Planspiel zur Rückrechnung ukrainischer Zwangsarbeiter im Jahr 1945 nach Spoerer

Um aufzuzeigen, zu welch unzutreffenden Schlüssen die Rückrechnung in der Arbeit von Herrn Spoerer führt, betrachte man folgendes Beispiel:

Nehmen wir einmal an, die Daten der Ostarbeiter in der dortigen Tabelle A 2.1 seien richtig und nehmen wir zusätzlich an, daß sie, um das Tausendfache multipliziert, der Verteilung der ukrainischen Zwangsarbeiter im Jahre 1945 entsprächen.

Dann sähe die Verteilung folgendermaßen aus:
 

Tabelle 1: Planspiel über eine Alters- und Geschlechtsverteilung im Jahr 1945
 
Jahrgang
Anzahl männlich
Anzahl weiblich
Gesamt
vor 1908
137.000
63.000
200.000
1908 - 1912
59.000
38.000
97.000
1913 - 1917
48.000
75.000
123.000
1918 - 1922
62.000
226.000
288.000
1923 - 1927
207.000
523.000
730.000
1928 - 1932
47.000
61.000
108.000
Summe
560.000
986.000
1546.000

Die Abhängigkeit der beiden Merkmale Alter und Geschlecht läßt sich in verschiedenerlei Maßen angeben, exemplarisch sei dieses in Form des Phi-Koeffizienten getan (siehe etwa von der Lippe, Deskriptive Statistik, S. 224):

Nehmen wir weiter an, die Überlebenswahrscheinlichkeiten nach Spoerer träfen zu, d. h. die bedingten Wahrscheinlichkeiten für das Erleben des Jahres 1997 unter der Bedingung, daß die jeweilige Altersklasse das Jahr 1945 überlebt hat, wären wie in der Tabelle 2 angegeben.


Tabelle 2: Überlebenswahrscheinlichkeiten (in %) für ausgewählte Altersgruppen der ukrainischen Bevölkerung für 1997, die das Jahr 1945 überlebt haben (nach M. Spoerer)

Jahrgang
männliche Bevölkerung
weibliche Bevölkerung
vor 1908
0,1 %
1,9 %
1908 - 1912
0,7 %
9,0 %
1913 - 1917
7,5 %
23,0 %
1918 - 1922
18,6 %
41,8 %
1923 - 1927
31,6 %
59,4 %
1928 - 1932
43,5 %
71,9 %

Aus den Tabellen 1 und 2 läßt sich nun die erwartete Population im Jahr 1997 errechnen.
 

Tabelle 3: Erwartete Population des Planspieles im Jahr 1997

Jahrgang
Anzahl männlich
Anzahl weiblich
Gesamt
vor 1908
137
1.197
1.334
1908 - 1912
413
3.420
3.833
1913 - 1917
3.600
17.250
20.850
1918 - 1922
11.532
94.468
106.000
1923 - 1927
65.412
310.662
376.074
1928 - 1932
20.445
43.859
64.304
Summe
101.539
470.856
572.395

Für die in Tabelle 3 angegebene Bevölkerung ergibt sich ein Phi-Koeffizient von

,

also ein deutlich unterschiedlicher Wert zu dem im Jahr 1945. Statistisch sind diese Unterschiede auch zu erwarten, denn Frauen haben eine etwas höhere Lebenserwartung als Männer, so daß die Aufteilung auf die Geschlechter eine deutlich andere sein wird.

Nun stellt sich die Frage, was passiert mit der nicht nach Geschlecht spezifizierten Altersverteilung, also der letzten Spalte aus Tabelle 3, wenn das Rückrechnungsverfahren nach Spoerer angewandt wird.
 

Tabelle 4: Fortsetzung des Planspiels mit Anwendung des Spoererschen Verfahrens:

Jahrgang
Überl. 
1997 im Planspiel
(vgl. Tab. 3)
sog. 
"gew. ÜB-WS" 
in %
sog. 
"Anteil 1997"
in %
sog. "Überlebende 1997" nach Verfahren Spoerer
daraus hoch-
gerechnet Bestand 1945
Gesamt
   
männl.
weibl.
männl.
weibl.
männl.
weibl.
männl.
weibl.
 
vor 1908
1.334
0,1
1,9
4,8
95,2
64
1.270
64.000
66.842
130.842
1908 - 1912
3.833
0,7
9,2
7,3
92,7
280
3.553
40.000
39.478
79.478
1913 - 1917
20.850
7,3
23,5
23,8
76,2
4.962
15.888
66.160
69.078
135.238
1918 - 1922
106.000
18,1
42,8
29,8
70,2
31.588
74.412
169.827
178.019
347.846
1923 - 1927
376.074
30,9
60,7
33,7
66,3
126.737
249.337
401.066
419.759
820.825
1928 - 1932
64.304
42,5
73,5
36,7
63,3
23.600
40.704
54.253
56.612
110.865
Summe
572.395
       
187.231
385.164
795.306
829.788
1.625.094

Fazit: Durch dieses Verfahren können Fehlschlüsse aller Art gezogen werden, so daß die so getroffenen Aussagen in jeglicher Hinsicht als unzutreffend zu bezeichnen sind.

Um nur auf einige Effekte dieser ja nicht ganz unwahrscheinlichen Population hinzuweisen:

Die statistischen Fehler einer solchen Rückrechnung seien noch einmal kurz zusammengefaßt:

Copyright 2000, Dr. Roland Jeske