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Julia Bee
[julia.bee@uni-konstanz.de]
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KollegiatInnen
Koordinator
HochschullehrerInnen



Experimentelle Abstraktionen und virtuelle Realitäten: visuelle Medien der
Anthropologie zwischen Epistemologie und Ontologie


Projektskizze

Nach einer langen Tradition reflexiver Debatten lässt sich gegenwärtig in der Anthropologie ein Ontological Turn ausmachen. Der ethnographische Film scheint diese Debatten und Praktiken zu konzentrieren: Das Post-Doc-Projekt untersucht Praktiken und Diskurse der visuellen Anthropologie in historischer und aktueller Perspektive sowie bezogen auf diesen onto-epistemologischen Umbruch. Gegenstand sind neben theoretischen und methodischen Konzepten Film, Fotografie und Ausstellungen bzw. Installationen. Diese werden wissenschaftsgeschichtlich und medienkulturwissenschaftlich betrachtet. Im Zentrum stehen zwei einander bedingende Diskurslinien, die Realität und Erfahrung als zentrale Einsätze der Epistemologie des Anderen verklammern: Einerseits geht es um Debatten über die Erfahrung in der Anthropologie, die jüngst etwa von Tim Ingold (im Anschluss an Paul Stoller und Michael Taussig u.a.) angestoßen wurde, andererseits versteht sich – dem Hau Journal zufolge – die Anthropologie wieder als zentrale Disziplin der kulturwissenschaftlichen Theoriebildung. Nicht zuletzt ist Erfahrung zwischen Feldforschung und Abstraktion in der Theoriebildung ein zentrales Aushandlungsfeld der Anthropologie.
Quer dazu verläuft die ausgeprägte und lange Tradition des Einsatzes visueller Medien in der Anthropologie, die aktuell wieder verstärkt diskutiert wird – nicht zuletzt durch eine starke Tendenz dokumentarischer Formate in der Kunst. Anhand des Einsatzes von Medien spannen sich zahlreiche Diskurse auf, die sich am Begriff der Erfahrung und der Medialisierung des Realen abarbeiten. In der visuellen Anthropologie ist so auch das besondere Potential für die Frage nach dem Realen auszumachen: So wurde beispielsweise in der Diskussion um die Rolle des ethnographischen Films immer wieder die Frage gestellt, welcher medialisierte Zugang zum Realen der legitime oder sogar der privilegierte sei. Darf Film eine eigenständige Rolle in der Forschung spielen oder lediglich illustrieren? Wie sieht eine mögliche (Audio-)Visualität der (anthropologischen) Forschung aus? Welche weitergehenden Erkenntnisse lassen sich hier für medienbasierte Forschung formulieren?