Als Forschungsuniversität gegründet

Eine Forschungsuniversität ist kein Elfenbeinturm. Ganz im Gegenteil, sie spielt eine aktive Rolle in der Gesellschaft.

Es war eine bewusste Entscheidung von Bund und dem Land Baden-Württemberg, die Universität Konstanz 1966 explizit als Forschungsuniversität zu gründen. Keine Entlastungsuniversität, die ein bloßes Auffangbecken für den wachsenden Bedarf an Studienplätzen in Deutschland wäre und eine untergeordnete Rolle gegenüber den Volluniversitäten spielte, sondern ein Zentrum für Spitzenforschung und neue Ideen sollte sie werden. Die Gründung als Forschungsuniversität war ein Auftrag der Politik an die Universität Konstanz, eine führende Rolle im Wissensgewinn der Gesellschaft zu spielen, bei der Lösung der globalen Herausforderungen unserer Zeit und letztlich bei der Ausgestaltung der Zukunft. Dieses Selbstverständnis prägt die Universität Konstanz bis heute.

Forschungsuniversität, was heißt das?

Zunächst einmal heißt dies ganz schlicht, dass Forschung im Selbstverständnis, in den Zielsetzungen und Strukturen der Universität eine Schlüsselrolle einnimmt. Die Universität richtet ihre Strukturen danach aus, Forschung zu fördern und ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglichst optimale Bedingungen für ihre Forschungsarbeit zu geben. Beispiele für die besonderen und forschungsförderlichen Strukturen der Universität Konstanz sind die leistungsbezogene Mittelvergabe durch den Ausschuss für Forschungsfragen (AFF), Einrichtungen wie das Zukunftskolleg sowie Gremien wie die Ethik-Kommission. Die Förderung der institutionellen Rahmenbedingungen für Spitzenforschung ist das Hauptaugenmerk des Zukunftskonzeptes „Modell Konstanz – für eine Kultur der Kreativität“ im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ sowie die Graduiertenschulen Chemische Biologie und Entscheidungswissenschaften, die im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert werden, sind Zentren der Spitzenforschung und der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung.

Auf näheren Blick steckt aber noch mehr dahinter: Eine Forschungsuniversität will eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen. Sie will mit ihrer Forschung Antworten geben auf aktuelle und kommende Fragen und Problemfelder der Gesellschaft. Sie ist kein Elfenbeinturm. Forschung ist kein Selbstzweck, sondern dient der Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit. Die Forschungsuniversität möchte sich an der Diskussion gesellschaftlicher Themen beteiligen und Lösungen aufzeigen. Sie möchte neue Technologien schaffen und Expertisen für nachhaltige Entscheidungsfindungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung stellen. Sie möchte Weichen für eine bessere Zukunft stellen.

Der Gesellschaft verpflichtet

Die vier Profilbereiche der Universität, aber auch viele weitere Konstanzer Arbeitsschwerpunkte sind auf wesentliche Fragen und Problemfelder unserer Zeit und der Zukunft ausgerichtet. Die Konstanzer Kulturwissenschaften befassen sich mit Fragen der kulturellen Dynamik von Globalisierung und Migration, mit Prozessen von Integration und Desintegration sowie mit der Verhinderung innerstaatlicher Konflikte. Die Entscheidungswissenschaften tragen unter anderem zur Stabilität des internationalen Finanzsystems bei. Die Chemische Biologie widmet sich den „Bausteinen des Lebens“ und zielt unter anderem auf die Bekämpfung von Krankheitsursachen und Alterungsprozessen; die Ökologie leistet zum Beispiel einen Beitrag zur Lösung von Problemen des Klimawandels und zu Fragen der Gewässerentwicklung. Die molekularen Nano- und Materialwissenschaften schließlich bereiten den Weg zu neuen Technologien, die beispielsweise bei Fragestellungen der Energieversorgung genutzt werden können.

Forschungsuniversität – was heißt das nicht?

Forschungsuniversität zu sein heißt nicht, dass Studium und Lehre eine untergeordnete Rolle spielen würden. Das Gegenteil ist der Fall. Durch das Konzept „Lehre aus Forschung“ werden Forschungsinhalte der Universität Konstanz immer zugleich in ihre Lehre rückgespiegelt. Die Lehre ist dadurch am Puls der Forschung und auf dem Stand aktueller gesellschaftlicher Diskussionen. Studierende können darüber hinaus die Forschungsinfrastruktur der Universität für eigene Projektarbeiten nutzen und werden früh in Forschungsinhalte eingebunden. Eine Forschungsuniversität zu sein bedeutet für die Universität Konstanz, Forschung zu vermitteln – um eine neue Generation an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf die großen Fragestellungen der Zukunft vorzubereiten.