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Albert Dikovich
[Albert.Dikovich@uni-konstanz.de]
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KollegiatInnen
Koordinator
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Umkehr, Führung und das Problem der Gewalt.
Philosophie und das politische Imaginäre in den mitteleuropäischen Revolutionen 1918/19


Projektskizze

Der Umbruch 1918 brachte in Deutschland und in den Nachfolgestaaten des Habsburgerreiches die Ausrufung von Republiken und damit der Volkssouveränität, institutionelle Neueinrichtungen, ein Auftreten neuer politischer Akteure, die zeitweise Gespaltenheit der politischen Ordnung in zwei konkurrierende Regierungsformen und die Wahl zwischen neuen, aber unsicheren Entwicklungsperspektiven. Er initiierte die Formulierung von den veränderten sozialen Wirklichkeiten entsprechenden Ordnungsprinzipien, die Etablierung von „Leitideen“ des staatlichen Gemeinwesens und der darin – auch in Frontstellung zu letzterem – agierenden politischen Formationen.

Die Losung von der „Revolutionierung der Köpfe“, die „jedem dinglichen Umsturz vorangehen“ müsse – ausgegeben von Kurt Hiller in der bereits 1916 erschienenen „Philosophie des Ziels“, einem programmatischen Schlüsseltext des Aktivismus – umreißt die neue Funktionsbestimmung, die Philosophie im Zusammenhang der politischen Entwicklungen erhielt. Philosophie arbeitete durch Kritik an der Überwindung der moralischen und wissenschaftlichen Grundlagen einer abzulösenden Kultur und Gesellschaft und sah sich mit dazu berufen, der vielfach geforderten ideengeleiteten Politik ihre legitimatorische Grundlage zu geben. Indem sie einen diskursiven Rahmen bereitstellte, in dem sich grundsätzliche Wirklichkeitsdeutungen wie auch Annahmen über die erstrebenswerten Ziele sowie die effektiven und legitimen Mittel politischen Handelns artikulieren ließen, suchte sie zu einem Medium der Formierung neuer politischer Subjektivität zu werden.

Anhand von Topoi des philosophisch-politischen Revolutionsdiskurses – der Idee der Umkehr, der geistigen Führung und dem Problem der Gewalt – , in denen sich eine übergreifende „Verwandtschaft der Gehalte“ (Karl Mannheim) und Problemstellungen manifestiert, soll Philosophie als Erfahrungs- und Denkraum und als ein Generator des politischen Imaginären der Revolution untersucht werden. Drei exemplarisch gewählte Autoren sollen als Schlüsselfiguren bei der Erkundung übergreifender Diskurszusammenhänge dienen: der Phänomenologe Arnold Metzger, der Neukantianer Leonard Nelson und der Ende 1918 zum Marxismus „konvertierte“ Georg Lukács. Dabei sollen nicht nur philosophisch-politische Deutungen des Umbruchs als produktive Verarbeitungen philosophiehistorischer Traditionsbestände aufgearbeitet werden, sondern auch die Versuche der drei Akteure beleuchtet werden, sich Spielräume und Wirkmöglichkeiten innerhalb der politischen Institutionen der Zeit anzueignen und zu schaffen. Damit soll ein Beitrag zur Klärung der Frage geleistet werden, in welcher Form in der kurzen revolutionären Phase nach dem Ersten Weltkrieg Trends und Entwicklungen initiiert wurden, die das politische und philosophische Denken in der Zwischenkreigszeit bestimmen sollten, wobei insbesondere die Zuge der Revolution 1918/19 nachhaltig veränderte Verhältnisbestimmung von Politik und Philosophie von Interesse sein wird.

CV: https://univie.academia.edu/AlbertDikovich/CurriculumVitae