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lind-2015

Dritte, erweiterte und überarbeitete Auflage, 2015

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Zweite, erweiterte Auflage, 2009 (Second, supplemented edition, 2009)

(Theory and practice of moral and democratic education. Introduction into the Konstanz Method of Dilemma Discussion)

On the basis of the Blatt-Kohlberg method of dilemma discussion and his own 30 years of research (see below) and application, Dr. Lind has developed the Konstanz Method of Moral and Democratic Education, which can be applied to various contexts, and be effectively taught to teachers in various fields. The method's two core principles are a) mutual respect between autonomous learners and teachers (relating to Dewey's notion of democracy as a way of living), and b) the creation of an optimal learning environment through alternating phases and cycles of challenge and support. Research shows that lessons applying these principles may affect the development of moral and democratic competencies very effectively (producing effect sizes of r = 0.60 and higher), regardless of the content (moral versus non-moral contents) taught. The handbook introduces not only into Lind's education theory of moral-democratic development, his dual-aspect theory of moral judgment behavior, and the didactic principles of effective dilemma discussions and just community schools, but it also provides many sample dilemmas, a guideline for leading a dilemma discussion, various instruments for observing and documenting them and checklists and definitions that can be used for lessons. Also questions about the place of dilemma discussion in the curriculum and about the preparation of teachers for this method are discussed... more.

Spanish and Greek edition:

moral ensenarse greek

In preparation: - English and Chinese edition

Reviews:

Dr. Jos Schnurer, Universität Hildesheim: "Bei der vorgelegten Studie handelt es sich um kein Lehrbuch. Vielmehr werden Anregungen und Forschungsbefunde für die Lehreraus- und -fortbildung gegeben. Das ist innovativ! Die vorgestellten Methoden, wie auch die zahlreichen Fallbeispiele, Fragenkataloge und Formularentwürfe sind hilfreich für ein positives Aufgreifen der Bildungsaufgabe "Moralerziehung". Der Autor geht davon aus, dass Moral als Lerngegenstand auf allen Bildungsstufen des schulischen (und außerschulischen?) Lernens präsent sein muss..." ()

>Sibylle Reinhardt, Universität Halle: "Georg Lind präsentiert ein "Handbuch zur Theorie und Praxis moralischer und demokratischer Bildung", das Lehrern eine gut lesbare Einführung in die Moral-Pädagogik nach Lawrence Kohlberg bietet! Der Aufbau des Buches gibt ein Beispiel, wie in der Zukunft pädagogische Empfehlungen für Unterricht und Schule auszusehen haben: Die theoretische Grundlage - in diesem Falle ist das die moralkognitive Entwicklungstheorie - wird praktisch: Dilemma-Methode und demokratische Schulgemeinschaft (Just Community) fördern im Unterricht und im Schulleben die moralische Urteilsfähigkeit. Belegt wird diese Behauptung durch empirische Wirkungsforschung. Diese Dreiteilung von Theorie, Praxis und Empirie dürfte der Standard fürpädagogische Entwicklungen werden, die nicht nur appellieren, sondern handhabbar demonstrieren und Effekte nachweisen können.
Die zentrale normative These des B uches ist, dass der Zusammenhang von Demokratie und Macht und Moral moralische Fähigkeiten der Bürger erfordert, deren gute Absichten allein keine vernünftigen und verantwortbaren Konfliktlösungen garantieren. Moralische Fragen sind keine Interessenkonflikte zwischen Gruppen bzw. Personen, sondern Dilemmata sind Konflikte zwischen gleich gewichtigen Werten. Moralische Urteilsfähigkeit bedeutet die Fähigkeit, Werte imAlltag angemessen anzuwenden und Werte-Dilemmata begründet zu entscheiden. Innovationen (wie die der Gentechnologie) und Globalisierung bringen neue Dilemmata hervor, die der Diskurse bedürfen. Lind entwirft ein Zwei-Aspekte-Modell des moralischen Verhaltens / Entscheidens, das sich aus moralischen Prinzipien und moralischer Urteilsfähigkeit zusammensetzt.
Die Messung der Urteilsfähigkeit erfolgt durch den von Lind schon früher entwickelten MUT (Moralisches-Urteil-Test). Die Befragten nehmen dabei zuerst Stellung zu Dilemmata und beurteilen dann je sechs Argumente für die eine und für die andere Seite des Dilemmas, deren Qualität sich gemäß dem Stufenmodell von Kohlberg unterscheidet. Der C-Wert (für Competence) ist umso höher, je konsistenter die Befrag-ten sich an der moralischen Qualität der Argumente orientieren, unabhängig von deren inhaltlicher Übereinstimmung mit ihrer eigenen Stellungnahme. Empirisch hat sich ein starker Zusammenhang zwi-schen der so gemessenen Urteilsfähigkeit und derBevorzugung vonArgumenten auf postkonventionellem Niveau ergeben. DerAnlage nach erfasst derMÜT ein für die Politikdidaktik wichtiges Verhalten, nämlich den Umgang mit moralischen Argumenten in kontroversen Situationen (S. 56).
Für die pädagogische These des Buches-"Moral ist lehrbar" sprechen eine Reihe empirischer Daten, die Lind vorstellt: ohne formale, d.h. handlungsentlastete Bildung entwickelt sich moralische Urteilsfähigkeit nicht von selbst weiter; ein Selbstlernprozess findet offensichtlich nur bei hohem erreichtem Bildungsniveau statt, während bei niedrigem und mittlerem Niveau die moralische Fähigkeit nach Ende des Schulbesuchs i.d.R. sogar abnimmt. Auch ergibt die Befragung Konstanzer Studenten, dass Gelegenheiten zur Verantwortungsübernahme und zur angeleiteten Reflexion die moralische Urteilsfähigkeit fördern. Die Meta-Analyse von zumeist experimentell angelegten Interventionsstudien zeigt eine hohe Wirkung von Dilemmadiskussionen im Unterricht auf die moralische Urteilsfähigkeit, was differenziert beschrieben wird. SchulischeAllgemeinbildung fördert also die moralische Urteilsfähigkeit, was durch Dilemmadiskussion noch einmal verdoppelt werden kann.
Pädagogische Praxis wird detailliert in den Teilen 2 und 3 des B uches geschildert und angeleitet. Sowohl die Methode der Dilemma-Diskussion als auch die demokratische Schulgemeinde werden durch Ablaufpläne, Organisationsformen, Materialien und konkrete Erfahrungen greifbar. Interessierte Lehrer können m. E. mit dieser Hilfe durchaus die Dilemma-Methode ausprobieren; Schulen können angeregt werden, mit Hilfe von außen eine demokratische Schulgemeinde zu werden. Die Hinweise zur Selbstbeobachtung und -evaluation sind wertvoll: Den Lehrern werden Instrumente an die Hand gegeben! Hier nun zeigt das Buch eine unerklärliche Schwäche: Drei zentrale Instrumente, der MUT und der MAF (Moralische Atmosphäre-Fragebogen) und das Flanders-Schema werden nicht abgedruckt, sondern der Leser wird auf den Autor bzw. auf andere Veröffentlichungen verwiesen - womit der Praxiswert des Buches entscheidend geschmälert wird. Grundsätzlich ist die Kombination von Theorie, Praxis und empirischer Evaluation beispielgebend für die Entwicklung von Unterrichtskonzepten! Die Autonomie der Leser und Lehrer verlangt aber die vollständige Dokumentation der Instrumente. (Aus: Politisches Lernen 1-2 / 04, S. 70)

Prof. Dr. Bruno Schmid, Pädagogische Hochschule Weingarten: "Hinter dem Frage-Antwort-Schema der beiden Buchtitel verbirgt sich keineswegs Phantasielosigkeit, sondern ein gelungenes Wechselspiel theorie- und praxisbezogener Ansätze. Das 2000 erschienene Werk Ist Moral lehrbar? ist die zweite Auflage einer Untersuchung, die der Autor erstmals 1993 unter dem Titel Moral und Bildung veröffentlicht hatte. Georg Lind, Psychologe an der Universität Konstanz, befasst sich seit langem mit der Vertiefung und Präzisierung der Forschungsergebnisse der Piaget-Schule. Das Fragezeichen im Buchtitel ist Indiz intensiver Nachfrage nach dieser kognitiv-entwicklungsorientierten Theorie, die Lind kritisch reflektiert und zu einer „Bildungstheorie der Moralentwicklung“ weiterführt. Linds Grundthese ist: Moralische Entwicklung und moralisches Verhalten sind das Ergebnis von Bildungsprozessen, nicht von Sozialisation oder (biologischer) Reifung. Im moralischen Urteil verbinden sich dabei affektive und kognitive Aspekte; sie bilden unterscheidbare, aber untrennbare Eigenschaften eines Verhaltensmusters. Linds empirische Untersuchungen bestätigen hier Lawrence Kohlbergs Hypothese einer affektiv-kognitiven Parallelität.
Dessen Methode - das Interview zum moralischen Urteil - konnte diesen Nachweis freilich noch nicht liefern, da die Struktur der individuellen Urteilsmuster bei der Auswertung nicht sichtbar wird. Erst die Weiterentwicklung zum „MUT (Moralisches Urteil-Test)“ durch eine Forschungsgruppe unter Beteiligung Linds in den Jahren nach 1970 ergab ein geeignetes Messinstrument. Ebenfalls kritisch setzt sich der Verfasser mit Kohlbergs Theorie auseinander, wonach sich das moralische Urteil stets von tieferen zu höheren Stufen entwickle, invariant sei und keinen Rückfall auf eine frühere Stufe kenne. Gestützt auf empirische Studien, hält er eine Stagnation bis hin zur Regression der moralischen Urteilskompetenz dort für möglich, wo entsprechende Bildungsprozesse fehlen. Die Korrelation von Bildungserfahrungen mit moralischer Entwicklung ist Chance und Aufgabe zugleich: „Institutionalisierte Bildungsprozesse“, folgert Lind, „sind eine notwendige und hinreichende Bedingung für die Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit beim einzelnen“ (255). Im Schlusswort plädiert er dafür, in Bildung und Erziehung nicht einfachhin - wie heute oft zu hören - die „Identifikation mit Werten“ zu fördern (gewaltbereite Jugendliche identifizieren sich z.B. durchaus mit Werten - aber mit welchen!), sondern das Verstehen des Sinns solcher Werte, ihre differenzierte und integrierte Anwendung - mit Th. W. Adornos Worten: die „Kraft zur eigenen Reflexion, zum unabhängigen Denken, zum Nicht-Mitmachen“ (266).
Der umfangreichen, mit Daten gespickten theoretischen Legitimation seines Ansatzes lässt Lind nun 2003 ein deutlich schmaleres „Handbuch“ folgen, das sich an Studierende und Lehrende wendet und unmittelbar auf Unterrichtspraxis zielt. Im ersten Teil fasst er auf gut 40 Seiten die theoretischen Grundlagen seiner Bildungstheorie der Moral nochmals zusammen. Lind holt dabei im Einzelfall auch weiter aus, etwa bei der Begriffsbestimmung von Moral; im Kern geht es freilich um die These der moralischen Urteilsfähigkeit nach Kohlberg und die damit verknüpften Bildungschancen. Dann werden zwei didaktische Vorschläge Kohlbergs aufgegriffen und von Lind eigenständig weiterentwickelt: die Dilemmadiskussion (Teil 2) und die Demokratische Schulgemeinschaft (Teil 3). Ziele, didaktische Prinzipien, Vorbereitung und Durchführung der „Konstanzer Version“ der Dilemmadiskussion werden praxisnah vorgestellt.
Dass bioethische Dilemmata für den Unterricht in der Sekundarstufe besonders geeignet sind, zeigen die Beispiele, die sich im Anhang finden und über deren Einsatz der Verfasser berichtet: Organentnahme, Embryonenspende, „DNA nach Wunsch“, riskante Hilfe für einen AIDS-Kranken... - Den Ansatz einer Demokratischen Schulgemeinschaft, unter dem Namen Just Community ebenfalls von Kohlberg initiiert, hat Lind in den 1980er Jahren in Nordrhein-Westfalen u.a. zusammen mit Fritz Oser und Wolfgang Althof erprobt und führt ihn nun kreativ weiter.
Fazit: „Ist Moral lehrbar?“ Ja, „Moral ist lehrbar“! Auf die Anfrage des ersten Werkes, das sich um die theoretischen Fundamente müht, folgt im zweiten Buch eine ermutigende und hilfreiche Praxisanleitung zum ethischen Lernen in Bildungseinrichtungen."