Byzantinisches Glasgefäß, chinesische Reiterin und Bronzetiger
Byzantinisches Glasgefäß, chinesische Reiterin und Bronzetiger

Lauernder Tiger, selbstbewusste Reiterin

Dr. Wolfram Dufner übergibt der Archäologischen Sammlung der Universität Konstanz drei Exponate seiner Privatsammlung

Selbstbewusst sitzt die chinesische Reiterin auf ihrem Ross: nicht im seitlichen Damensitz, wie es zu ihrer Zeit – im China des späten 7. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung – üblich war, sondern im frontalen Reitersitz. Sie trägt Männerkleidung, anstatt in weite Gewänder gehüllt zu sein, ansonsten ist sie ganz aus Ton. Es handelt sich um eine Statuette aus der Zeit von Wu Zhao, der einzigen chinesischen Kaiserin. Die Statuette der chinesischen Reiterin ist eines der drei neuesten Exponate der Archäologischen Sammlung der Universität Konstanz, gemeinsam mit zwei weiteren Kunstschätzen – einer 2.200 Jahre alten ostasiatischen Tigerfigur sowie einem knapp 2.000 Jahre alten byzantinischen Glasgefäß.

Die drei Exponate stammen aus der privaten Sammlung von Dr. Wolfram Dufner, ehemaliger deutscher Botschafter unter anderem in der Schweiz und einer der Begründer der universitären Archäologischen Sammlung. Der Kunstsammler und -förderer überreichte die historischen Kunstwerke Rektor Prof. Dr. Ulrich Rüdiger und Petra Hätscher, Direktorin des Kommunikations-, Informations-, Medienzentrums (KIM), sowie Dr. Alexander Bätz, Kurator der Archäologischen Sammlung der Universität Konstanz. Die Exponate sind ab sofort in der Archäologischen Sammlung (in der Bibliothek, Buchbereich BG), die nach Abschluss der Bibliothekssanierung nun wieder geöffnet ist, öffentlich ausgestellt.

„Ich danke Herrn Wolfram Dufner im Namen der Universität Konstanz. Wolfram Dufner gehört zu den Initiatoren und größten Förderern der Archäologischen Sammlung unserer Universität. Mehr als 100 Exponate seiner Privatsammlung hat er der Universität in den letzten drei Jahrzehnten zur Verfügung gestellt“, schildert Ulrich Rüdiger und verdeutlicht: „Die Exponate von Herrn Dufner stellen damit die Hälfte des Bestandes unserer Archäologischen Sammlung.“ Gerade durch ihre geographische Spezialisierung besitzt die Sammlung Dufner in Deutschland Seltenheitswert: Die Exponate stammen vornehmlich aus Kleinasien, Syrien und Zypern. Ihr zeitlicher Rahmen erstreckt sich von der Mitte des 3. Jahrtausends vor Christus bis ins späte 13. Jahrhundert nach Christus.

Über die drei neuesten Exponate der Sammlung Dufner:

Die Statuette der chinesischen Reiterin ist 33 cm hoch. Sie ist aus Ton gefertigt; Reste einer ursprünglich farbigen Bemalung sind noch zu erkennen. Die Gesichtszüge der Frau und ihres Pferdes sind fein herausgearbeitet. Die Statuette wird auf die Zeit um 700 n. Chr. datiert, ein besonderer Zeitpunkt in der chinesischen Geschichte: Zu jener Zeit bestimmte kein Kaiser, sondern die bislang einzige chinesische Kaiserin – Wu Zhao – die Geschicke des Reiches. Der historische Wert der Statuette bemisst sich nicht nur aus ihrem Alter, sondern vor allem auch aus der Neubestimmung der Rolle der Frau in der Kaiserinnenzeit, was vor allem in der Pose und Kleidung der Reiterin zum Ausdruck kommt.

Der Bronzetiger stammt aus dem Jahr 220 v. Chr. und somit aus der Gründungszeit des Kaiserreichs China. Auffallend sind die deutlichen Felllinien und die dynamische Positur des Tigers. Die hervorragend gearbeitete Figur ist elf Zentimeter lang und hat eine Schulterhöhe von 4,5 Zentimetern.

Das byzantinische Glasgefäß ist eine zwölf Zentimeter hohe Phiole aus dem frühen 2. Jahrhundert nach Christus. Möglicherweise wurde es als Parfümfläschchen verwendet. Deutliche Gebrauchsspuren zeichnen das Gefäß: Es wurde mehrfach repariert und weist erkennbare Klebespuren auf. Die Glasphiole ist ein repräsentatives Beispiel für ein alltägliches und verbreitetes Gebrauchsobjekt jener Zeit.

Über die Archäologische Sammlung:

Die Archäologische Sammlung der Universität Konstanz umfasst neben der Sammlung Dufner, die sich geographisch auf Kleinasien, Syrien und Zypern spezialisiert, eine weitere Sammlung georgischer Altertümer. Die Exponate sind in der Bibliothek der Universität Konstanz ausgestellt. Die Vitrinen befinden sich im Buchbereich BG auf den Ebenen 2 bis 6, jeweils direkt vor dem Treppenaufgang. Die Archäologische Sammlung wird kuratiert von Dr. Alexander Bätz, Fachreferent für Altertumswissenschaften im Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz.

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