Die Tauschring-Illusion

 

 
 

Prof. Dr. Nikolaus K.A. Läufer


 
 

Vertreter der Tauschring-Idee machen die Knappheit des Geldes für Arbeitslosigkeit verantwortlich und halten Tauschringe für eine Methode, um die vorhandenen ``Talente'' auch dann zu nutzen, wenn es am Tauschmittel Geld fehle. Auf Geld könne sogar ganz verzichtet werden.

Welch ein Fehlschluss. Selbst für Multitalente ist nicht sichergestellt, dass ihre Dienste auf Dauer gebraucht werden. D.h. das Problem der Arbeitslosigkeit wird von Tauschringen nicht gelöst. Und was geschieht bei Krankheit und Invalidität?

Alle Tauschringe lassen nur begrenzt anschreiben. Man will verhindern, dass einer auf Kosten anderer lebt (Tittbrettfahrer). Diese Obergrenzen sind so niedrig, dass ein Besitzer ungefragter Talente (Arbeitsloser) in einer Tauschringgesellschaft genau so zu Grunde gehen würde, wie in einer kapitalistischen Geldwirtschaft ohne Sozialhilfe.

Tauschringe haben Obergrenzen für Guthaben vorgesehen und legen ferner fest, dass entstandene Guthaben durch reinen Zeitablauf schrumpfen (Schwundgeld-Idee von Silvio Gesell). Um dem Schwund ihrer Guthaben zuvorzukommen, werden Guthabenbesitzer Dienste anderer in Anspruch nehmen. Ob dadurch ein arbeitsschaffender Effekt zustandekommt, ist deshalb zweifelhaft, weil die Schwundregel auch einen Anreiz darstellt, erst gar nicht zu akkumulieren, worin manche einen wachstumshemmenden und damit umweltschonenden Effekt sehen (Beschäftigung und Umweltschutz im Ziel-Konflikt).

Wie soll man ausserdem in einer Tauschring-Gesellschaft Altersvorsorge betreiben, wenn die Akkumulation nach oben beschränkt und Ersparnisse systematisch gestrichen werden?

Merkwürdigerweise ist der verpönte Zins in Tauschringen nur für Kreditnehmer gleich null, dagegen, wegen der oben beschriebenen Schwundregel, negativ für Kreditgeber. Bei Schwundsätzen von 1% pro Monat haben Tauschringe eine saftige Zinsspanne von über 14 Prozent p.a. Wird diese Zinsspanne ausreichen, um die Kreditrisiken des Tauschringes abzudecken?

Tauschringe haben den Zinssatz nicht wirklich abgeschafft, sondern dafür lediglich ein Niveau gewählt, welches die Anreize zur Akkumulation reduziert und Rationierung erzwingt. Wie damit in Gesellschaften mit wachsender Bevölkerung keine Arbeitslosigkeit entstehen soll, ist nicht nachvollziehbar. Dass Tauschringe Arbeistslosigkeit auch in stationären Gesellschaften nicht vermeiden können, ist bereits ausgeführt worden.
 

Diese Seite ist zuerst erschienen in der Rubrik "Pro & Contra" der Zeitschrift "ÍkologiePolitik, Nr. 82 1/98"  

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