Gutes Tun Wollen und Können

Sokrates: Also, o Menon, will auch Niemand das Böse, wenn er doch nicht ein solcher sein will. Denn was hieße wohl anders elend sein, als dem Bösen nachstreben, und es erlangen?

Menon: Du scheinst Recht zu haben, Sokrates, und Niemand will das Böse.

Sokrates: Sagtest du nun nicht so eben, die Tugend wäre das Gute wollen, und es vermögen?

Menon: Das sagte ich.

Sokrates: Ist nun dieses gesagt: so kommt das Wollen Allen zu; und insofern ist keiner besser als der andere.

Menon: So scheint es.

Sokrates: Sondern offenbar, wenn Einer besser ist als der Andere, so wäre er in Bezug auf das Können vorzüglicher.

Menon: Allerdings.

Sokrates: Dies also ist, wie es scheint, nach deiner Rede die Tugend, das Vermögen das Gute herbeizuschaffen.

 

Plato: Sokrates Dialog mit Menon. Quelle: Projekt Gutenberg (http://gutenberg.spiegel.de/)

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