"Jeder Mensch hat einen Namen"

(Am Eingang zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem)

Bereits im Jahr 1998 erschien der erste Band der Buchreihe "Jüdische Frauen in der Bildenden Kunst" von Hedwig Brenner (herausgegeben von Erhard Roy Wiehn, erschienen im Hartung Gorre Verlag Verlag in Konstanz), in dem 199 Kurzbiographien jüdischer Künstlerinnen vorgestellt wurden.
Der erste Band war eine Pionierarbeit in diesem ganz speziellen Gebiet: zum einen sind Frauen als Künstlerinnen zwar keine neue Erscheinung, die Tatsache, dass sie in der Kunstwelt beachtet werden, ist dies jedoch schon. Noch vor einem Jahrhundert veröffentlichten Frauen ihre Werke oft unter einem männlichen Pseudonym, sie wurden als Muse, als Modell, als Unterstützerinnen ihrer männlichen Kollegen wahrgenommen, als eigenständige Künstlerinnen jedoch kaum. Zum anderen weist gerade der Fokus auf jüdische Künstlerinnen einige Besonderheiten auf. Der religiöse Hintergrund wird geprägt vom Gebot: "Du sollst dir kein Bildnis machen...", das durch Jahrtausende die bildende Kunst von Juden bestimmte.

Nahezu zeitgleich mit der Anerkennung jüdischer Künstlerinnen als Malerin, Fotografin, Graphikerin, Bildhauerin etc. gab es aber auch durch den Holocaust zahlreiche Brüche in den jeweiligen Biographien. Viele konnten flüchten, doch mit der Flucht verloren sie die finanzielle und kulturelle Basis ihrer Existenz und die bis dahin vorhandene Anerkennung ihrer künstlerischen Arbeit. Im Exil, oft plötzlich finanziell verantwortlich für die Famile, war an einen Neuanfang als Künstlerin nicht zu denken, Fotografinnen eröffneten Fotoateliers, Malerinnen widmeten sich dem Kunstgewerbe, Bildhauerinnen arbeiteten in Fabriken. Viele konnten nicht rechtzeitig flüchten, wurden deportiert und ermordert.
Geprägt von dieser Zeit sind aber nicht nur die Künstlerinnen dieser Generation, sondern auch die der nachfolgenden. Der Holocaust ist ein Thema, das oft verdrängt wurde von den Überlebenden, und so sah sich eine ganze Generation mit unvollständigen Familiengeschichten, abwesenden Verwandten und Schweigen über ihre Geschichte und ihre Wurzeln konfrontiert.

Der zweite Band mit einer Vielzahl von Biographien erschien im Jahr 2004, der dritte Band im August 2007, aus diesem Anlaß wurde die Webseite dazu, die seit 2004 besteht, grundlegend erneuert. Im Laufe der kommenden Monate wird diese Seite ergänzt werden um die Namen aus Band I und Band III, eine Überprüfung und Erneuerung der bereits vorhandenen Links aus Band II ist bereits abgeschlossen.

Vorab wünschen wir Ihnen als Besucher und uns, dass diese Seiten eine Anregung geben, die Vielfalt der Arbeiten jüdischer Künstlerinnen kennenzulernen, vergessene Werke zu betrachten und neue Künstlerinnen zu entdecken.