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Medienberichte und Interviews

Literatur zur KMDD

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(c) Georg Lind
Letzte Änderung: 28.2.2010


Meinungen von Teilnehmern & Anwendern
Opinions of former participants of the KMDD-Workshop-Seminar


"Ich bin davon überzeugt, dass nichts anderes uns besser aufs Leben in Demokratie vorbereiten wird als die Demokratie selbst zu erleben."

Adrianna U. (Doktorandin im Fach Ethik, Universität Poznan)


Als seit Jahren Lehrender an einer Uni war dies deshalb sehr eindrücklich, da man, anders als im normalen beruflichen Alltag, aufgefordert ist, inhaltlich nicht einzugreifen und sofern die Teilnehmer kein Dilemma sehen, auch keine künstliche Diskussion zu inszenieren, sondern deren Sicht zu akzeptieren. Vielmehr wurde die rein formale Positionierung des Lehrenden betont, dessen primäre Aufgabe in der Einhaltung der im Vorfeld bekannt zu machenden Diskussionsregeln liegt (1. Alles darf gesagt, aber keine Personen positiv oder negativ bewertet werden; 2. Der letzte Redner bestimmt durch Meldung den nächsten Redner der anderen Gruppe).

Es war darüber hinaus von hohem Gewinn, sich der produktiven Kritik anderer zu stellen, die die eigene Formulierung und Präsentation sowie die Moderation der Diskussion konstruktiv hinterfragt haben und aus einer Außensicht wertvolle Hinweise vermitteln konnten. Auf der anderen Seite hat das Seminar dazu beigetragen, die Sicht eines Diskutanten einzunehmen. Aus dieser Position konnte ein Dilemma gefühlsmäßig erfahren und emotional ausgehalten werden. Zugleich war auch die seltene Möglichkeit geboten, sich auf verschiedene Weise kritisch damit zu beschäftigen – zum einen im Rahmen einer selbständigen Erfassung des moralischen Kerns der Geschichte, zum anderen in einer inhaltlichen Durchdringung mit Gleichgesinnten. Schließlich hat die Auseinandersetzung mit gegenteiligen Sichtweisen und deren Begründungen eine weitergehende gedankliche Befassung gefördert. Zumal die formale Bedingung, sich nur auf die Argumente zu konzentrieren und den jeweiligen Redner aussprechen zu lassen, hat im laufenden Diskurs dazu geführt, diesem konzentrierter inhaltlich folgen zu können. Des Weiteren entwickelte sich eine andere Gesprächskultur, die jedem Redner die Möglichkeit einer vollständigen Entfaltung gab, die man für sich einfordern konnte und in gegenseitigem Respekt und Toleranz gegenüber den Argumenten mündete – diese wurde durch eine abschließende Bewertung der Positionen der diskursiven Gegenseite ergänzt und eröffnete auf diese Weise noch deutlicher die Chance, sich ernsthaft mit gegensätzlichen Sichtweisen auseinander zu setzen.

Schließlich hat der Blick auf die statistischen sowie vielfältigen subjektiven Evaluationsmöglichkeiten– bspw. mündliche wie schriftliche Erfahrungsberichte, Eigen- und Fremdbeobachtungen – dazu beigetragen, einen tiefgründigen Eindruck von der KMDD und ihrer Wirkung zu erhalten. Diese ermöglichen mir zum einen als Diskutant eine nachhaltige und kritische Auseinandersetzung mit ihr, zum anderen als Lehrender konstruktive Rückmeldungen bei ihrer Durchführung – die Möglichkeit dabei Dritte einzubeziehen, ist ein weiterer überaus produktiver Punkt. Der selbsttätige Schritt, allem voran die statistischen Prozeduren nachzuvollziehen hat einen noch besseren Zugang zum Verständnis der empirischen Befunde sowie den Entwicklungsmöglichkeiten der KMDD an sich, der Lehrenden sowie der Teilnehmer vermittelt.

Dr. Sebastian D. (Dozent für Soziologie)


Was habe ich gelernt?

· Die Kraft der Dilemma-Diskussion!
Die eindrücklichste Erfahrung war für mich die Teilnahme an der Dilemma-Diskussion. Erst durch diese Erfahrung wurde mir die große Kraft dieser Methode bewusst. Ich denke, dass wenn man diese einmal erlebt hat, man hinterher sehr viel weniger dazu neigt, Themen eindimensional zu sehen oder andere Meinungen als die eigene einfach als Unsinn abzutun. Ich war dabei besonders von dem Schritt fasziniert, bei dem es galt, die Argumente der Gegenseite in eine Rangfolge zu bringen und das beste auszuwählen. Die Meinung der anderen wird wertgeschätzt und auf ihre Qualität hin geprüft – da war deutlich der Versöhnungscharakter zu spüren. Schnell steht sich eine Gruppe sonst bei solchen Diskussionen in feindlichen Lagern gegenüber, bei der Dilemmadiskussion konnte man sich auf Augenhöhe begegnen und wertschätzen und sogar auch ohne „Gesichtsverlust“ seine Meinung ändern. Dies hat dazu geführt, dass ich heute im Alltag sehr viel häufiger zugeben kann, noch keine feste Meinung zu einer Sache zu haben, bzw. das Gespaltensein bei vielen Themen zu empfinden oder wenn ich eine Meinung vertrete, gleichzeitig offenzulassen, dass ich diese ggf. durch neue Fakten möglicherweise revidiere. Es ist für mich sehr entlastend, ich merke aber auch wie andere dadurch irritiert sein können oder dies tendenziell eher als Schwäche
empfinden.

· Regeln sind unbedingt nötig!
Auch die Regeln während der Dilemmadiskussion empfand ich als sehr effektiv – die Ping-Pong-Regel – sich ausreden zu lassen und selbst auszuwählen, wer als nächster spricht und die absolute Achtung des anderen. Der Prozess wird so verlangsamt und man vermeidet, dass jeder nur noch über seine Antwort nachdenkt und gar nicht mehr zuhört. Ich empfinde diese Regel ganz generell für Diskussionen als sehr nützlich.

· Habe Kinder unterschätzt!
Sehr eindrücklich war für mich auch der Film über die Arbeit mit Kindern. Zuvor habe ich Kinder in ihrer Diskutierfähigkeit unterschätzt.

· Möglichkeiten in der Praxis
Gerade die Berichte aus der Gefängnisarbeit führten mir sehr deutlich den externen Nutzen dieser Methode vor Augen. Aber im Grunde sollte jeder Mensch im Rahmen seiner Bildungslaufbahn diese Methode verinnerlichen können. So sähen manche Lösungsversuche gesellschaftlicher oder privater Konflikte wohl sehr anders aus!

· Durch die Arbeit an den Dilemma-Entwürfen wurde der Blick für deren „Güte“ geschärft!
Wie bereits oben erwähnt, war für mich auch sehr effektiv, ein Dilemma einmal selbst zu entwerfen und bei den verschiedenen Überarbeitungs- und Erprobungsschritten zu merken, auf wie vieles geachtet werden muss, damit man ein edukativ-moralisches Dilemma hat, bei dem die Teilnehmer auch möglichst viele Erkenntnisse gewinnen können. Auch ist mir noch sehr deutlich vor Augen, welch große Rolle die Form der Präsentation dabei spielt, ob man als Zuhörer das Dilemma des Protagonisten der Geschichte mitempfindet. Je natürlicher der Lehrer wirkt und man das Gefühl hat, er erzählt eine Geschichte, die ihn auch wirklich bewegt, umso mehr begibt man sich in die Geschichte hinein.

· Moral als Fähigkeit ist lernbar!
Zentral im Zusammenhang mit Moral ist die Fähigkeit, moralische Ideale und Werte auch umsetzen zu können. Diese Sichtweise der Moral als Fähigkeit führt dazu, weder allein die Handlungen eines Menschen hin auf den moralischen Charakter hin zu betrachten, noch allein seine Einstellungen zu untersuchen. Die Fähigkeit ist das Entscheidende und diese kann gelernt und damit auch gefördert werden wie viele Vorher-Nachher Auswertungen infolge von Dilemma-Diskussionen zeigen oder zeitlich versetzte MUT-Erhebungen in günstigen Lernumwelten z.B. mit Gelegenheit zur Verantwortungsübernahme zeigen. Die Fähigkeit kann aber auch verlernt werden. Eindrücklich untermauert wurde dies durch den Nachweis, dass die Kohlberg’schen Stufen nicht invariant sind, sondern in „ungünstigen Umwelten“ wie z.B. nach dem Übergang von der Schule in den Beruf, Rückschritte beobachtet werden können.

Neben den „eigentlichen Lerninhalten“ hab ich auch einige Aspekte mitgenommen, die nicht nur im Zusammenhang mit Dilemmadiskussionen für die Arbeit mit Gruppen wertvoll sind:

· Die Effektivität der Selbstbestimmten Evaluation
Damit Evaluationen ihr Ziel – die Verbesserung von Lehre und konkret die Erreichung der von den Lehrenden gesetzten Ziele – erreichen können, ist es unerlässlich, dass der Lehrer die Fragen und die Kriterien für den Lernerfolg selbst definiert und dass nur der Lehrer selbst die Ergebnisse erhält, sprich die komplette Kontrolle über den Prozess behält. Alle
Vermischungen mit Noten bei den Schülern, mit Bewertungen und Mittelvergabe bei den Lehrenden o.ä. führt zu Korrumpierung der Daten und ist im besten Fall nicht hilfreich, oft
gar kontraproduktiv. Supervisoren oder Wissenschaftler von außen sollten nur sichern, ob sich das System gut selbst evaluiert. Bei der Definition von Kriterien sollte man kreativ vorgehen und nicht nur die üblichen wie Schulnoten heranziehen, so könnte z.B. beobachtet werden, ob die Aufmerksamkeit und die Mitarbeit von „Hinterbänklern“ sich verändert.

· Die Effektivität der Selbst-Einschätzung des Gelernten
Lernende sollte man am Ende einer Lerneinheit selbst einschätzen lassen, was sie gelernt haben. Zum einen ist dies eine wichtige Rückmeldung für den Lehrenden, aber auch eine gute Verankerung und eine Widerholung des Gehörten für den Lernenden. Wichtig ist dabei natürlich m.E. das Gespür dafür, ob es echte Rückmeldungen sind oder ob es sich um
Schmeicheleien für den Lehrenden handelt.

· Drei-stufige Methode Meinungen einzubringen
Wird in einer Unterrichtssituation die Meinung der Lernenden erfragt, eignet sich ein 3- stufiges Vorgehen besonders: Kurze Zeit zum selbst Nachdenken geben, einen kurzen Austausch mit einem Lernpartner anregen und erst dann das Einbringen in die Gruppe. Die eigene Meinung kann dann gestärkt und sicherer vertreten werden.

· „Kollegiale Supervision“ nutzen!
Ich habe durch das Seminar die Kollegialen Supervision mit Vorkonferenz und Nachkonferenz kennen gelernt. Besonders hat mich dabei fasziniert, dass der Supervisand zu jedem Zeitpunkt Herr des Geschehens bleibt und somit auf keinen Fall irgendwelche sonstigen Rückmeldungen ungefragt gegeben werden. Diese große Achtung vor dem individuellen Lernprozess empfand ich sehr wohltuend und hilfreich. Die Anwendung dieser Methode habe ich anschließend in einem gesonderten Seminar geübt.

· Eine zurückhaltende Rolle des Lehrenden ermöglicht Lernprozesse!
Die freie Diskursgemeinschaft ist nicht nur die wichtige Grundlage der Dilemma-Diskussion, sondern deren Regeln können insgesamt sehr befruchtend auf Lehr-Lernprozesse sein. In dem Zusammenhang fand ich besonders den Aspekt der zurückhaltenden Rolle des Lehrers interessant in dem Sinne, dass er seine Autorität zurücknimmt aber dennoch äußerst präsent bleibt, z.B. um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten oder indem er durch seine Aufmerksamkeit dem Lernprozess Wertschätzung vermittelt. Mich hat die Schilderung beeindruckt, dass sehr häufig Schüler bei Äußerungen ihrer Mitschüler erst einmal die Reaktion des Lehrers beobachten und dann häufig dessen Bewertungen einfach übernehmen ohne selbst denken zu müssen. Der Lehrer wird so zum Lernhindernis.

· Ein guter Start ist zentral!
Interessant fand ich auch die Schilderungen, welch zentrale Bedeutung hat, wie eine Unterrichtsstunde begonnen wird. Dass möglichst keine unwichtigen Details am Anfang stehen und zur Folge haben, dass die Aufmerksamkeit versandet

S. U. Studierende im Studiengang Diplom-Psychologie, Teilnehmerin an einem KMDD-Blockseminar

 


Das Blockseminar „Förderung moralisch-demokratischer Kompetenzen im Fachunterricht“ war für mich eine Ausnahmeerfahrung in meiner bisherigen Studienzeit (die nun doch schon immerhin vier Jahre umfasst). Warum war dieses Seminar so außergewöhnlich? Ich bin eigentlich kein besonders schüchterner Mensch, dennoch traue ich mich in Seminaren selten etwas zu sagen. Ich habe ständig das Gefühl, dass andere mehr wissen als ich und dass ich von den Professoren und auch von meinen Mitstudenten nach meinen Aussagen im Seminar beurteilt werde. Eigentlich denke ich nicht, dass ich sonderlich dumm bin und wundere mich selbst oft über meine Zurückhaltung in Seminaren. In diesem Seminar habe ich zum ersten Mal erfahren, dass es anderen ganz ähnlich geht wie mir. Warum habe ich das nicht schon in den vier Jahren meiner bisherigen Studienzeit erfahren? Ich denke es liegt zum Teil daran, dass die Dozenten gar nicht sonderlich darum bemüht sind, ein gutes Arbeitsklima innerhalb der Gruppe herzustellen. Es wird angenommen, Studenten sind erwachsen und Erwachsene trauen sich zu sich zu melden und daher braucht es keine besonderen Bemühungen, ein Gruppengefühl herzustellen. Dieser Kurs hat Dank der Dilemmadiskussion zu Beginn eine ganz besondere Diskussionsatmosphäre hergestellt. Alle Teilnehmer diskutierten, ohne sich vorher zu kennen und über die Hintergründe des anderen Bescheid zu wissen auf Augenhöhe. Daher war es meiner Meinung nach eine sehr gute Vorgehensweise die Vorstellungsrunde erst nach dieser Diskussion anzusetzen.

Der Wert der Dilemmadiskussion ist mir schon allein durch diesen Anfang völlig bewusst geworden. Sie schafft ein Gruppenklima das angenehmer kaum sein könnte. Ein respektvolles Miteinander wird an der Universität vorausgesetzt, ohne das es praktisch geübt wird. Dadurch verkümmert diese Fähigkeit meines Erachtens. Moralische Urteilsfähigkeit fällt eben nicht vom Himmel, sondern muss trainiert werden. Umso fataler finde ich es, dass Studenten dies nicht oder zumindest kaum mehr tun, denn gerade Studenten werden später in Führungspositionen gelangen. Die Studenten von heute haben morgen Verantwortung für andere Menschen. Daher ist es von ungeheurer Bedeutung, dass ihre moralische Urteilsfähigkeit trainiert wird. Es mag etwas weit her geholt sein, doch wenn man das amoralische Verhalten mancher Manager im Zuge der Finanzkrise sieht und andererseits ein VWL Studium näher betrachtet, dann kann einen kaum mehr wundern, dass diese Menschen sich so verhalten. Im Zuge meines Studiums musste ich für mein Beifach Politik die Vorlesung Einführung in die VWL besuchen. Im Lehrbuch wird bewusst Abstand zu jeglichen moralischen Fragen propagiert („Ökonomie hat nichts mit Moral zu tun.“). Es mag seine Berechtigung haben Marktprozesse nüchtern zu betrachten, doch finde ich es unverantwortlich das Thema Moral, ganz egal in welcher Disziplin, einfach auszuklammern und davon auszugehen, dass Moral sowieso in den Köpfen verankert ist. Herr Lind hat mit seiner Unterscheidung von moralischen Werten und moralischer Urteilsfähigkeit sehr schön aufgezeigt, dass es ein großer Irrtum unserer Zeit ist Moral als ganzes als immer gegeben anzusehen. Menschen haben moralische Werte, die moralische Urteilsfähigkeit aber muss trainiert werden. Leider ist diese Trennung in unserem Bildungswesen noch nicht angekommen. Jedenfalls habe ich diesen Eindruck während meiner Zeit an der Universität bekommen. Außerdem war ich sehr beeindruckt von der Ablehnung Herrn Linds gegenüber der ständigen Bewertung vor allem von Kindern und deren Leistung. Es macht mich sehr traurig wenn ich sehe, unter welchem Druck schon die Kleinsten Dank den Strukturen unseres Bildungswesens stehen. Wie Herr Lind mehrmals betonte, bin auch ich davon überzeugt, dass Lernen nicht optimiert wird, indem man den Schülern immer noch mehr in immer noch kürzerer Zeit zumutet. „Kinder brauchen Zeit.“ (Herr Lind) Dass ich so etwas elementares an der Universität hören durfte macht mich nicht völlig pessimistisch was unser Schulsystem angeht. Das Lernen an sich braucht einen Paradigmenwechsel. Kinder sollen spüren, dass sie in erster Linie für sich lernen. Doch wie soll ich den Schülern den abgedroschenen Spruch „Ihr lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben.“ begreiflich machen können, wenn doch vor allem
für Haupt- und Realschüler ganz früh der Druck beginnt: „Du musst fleißig lernen, damit du später auch einen Job bekommst.“ Dieses Klima der Angst kann sich doch nur negativ auf die Gefühlswelt eines Kindes auswirken.

Dank meiner Schulbildung, die mir moralische Urteilsfähigkeit beigebracht hat, waren mir die Ideen des Herrn Lind nicht fremd. Im Gegenteil ich empfinde in unserer Gesellschaft seit langem ein Defizit im Bereich des moralischen Gefüges, doch waren diese Bedenken immer als unbehagliches Gefühl in mir. Dank diesem Kurs weiß ich nun, dass es auch einen wissenschaftlichen Weg gibt, der diesem diffusen Unbehagen Bezeichnungen verleiht, mit denen man argumentieren kann und mit denen man die Bedingungen im Bildungswesen verbessern kann.

, Lehramtsstudentin, 8. Semester (22.10.09), Teilnehmerin an einem KMDD-Blockseminar. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin


"Was mich sehr erstaunte, war die innere Anteilnahme der Einzelnen während der Gruppenarbeit. Die meisten befassten sich ernsthaft mit den vorgegebenen Fragestellungen, und es entstand tatsächlich die Situation des Redens und Zuhörens. Die Männer blieben bis zuletzt engagiert und selbst als sie die besten Argumente der Gegenseite auswählten, konnten sie diese Spannung ertragen und blieben offen und fair. Dies hat mir gut gefallen, und dass diese Inhaftierten tatschlich miteinander redeten  - nicht nur dieser oberflächliche Austausch von coolen Sprüchen und leeren Phrasen - was ich öfters als Unterhaltung auf den Fluren (im Wohngruppenvollzug) mitbekomme."

Praktikantin und angehenden Sozialarbeiterin, die bei einer Dilemma-Diskussion mit der Gruppe "Reden und Zuhren" in der Justizvollzugsanstalt Moabit dabei war. (12.2.09)


"Für Ihren tollen Workshop danke ich Ihnen nochmals herzlich. "
Dr. Michael Gommel, Medizin-Ethiker (Okt. 2008)


"... Schon allein die Diskussionen [im Seminar] über die Dilemmadiskussion haben übrigens ausgereicht, meine Rolle als Lehrerin (wieder einmal) zu reflektieren, und ich habe diese Woche in einem anderen Verhältnis zu meinen SchülerInnen Unterricht gestalten können - zu meinem Vergnügen, und ich glaube auch zur Freude der SchülerInnen."
Eva Müller, Fachleiterin Ethik, Gymnasium (11.3.05)


"Ich bin immer noch überzeugt von Ihren Ideen, denen ich in Konstanz erstmals begegnet bin [. . .] In keinem Bereich naturwissenschaftlichen Unterrichtens [sehe ich] einen so großen Nachholbedarf wie in der 'Förderung der moralischen Urteilsfähigkeit' und deren Umsetzung im Unterricht."
Biologielehrer, Gymnasium


“[Die Dilemmadiskussion] hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht auch deshalb, weil es, zumindest für mich, mal etwas vollkommen anderes war. Vor allem auch deshalb, weil diese Art der Diskussion in der Schule vielseitig anwendbar ist und für die Schüler (sowie für den Lehrer) interessant ist. Ich werde das sicher bei passender Gelegenheit ausprobieren.”
Biologielehrerin, Gymnasium


“Während der Diskussion hatte ich den Eindruck, dass ich meine Meinung mit Überzeugung
vertreten konnte, meine Moralvorstellung hat sich nach der Diskussion nicht verändert, sondern gefestigt. ‘Unsere’ Dilemmadiskussion war sehr fruchtbar und hat zum Nachahmen mit Schülern angeregt. Zum Glück waren wir nicht alle einer Meinung bezüglich der Moralischen Seite des Problems! Diese ‘Uneinigkeit’ unter Fachkollegen halte ich weder für Besorgnis erregend noch für bedenklich. Mir hat die gesamte Diskussion – sowohl der Austausch in den Kleingruppen als auch im Plenum – sehr gut gefallen, ich habe mich dabei ausgesprochen wohl gefühlt und konnte jeweils meine Standpunkte ausreichend vertreten.”
Biologielehrer, Gymnasium


"Nach der Diskussion war mir erst richtig klar geworden, wie vielfältig und konträr die Pro und Kontra- Antworten sein können, wie alle in gewissem Maße ihre Berechtigung haben, wie die Antworten von der jeweiligen Befindlichkeit des Einzelnen, seiner Erfahrung ( “Ich kenne Kleinwüchsige” ) abhängig sein können, wie die Meinung unabwendbar beim Einzelnen festsaß ( Anfangs- und Endabstimmung gleich !) und wie das Vorwissen (Restrisiko) sowie der ethische Gesichtspunkt bei der Mehrheit zur Kontra-Meinung führte. [. . .] In der Oberstufe passend zum Lehrplan, sehr aktuell, eine Unterrichtsform, verbunden mit Gruppenarbeit, eine Einheit, die Sach-, Sozial- und Methodenkompetenz fördert. In der Unterstufe noch verfrüht, in der Mittelstufe bereits einsetzbar.”
Biologielehrer, Gymnasium


“. . . Zusammenfassend kann ich sagen: es hat sich wirklich gelohnt, diese Diskussion durchzuführen. Ich hatte das Gefühl, in diesen beiden Stunden mehr erreicht zu haben als in 3-4 Wochen 'normalem' Unterricht. Ich habe viel über eine einzelne Schüler erfahren, war erstaunt über einige 'schwache' und stille Schülerinnen, die sich sehr engagiert haben, Veränderungen für die Gesellschaft, für den Umgang miteinander u.ä. eingefordert haben. Es war eine sehr lebhaft und sehr sachliche Diskussion und ich habe mich gefreut, meine Schüler 'nachdenklich' (wie sie es nannten) in die Ferien zu entlassen. Ich kann nur jedem, der vielleicht ähnlich zögerlich in Anbetracht der 'kostbaren' Unterrichtszeit von 2 Stunden ist, zuraten, die Dilemmadiskussion auszuprobieren!”

Biologielehrerin, Gymnasium


“In [der ersten Phase der Dilemmadiskussion] erweiterten die Schüler ganz nebenbei ihr fachliches Wissen. [. . .]”
Biologielehrerin, Gymnasium


Die Diskussion ist im Großen und Ganzen verlaufen, wie es geplant war. Schülerverhalten:

  • Es haben sehr viele Schüler eifrig mitdiskutiert
  • Es haben sich einige Schüler beteiligt, die sonst im Unterricht nicht so aktiv sind.
  • Es hat den Schüler Spaß gemacht, sie wollten gar nicht mehr aufhören zu diskutieren.
  • Sie haben sich eingehend mit dem Thema (DNA) beschäftigt.
  • Es wurde keiner persönlich angegriffen, die Schüler haben sich außerdem weitgehend an die Regeln gehalten. ...

Vera Pauly, Lehramtsstudentin im Praxissemester (bei einer 10. Klasse) ... mehr


“Der Begriff Moral ist für mich seit diesem Seminar greifbarer geworden. Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, etwas so Abstraktes wie Moral, beziehungsweise Moralische Urteilsfähigkeit mit einem Fragebogen messbar zu machen. Ich fand es sehr interessant den MUT mit meinen Freunden einmal durchzuführen und zu sehen, zu welchen unterschiedlichen Ergebnissen man kommt. Durch die Rückfragen meiner Versuchspersonen wurde mir jedoch klar, dass ich nach ihnen keine genaue Antwort darauf geben kann, wie viel man in einen MUT-Wert hinein interpretieren darf.
Am interessantesten an diesem Seminar fand ich die Stunden in der Schule. Vor dem Unterrichtsbesuch schien mir das Konzept der Dilemmadiskussion etwas verworren und undurchsichtig. Nachdem ich aber gesehen hatte, wie so etwas in `Wirklichkeit` abläuft , war das alles für mich viel greifbarer. Mich hat es überzeugt zu sehen, wie sehr die Kinder bei der Sache waren und welches Interesse an moralisch bewegenden Themen offensichtlich bestand.
Mir gab zu denken, dass ich während meiner Schulzeit nie eine so echte Diskussion erlebt hatte, also eine Diskussion im Klassenzimmer, bei der über die eigene Meinung diskutiert wurde. Etwas vergleichbares gab es höchstens mal im Politikunterricht oder bei der Klärung der Frage wohin der nächsten Schulausflug gehen soll.
Ich denke jetzt dass es auf jeden Fall wichtig ist mit entsprechend ausgebildeten Lehren solche Dilemmadiskussionen in Schulklassen durchzuführen. Einerseits, weil die Moralische Urteilsfähigkeit verbessert werden kann. Andererseits, weil die Schüler lernen, ihre Meinung mit Argumenten zu vertreten, ohne unsachlich zu werden und ohne den Gegenüber anzugreifen. Das ist auf jeden Fall eine wichtige Fähigkeit, die in meiner Schulzeit zu kurz gekommen ist, was die unglaublich emotionalen Streitigkeiten über das Ausflugsziel erklären kann.
Das Seminar hat mir einen ganz neuen Einblick in das Thema Moral eröffnet. Ich bin gegenüber moralischen Themen aufmerksamer geworden, auch ein moralisches Dilemma fällt mir nun häufiger auf.”

Miriam Puderbach, Psychologie-Studentin (2006)

Regierungspräsidium Tübingen  

100-stündige KMDD-Fortbildung durch das Regierungspräsidium Tübingen (2005-2006)

Wirksamkeitsstudie: siehe Rafaela Koszinoffski (2006):
http://www.ub.uni-konstanz.de/kops/volltexte/2007/2270/