Das Konzept des "offenen Unterrichts"

  

Der Begriff "offener Unterricht" scheint ein Widerspruch in sich selbst zu sein, aber eben nur "scheint". Dem modernen Verständnis vom Lehrer als Arrangeur von förderlichen Lernumwelten (der sich nicht mehr als "Wissensvermittler" oder "Lehrplanexekuteur" versteht) entspricht auch ein neuer Begriff des Unterrichts. Es scheint müsig, deshalb für "Lehrer" und "Unterricht" nach neuen Begriffen zu suchen. Vielmehr sollten wir uns daran gewöhnen, diese Begriffe heute neu zu definieren und inhaltlich neu zu füllen.

Genau dies tut das Konzept des "Offenen Unterrichts", der nichts anderes ist als das, was große Pädagogen mit anderen Worten schon lange fordern: "kindzentrierter Unterricht", "selbst lernen", "Lernen als aktiver Prozess" etc.

Neu erscheint mit die Tatsache, dass beim Offenen Unterricht mit diesen Forderungen kompetent und konsequent ernst gemacht wird, ohne in der Phase von hochtrabenden Ankündigungen und ideologischen Debatten stehen zu bleiben.

Dabei sind zwei Missverständnisse zu vermieden: "Viele PädagogInnen verstehen Offenen Unterricht sehr eng (und überschätzen damit die erreichten Öffnungsgrade, vgl. die Differenz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung in der Untersuchung von Hanke 1996, 34). Sie sehen Öffnung nur methodischorganisatorisch, d. h. als eine Form der inneren Differenzierung, und verlagern die Steuerung des Lernens aus ihrer Person lediglich in das Material (s. auch Peschel 1995/96).

Andere, vor allem KritikerInnen der Öffnung fassen sie zu weit. Sie unterstellen, jedes Kind könne im Offenen Unterricht machen, was es wolle, und die Lehrerin gucke nur zu. Überdies werde das heute besonders wichtige soziale Lernen auf dem Altar verabsolutierter Individualisierung geopfert." (Bruegelmann, 2001, siehe unten).

Zu dem Konzept des Offenen Unterrichts liegen inzwischen hervorragende Studien, schulpraktische Erprobungen und Anleitungen für die Einführung und Umsetzung dieses Konzepts vor (siehe u.a. Brügelmann, 2001; Peschel, 2003a, 2003b, Web; Zehnpfennig & Zehnpfennig, 2002).

Für Lehrerinnen und Lehrer, die sich für dieses Konzept interessieren, sei gesagt, dass es anspruchsvoll ist und neben guten Fachkenntnissen auf den den Gebieten, die man unterrichtet, gutes pädagogisch-psychologisches Wissen und eine hohe eigene Lernbereitschaft voraussetzt. Offener Unterricht ist kein laissez faire -Unterricht, bei dem man die Schüler einfach sich selbst überlassen kann.

Erfahrungen und Studien zu Umsetzungen liegen, soweit ich weiß, inzwischen auf allen Stufen vor: Kindergarten, Grundschule, Sekundarschule und Hochschule. Weit fortgeschrittene und verbreitete Ansätze zur Öffnung der Schule gab es aber auch schon früher. So haben bereits in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zahlreiche Schulen in den USA auf Anregung des amerikanischen Pädagogen und Psychologen John Dewey hin offene Unterrichtsformen eingeführt. In einer umfangreichen Längsschnittstudie (die unter de, Namen Achtjahres-Studie bekannt wurde) wurde der weitere Bildungsweg dieser Schüler auf dem College mit vergleichbaren Schülergenerationen verglichen (Chamberlin et al., 1942; siehe unten).

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