre Zusammenarbeit als einen Schlüssel für den Erfolg der Reformuniversität.

Wenn Fachbereiche untereinander im Austausch stehen und sich Forscherinnen und Forscher aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammentun, ist es nur zwangsläufig, dass sich über die Fachbereiche hinweg gemeinsame Forschungsthemen und Knotenpunkte der Forschung entwickeln. Am stärksten wird dies bei den vier Forschungsschwerpunkten der Universität Konstanz deutlich. In diesen Profilbereichen kommen das fachbereichs- und auch sektionsübergreifende Arbeiten und die enge Verbindung zwischen dem Exzellenzcluster, den Graduiertenschulen, den Sonderforschungsbereichen und dem Zukunftskonzept zum Ausdruck:

  1. Der Forschungsschwerpunkt Kulturwissenschaften thematisiert kulturelle Prozesse in übergreifender Perspektive und in ihrem Verhältnis zu sozialstrukturellen Gegebenheiten. Inhaltlich steht die Untersuchung der Prozesse von Integration und Desintegration im Vordergrund. Ein zunehmender Fokus gilt den dynamischen Prozessen der Gesellschaft, darunter Migration und insbesondere das Verhältnis von Fluidität und Stabilität in historischen Konstellationen und in der globalisierten Gegenwartsgesellschaft. Der Forschungsschwerpunkt der Kulturwissenschaften ist schwerpunktmäßig in den Geistes- und Sozialwissenschaften verankert; eine besondere Rolle spielt dabei der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“.

  2. Die Entscheidungswissenschaften widmen sich dem Entscheidungsverhalten von Individuen und Kollektiven sowie den gesamtgesellschaftlichen Ergebnissen, die daraus hervorgehen. Die Entscheidungswissenschaften bündeln die Perspektiven der Politik- und Verwaltungswissenschaft, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften. Die Disziplinen Informatik und Informationswissenschaft, Soziologie, Mathematik und Statistik sowie Philosophie und Rechtswissenschaft ergänzen die Forschungsansätze. Ein programmatisches Zentrum bildet die Graduiertenschule Entscheidungswissenschaften.

  3. Die Chemische Biologie erforscht an der Schnittstelle von Biologie und Chemie, wie biologische Prozesse auf molekularer und atomarer Ebene chemisch gesteuert werden. Zunehmend rückt auch die umgekehrte Perspektive in den Fokus: Wie kann biologisches Wissen nutzbar gemacht werden, um chemische Prozesse zu erklären? Der Forschungsschwerpunkt der Ökologie umfasst neben der Limnologie (die Wissenschaft von den Binnengewässern als Ökosystemen) vor allem die Tiermigration und ihre Auswirkung auf Ökosysteme. Gemeinsam bilden die Chemische Biologie und Ökologie einen Forschungsschwerpunkt in den Natur- und Lebenswissenschaften. Eine Schlüsselrolle spielen die Graduiertenschule Chemische Biologie, der Sonderforschungsbereich „Chemical and Biological Principles of Cellular Proteostasis“ sowie die enge Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Seewiesen.

  4. Die molekularen Nano- und Materialwissenschaften erschließen die Eigenschaften, Funktionalitäten und Interaktionen von Nano- und Materialstrukturen. Im Vordergrund steht die Entwicklung neuer Materialien für Zukunftstechnologien. Kernbereiche bilden die beiden Sonderforschungsbereiche „Controlled Nanosystems: Interaction and Interfacing to the Macroscale“ und „Anisotropic Particles as Building Blocks: Tailoring Shape, Interactions and Structures” sowie die Konstanzer Photovoltaikforschung.

Natürlich bilden sich auch über die vier Forschungsschwerpunkte hinaus beständig neue übergreifende Forschungsthemen zu aktuellen, wissenschaftlich wie gesellschaftlich relevanten Themen. Augenblicklich formiert sich an der Universität Konstanz ein fachübergreifendes Spitzenforschungszentrum zur Erforschung von Schwarm- und Kollektivverhalten. Das Forschungsgebiet reicht von der Analyse von biologischem Schwarmverhalten über soziale Interaktionen in Gruppen bis hin zur Entstehung komplexer Gesellschaften und zu technologischen Anwendungen, zum Beispiel bei der Steuerung von selbstfahrenden Autos. An der Nordspitze des Campus entsteht mit dem „Center on Visual Computing of Organismal Collectives (VCC)“ ein modernster Forschungsbau, der Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Biologie sowie Informatik und Informationswissenschaften zusammenführen wird. Zugleich wird es das Satellitensystem ICARUS ab 2017 möglich machen, die weltweiten Wanderbewegungen von Tieren zu erfassen und die kollektiven Prozesse des globalen Ökosystems zu verstehen.

Rendering des VCC (Urheber: Architekturbüro Kresings, Münster)
Rendering des VCC (Urheber: Architekturbüro Kresings, Münster)

Ein weiterer Knotenpunkt der Forschung, der sich aktuell formiert, widmet sich den Ursachen und Konsequenzen von politischer, sozialer und ökonomischer Ungleichheit, insbesondere in ihren Auswirkungen auf Demokratien. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler widmen sich zugleich den gesellschaftlichen Gegenbewegungen gegen Ungleichheit, darunter Fragen der gender equality und der Bildungspolitik.