Bayerische Staatsbibliothek München, Signatur: Einbl. V,8 p
Abstract zur Sektion: Nur wenige Vorstellungen der frühneuzeitlichen Geschichte sind bis heute so nachhaltig für unser Weltbild geblieben wie das in verschiedenen medialen Formen vermittelte "Bild des Moslems". Gerade bei den Argumenten pro und contra EU-Beitritt der Türkei wird dies offenkundig. Dass die lateinische Christenheit sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts insgemein mit dem zu Wasser wie zu Lande expansiven "Türken" konfrontiert sah, war die Voraussetzung, dass sich das medial propagierte Türkenbild zu einem grenzübergreifenden "Antagonismusnarrativ" verdichten konnte.
Die geschichtswissenschaftliche Forschung hat zwar den zentralen Stellenwert des Feindbildes "Moslem" für die Identitätskonstruktionen der frühneuzeitlichen Gesellschaften Europas erkannt, jedoch die vergleichende Perspektive vernachlässigt. Zentrales Anliegen der Sektion ist es daher, das in der ungarischen, österreichischen, deutschen, portugiesischen und spanischen erarbeitete Bild des Moslems vorzustellen und seinen Stellenwert in der neuzeitlichen Erinnerungskultur zu bestimmen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei medialer Umsetzung und eingesetzten Strategien gelten. In der Einführung von Gabriele Haug-Moritz (Graz) und den Beiträgen von Almut Höfert (Basel/Kairo), András Forgó (Budapest), Peter Rauscher (Wien) und Ludolf Pelizaeus (Mainz) werden vergleichend Gemeinsamkeiten wie Unterschiede und Entwicklungslinien des jeweiligen Türkenbildes verdeutlicht werden. Dergestalt ist die Sektion bestrebt, der Dekonstruktion von Wahrnehmungsstereotypen, die gesamtgesellschaftlich weiterhin bedeutsam sind, einen weiteren Impuls zu geben, von dem zu hoffen steht, dass er auch einen Baustein zu einem interkulturellen Dialog auf neuer Grundlage liefert.