Fragwürdige Zwangsarbeiter-Zahlen (Leserbrief F.A.Z., erschienen am 13.3.2000)

Zum Brief von Leser Dr. Mark Spoerer "Die Zwangsarbeiter-Zahlen" (F.A.Z. vom 4. März): Ich bin nicht Gutachter der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, und man muß den F.A.Z.-Artikel vom 29. Februar schon sehr oberflächlich lesen, um den Historiker Spoerer dort als Berater der Bundesregierung wiederzufinden. Erwähnte Oberflächlichkeit mag es vielleicht auch gewesen sein, die Spoerer dazu veranlasste, fragwürdige Angaben der Ukrainischen Nationalen Stiftung mittels eines mindestens ebenso fragwürdigen Verfahrens in seinem so genannten "direkten Ansatz" zu validieren. Das eigentliche Problem in dieser Auseinandersetzung sind nämlich nicht die beiden Hochrechnungen von Spoerer und mir, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen und über die man wissenschaftlich diskutieren kann oder besser: sollte. Vielmehr lautet der Konstanzer Vorwurf gegen Spoerer, dass er in seiner Arbeit außerhalb der Hochrechnungen Angaben der polnischen und der ukrainischen Stiftungen untersucht hat, die statistisch erhebliche Glaubwürdigkeitsprobleme aufwerfen. Hätte er sie gar nicht beachtet, würde man ihn nicht kritisieren. Da er sie aber untersucht hat, muss er sich schon den Vorwurf gefallen lassen, als viel zitierter Historiker für die Zwangsarbeit im Dritten Reich übersehen zu haben, dass diese Angaben so nicht stimmen können.

Dr. Roland Jeske