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Meinungen von Teilnehmern & Anwendern "Ich bin davon überzeugt, dass nichts anderes uns besser aufs Leben in Demokratie vorbereiten wird als die Demokratie selbst zu erleben." Adrianna U. (Doktorandin im Fach Ethik, Universität Poznan) Als seit Jahren Lehrender an einer Uni war dies deshalb sehr eindrücklich, da man, anders als im normalen beruflichen Alltag, aufgefordert ist, inhaltlich nicht einzugreifen und sofern die Teilnehmer kein Dilemma sehen, auch keine künstliche Diskussion zu inszenieren, sondern deren Sicht zu akzeptieren. Vielmehr wurde die rein formale Positionierung des Lehrenden betont, dessen primäre Aufgabe in der Einhaltung der im Vorfeld bekannt zu machenden Diskussionsregeln liegt (1. Alles darf gesagt, aber keine Personen positiv oder negativ bewertet werden; 2. Der letzte Redner bestimmt durch Meldung den nächsten Redner der anderen Gruppe). Es war darüber hinaus von hohem Gewinn, sich der produktiven Kritik anderer zu stellen, die die eigene Formulierung und Präsentation sowie die Moderation der Diskussion konstruktiv hinterfragt haben und aus einer Außensicht wertvolle Hinweise vermitteln konnten. Auf der anderen Seite hat das Seminar dazu beigetragen, die Sicht eines Diskutanten einzunehmen. Aus dieser Position konnte ein Dilemma gefühlsmäßig erfahren und emotional ausgehalten werden. Zugleich war auch die seltene Möglichkeit geboten, sich auf verschiedene Weise kritisch damit zu beschäftigen – zum einen im Rahmen einer selbständigen Erfassung des moralischen Kerns der Geschichte, zum anderen in einer inhaltlichen Durchdringung mit Gleichgesinnten. Schließlich hat die Auseinandersetzung mit gegenteiligen Sichtweisen und deren Begründungen eine weitergehende gedankliche Befassung gefördert. Zumal die formale Bedingung, sich nur auf die Argumente zu konzentrieren und den jeweiligen Redner aussprechen zu lassen, hat im laufenden Diskurs dazu geführt, diesem konzentrierter inhaltlich folgen zu können. Des Weiteren entwickelte sich eine andere Gesprächskultur, die jedem Redner die Möglichkeit einer vollständigen Entfaltung gab, die man für sich einfordern konnte und in gegenseitigem Respekt und Toleranz gegenüber den Argumenten mündete – diese wurde durch eine abschließende Bewertung der Positionen der diskursiven Gegenseite ergänzt und eröffnete auf diese Weise noch deutlicher die Chance, sich ernsthaft mit gegensätzlichen Sichtweisen auseinander zu setzen. Schließlich hat der Blick auf die statistischen sowie vielfältigen subjektiven Evaluationsmöglichkeiten– bspw. mündliche wie schriftliche Erfahrungsberichte, Eigen- und Fremdbeobachtungen – dazu beigetragen, einen tiefgründigen Eindruck von der KMDD und ihrer Wirkung zu erhalten. Diese ermöglichen mir zum einen als Diskutant eine nachhaltige und kritische Auseinandersetzung mit ihr, zum anderen als Lehrender konstruktive Rückmeldungen bei ihrer Durchführung – die Möglichkeit dabei Dritte einzubeziehen, ist ein weiterer überaus produktiver Punkt. Der selbsttätige Schritt, allem voran die statistischen Prozeduren nachzuvollziehen hat einen noch besseren Zugang zum Verständnis der empirischen Befunde sowie den Entwicklungsmöglichkeiten der KMDD an sich, der Lehrenden sowie der Teilnehmer vermittelt. Dr. Sebastian D. (Dozent für Soziologie) Was habe ich gelernt? · Die Kraft der Dilemma-Diskussion! · Regeln sind unbedingt nötig! · Habe Kinder unterschätzt! · Möglichkeiten in der Praxis · Durch die Arbeit an den Dilemma-Entwürfen wurde der Blick für deren „Güte“ geschärft! · Moral als Fähigkeit ist lernbar! Neben den „eigentlichen Lerninhalten“ hab ich auch einige Aspekte mitgenommen, die nicht nur im Zusammenhang mit Dilemmadiskussionen für die Arbeit mit Gruppen wertvoll sind: · Die Effektivität der Selbstbestimmten Evaluation · Die Effektivität der Selbst-Einschätzung des Gelernten · Drei-stufige Methode Meinungen einzubringen · „Kollegiale Supervision“ nutzen! · Eine zurückhaltende Rolle des Lehrenden ermöglicht Lernprozesse! · Ein guter Start ist zentral! S. U. Studierende im Studiengang Diplom-Psychologie, Teilnehmerin an einem KMDD-Blockseminar
Das Blockseminar „Förderung moralisch-demokratischer Kompetenzen im Fachunterricht“ war für mich eine Ausnahmeerfahrung in meiner bisherigen Studienzeit (die nun doch schon immerhin vier Jahre umfasst). Warum war dieses Seminar so außergewöhnlich? Ich bin eigentlich kein besonders schüchterner Mensch, dennoch traue ich mich in Seminaren selten etwas zu sagen. Ich habe ständig das Gefühl, dass andere mehr wissen als ich und dass ich von den Professoren und auch von meinen Mitstudenten nach meinen Aussagen im Seminar beurteilt werde. Eigentlich denke ich nicht, dass ich sonderlich dumm bin und wundere mich selbst oft über meine Zurückhaltung in Seminaren. In diesem Seminar habe ich zum ersten Mal erfahren, dass es anderen ganz ähnlich geht wie mir. Warum habe ich das nicht schon in den vier Jahren meiner bisherigen Studienzeit erfahren? Ich denke es liegt zum Teil daran, dass die Dozenten gar nicht sonderlich darum bemüht sind, ein gutes Arbeitsklima innerhalb der Gruppe herzustellen. Es wird angenommen, Studenten sind erwachsen und Erwachsene trauen sich zu sich zu melden und daher braucht es keine besonderen Bemühungen, ein Gruppengefühl herzustellen. Dieser Kurs hat Dank der Dilemmadiskussion zu Beginn eine ganz besondere Diskussionsatmosphäre hergestellt. Alle Teilnehmer diskutierten, ohne sich vorher zu kennen und über die Hintergründe des anderen Bescheid zu wissen auf Augenhöhe. Daher war es meiner Meinung nach eine sehr gute Vorgehensweise die Vorstellungsrunde erst nach dieser Diskussion anzusetzen. Der Wert der Dilemmadiskussion ist mir schon allein durch diesen Anfang völlig bewusst
geworden. Sie schafft ein Gruppenklima das angenehmer kaum sein könnte. Ein respektvolles
Miteinander wird an der Universität vorausgesetzt, ohne das es praktisch geübt wird. Dadurch
verkümmert diese Fähigkeit meines Erachtens. Moralische Urteilsfähigkeit fällt eben nicht
vom Himmel, sondern muss trainiert werden. Umso fataler finde ich es, dass Studenten dies
nicht oder zumindest kaum mehr tun, denn gerade Studenten werden später in
Führungspositionen gelangen. Die Studenten von heute haben morgen Verantwortung für
andere Menschen. Daher ist es von ungeheurer Bedeutung, dass ihre moralische
Urteilsfähigkeit trainiert wird. Es mag etwas weit her geholt sein, doch wenn man das
amoralische Verhalten mancher Manager im Zuge der Finanzkrise sieht und andererseits ein
VWL Studium näher betrachtet, dann kann einen kaum mehr wundern, dass diese Menschen
sich so verhalten. Im Zuge meines Studiums musste ich für mein Beifach Politik die
Vorlesung Einführung in die VWL besuchen. Im Lehrbuch wird bewusst Abstand zu jeglichen
moralischen Fragen propagiert („Ökonomie hat nichts mit Moral zu tun.“). Es mag seine
Berechtigung haben Marktprozesse nüchtern zu betrachten, doch finde ich es
unverantwortlich das Thema Moral, ganz egal in welcher Disziplin, einfach auszuklammern
und davon auszugehen, dass Moral sowieso in den Köpfen verankert ist. Herr Lind hat mit
seiner Unterscheidung von moralischen Werten und moralischer Urteilsfähigkeit sehr schön
aufgezeigt, dass es ein großer Irrtum unserer Zeit ist Moral als ganzes als immer gegeben
anzusehen. Menschen haben moralische Werte, die moralische Urteilsfähigkeit aber muss
trainiert werden. Leider ist diese Trennung in unserem Bildungswesen noch nicht
angekommen. Jedenfalls habe ich diesen Eindruck während meiner Zeit an der Universität
bekommen.
Außerdem war ich sehr beeindruckt von der Ablehnung Herrn Linds gegenüber der ständigen
Bewertung vor allem von Kindern und deren Leistung. Es macht mich sehr traurig wenn ich
sehe, unter welchem Druck schon die Kleinsten Dank den Strukturen unseres Bildungswesens
stehen. Wie Herr Lind mehrmals betonte, bin auch ich davon überzeugt, dass Lernen nicht
optimiert wird, indem man den Schülern immer noch mehr in immer noch kürzerer Zeit
zumutet. „Kinder brauchen Zeit.“ (Herr Lind) Dass ich so etwas elementares an der
Universität hören durfte macht mich nicht völlig pessimistisch was unser Schulsystem angeht.
Das Lernen an sich braucht einen Paradigmenwechsel. Kinder sollen spüren, dass sie in erster
Linie für sich lernen. Doch wie soll ich den Schülern den abgedroschenen Spruch „Ihr lernt
nicht für die Schule, sondern fürs Leben.“ begreiflich machen können, wenn doch vor allem Dank meiner Schulbildung, die mir moralische Urteilsfähigkeit beigebracht hat, waren mir die Ideen des Herrn Lind nicht fremd. Im Gegenteil ich empfinde in unserer Gesellschaft seit langem ein Defizit im Bereich des moralischen Gefüges, doch waren diese Bedenken immer als unbehagliches Gefühl in mir. Dank diesem Kurs weiß ich nun, dass es auch einen wissenschaftlichen Weg gibt, der diesem diffusen Unbehagen Bezeichnungen verleiht, mit denen man argumentieren kann und mit denen man die Bedingungen im Bildungswesen verbessern kann.
"Was mich sehr erstaunte, war die innere Anteilnahme der Einzelnen während der Gruppenarbeit. Die meisten befassten sich ernsthaft mit den vorgegebenen Fragestellungen, und es entstand tatsächlich die Situation des Redens und Zuhörens. Die Männer blieben bis zuletzt engagiert und selbst als sie die besten Argumente der Gegenseite auswählten, konnten sie diese Spannung ertragen und blieben offen und fair. Dies hat mir gut gefallen, und dass diese Inhaftierten tatschlich miteinander redeten - nicht nur dieser oberflächliche Austausch von coolen Sprüchen und leeren Phrasen - was ich öfters als Unterhaltung auf den Fluren (im Wohngruppenvollzug) mitbekomme." Praktikantin und angehenden Sozialarbeiterin, die bei einer Dilemma-Diskussion mit der Gruppe "Reden und Zuhren" in der Justizvollzugsanstalt Moabit dabei war. (12.2.09) "Für Ihren tollen Workshop danke ich Ihnen nochmals herzlich. " "... Schon allein die
Diskussionen [im Seminar] über die Dilemmadiskussion haben übrigens
ausgereicht, meine Rolle als Lehrerin (wieder einmal) zu reflektieren,
und ich habe diese Woche in einem anderen Verhältnis zu meinen SchülerInnen
Unterricht gestalten können - zu meinem Vergnügen, und ich glaube
auch zur Freude der SchülerInnen." "Ich bin immer noch überzeugt
von Ihren Ideen, denen ich in Konstanz erstmals begegnet bin [. . .] In
keinem Bereich naturwissenschaftlichen Unterrichtens [sehe ich] einen
so großen Nachholbedarf wie in der 'Förderung der moralischen
Urteilsfähigkeit' und deren Umsetzung im Unterricht." [Die Dilemmadiskussion]
hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht auch deshalb, weil es, zumindest
für mich, mal etwas vollkommen anderes war. Vor allem auch deshalb,
weil diese Art der Diskussion in der Schule vielseitig anwendbar ist und
für die Schüler (sowie für den Lehrer) interessant ist.
Ich werde das sicher bei passender Gelegenheit ausprobieren. Während der Diskussion
hatte ich den Eindruck, dass ich meine Meinung mit Überzeugung "Nach der Diskussion war
mir erst richtig klar geworden, wie vielfältig und konträr die
Pro und Kontra- Antworten sein können, wie alle in gewissem Maße
ihre Berechtigung haben, wie die Antworten von der jeweiligen Befindlichkeit
des Einzelnen, seiner Erfahrung ( Ich kenne Kleinwüchsige
) abhängig sein können, wie die Meinung unabwendbar beim Einzelnen
festsaß ( Anfangs- und Endabstimmung gleich !) und wie das Vorwissen
(Restrisiko) sowie der ethische Gesichtspunkt bei der Mehrheit zur Kontra-Meinung
führte. [. . .] In der Oberstufe passend zum Lehrplan, sehr aktuell,
eine Unterrichtsform, verbunden mit Gruppenarbeit, eine Einheit, die Sach-,
Sozial- und Methodenkompetenz fördert. In der Unterstufe noch verfrüht,
in der Mittelstufe bereits einsetzbar. . . . Zusammenfassend kann ich sagen: es hat sich wirklich gelohnt, diese Diskussion durchzuführen. Ich hatte das Gefühl, in diesen beiden Stunden mehr erreicht zu haben als in 3-4 Wochen 'normalem' Unterricht. Ich habe viel über eine einzelne Schüler erfahren, war erstaunt über einige 'schwache' und stille Schülerinnen, die sich sehr engagiert haben, Veränderungen für die Gesellschaft, für den Umgang miteinander u.ä. eingefordert haben. Es war eine sehr lebhaft und sehr sachliche Diskussion und ich habe mich gefreut, meine Schüler 'nachdenklich' (wie sie es nannten) in die Ferien zu entlassen. Ich kann nur jedem, der vielleicht ähnlich zögerlich in Anbetracht der 'kostbaren' Unterrichtszeit von 2 Stunden ist, zuraten, die Dilemmadiskussion auszuprobieren! Biologielehrerin, Gymnasium In [der ersten Phase
der Dilemmadiskussion] erweiterten die Schüler ganz nebenbei ihr
fachliches Wissen. [. . .] Die Diskussion ist im Großen und Ganzen verlaufen, wie es geplant war. Schülerverhalten:
Vera Pauly, Lehramtsstudentin im Praxissemester (bei einer 10. Klasse) ... mehr “Der Begriff Moral ist für mich seit diesem Seminar greifbarer geworden. Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, etwas so Abstraktes wie Moral, beziehungsweise Moralische Urteilsfähigkeit mit einem Fragebogen messbar zu machen. Ich fand es sehr interessant den MUT mit meinen Freunden einmal durchzuführen und zu sehen, zu welchen unterschiedlichen Ergebnissen man kommt. Durch die Rückfragen meiner Versuchspersonen wurde mir jedoch klar, dass ich nach ihnen keine genaue Antwort darauf geben kann, wie viel man in einen MUT-Wert hinein interpretieren darf. Miriam Puderbach, Psychologie-Studentin (2006) |
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| Regierungspräsidium Tübingen | 100-stündige KMDD-Fortbildung durch das Regierungspräsidium Tübingen (2005-2006) Wirksamkeitsstudie: siehe Rafaela Koszinoffski (2006): |