1. Philosophische Anthropologie


    


1.1 Klassische Positionen

Nach Kamper (Kamper 1973) hat die philosophische Anthropologie der 60er Jahre vier Hauptaspekte entwickelt und von diesen Grundfragen aus eine Ausdifferenzierung der Anthropologie entwickelt: 1) die Situationsanalyse, bei der es um die Aufklärung über die Natur des Menschen und seine Sonderstellung im "Reich des Lebendigen" gehe; 2) die Integration aller relevanten Wissenschaften, um die "Schichtung", "Stufung" und "Mehrdimensionalität" des Menschen durch eine "Basisanthropologie" zu zeigen; 3) die Handlungslehre, die Anweisungen für das "richtige" Verhalten der Menschen geben solle und 4) die Ausdrucksphänomene, die das Spezifikum einer menschlichen Selbstdarstellung vom Spiel bis zur Sprache herausstellen sollen. Die von Gadamer/Vogler herausgebenen Bände "Neue Anthropologie" (Gadamer/Vogler 1972-1975) geben einen Überblick über diese Ausdifferenzierung (von Biologischer Anthropologie über Sozialanthropologie, Kulturanthropologie, Psychologische Anthropologie bis zu Philosophischer Anthropologie).

1.2 Anthropologie als Lehre von der menschlichen Natur

Einen Überblick über die historische Entwicklung der Disziplin und den Stand der Diskussion in den 60er Jahren liefert Marquard (Marquard, 1971, 362-374 und ders. 1973). Marquard will auf historische Vorläufer und Differenzen zur gegenwärtigen philosophischen Anthropologie aufmerksam machen (Marquard 1971). Er bemerkt, daß in antiken Texten und einer sich darauf beziehenden Philosophie der Aufklärung die Herauslösung des Menschenbildes aus einem theologischen Bedeutungszusammenhang im Vordergrund stehe; Anthropologie sei also gleichbedeutend mit einer anthropomorphen oder anthropozentrischen Perspektive. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert werde die Natur zum wichtigsten Bezugspunkt ("Anthropologia est doctrina humanae naturae"), im Gegensatz zu Gott oder schrankenloser Freiheit in einer theologisch-metaphysischen oder einer rein mathematisch-experimentellen Perspektive. Diese Umstellung der Perspektive korreliere mit einem frühen 'ethnologischen' Interesse an menschlichen Konstanten (z.B. Blumenbach, Humboldt). Zum zentralen Referenzpunkt werde die physische und moralische Doppelnatur des Menschen. Bei Kant konturiere sich die Anthropologie als eine Lebensphilosophie jenseits von Metaphysik und Naturwissenschaft, in der die Lebenswelt als existentiell bedeutsame Welt den zentralen Referenzpunkt darstelle. In diesem Sinne werde Anthropologie Welterkenntnis durch Erfahrung und Auswertung und begründe damit ihre Nähe zu Moralistik und Ästhetik. Die Anthropologie erhebe Einspruch gegen eine einseitige Perspektive auf den Menschen, daher der Blick auf den 'ganzen Menschen'. Nach Kant solle die Anthropologie nicht physiologisch fragen, was die Natur aus dem Menschen macht, sondern was er als frei handelndes Wesen aus sich selber macht oder machen kann oder soll. Hier gerate die Anthropologie in eine Kompetenzkonkurrenz zur Ethik und zur Geschichtsphilosophie und erlange bloß eine subalterne Stellung in der Praktischen Philosophie. Dieser subalternen Stellung entgehe die Anthropologie erst, wo sie sich zu ihrem physiologischen Programm bekenne, in der Naturphilosophie des deutschen Idealismus und der Romantik; sie bekam eine zentrale Stellung in der Philosophie der ersten Hälfte des 19. Jhd. Aus dem Blickwinkel der Geschichtsphilosophie kritisiert Hegel die Anthropologie, z.B. in seiner Kritik an der reinen Naturbestimmtheit des Menschen, die in der Romantik als Philosophie der Unmittelbarkeit erscheine. Nach Hegel kann Anthropologie nur noch die Theorie der menschlichen "Möglichkeit" sein, im Gegensatz zur Geschichtsphilosophie als Theorie der menschlichen "Wirklichkeit". Hegel-Schüler radikalisierten diese Kritik unter dem polemischen Titel "Anthropologismus"; andere wie z.B. Dilthey destruierten wiederum den geschichtsphilosophischen Ansatz in der Behauptung, die Geschichte sage nichts anderes, als daß die Natur des Menschen immer dieselbe sei, die Wahrheit des Menschen sei seine immergleiche Natur. Ritter habe in diesem Kontext darauf aufmerksam gemacht, daß die Philosophie in der Anthropologie zwar den "glänzenden Schein einer Weltanschauung" gewinne, aber ihre "wissenschaftliche Funktion" zu verlieren drohe, da sie immer nur ein bestimmtes Menschenbild (und damit eine bestimmte Weltanschauung) expliziere oder gar proklamiere, mindestens aber impliziere (Marquard, 1971, 369).

1.3 Wende zur Lebenswelt

Die Wende zur Lebenswelt in der Gegenwartsphilosophie rührt Marquard zufolge daher, daß die Philosophie weder nur erkenntnistheoretisches Instrument der Naturwissenschaften noch traditionelle Metaphysik sein wolle. Mit dieser Hinwendung zur Lebenswelt werde jedoch die Konkurrenz zwischen Anthropologie und Geschichtsphilosophie perpetuiert. So kritisierten etwa die Phänomenologie, die Existenzphilosophie und der Marxismus die Anthropologie aus einer geschichtsphilosophischen Haltung heraus (z.B. Heidegger: "Als Anthropologie geht die Philosophie zugrunde.") während wiederum im Osten die Hinwendung zur Anthropologie Bedeutung als Ablösung der marxistischen Geschichtsphilosophie erlangt habe. Allgemein charakteristisch für die Gegenwarts-Anthropologie sei weiterhin die Wende zur Natur als einzig verläßliche Größe. Die Definition Plessners etwa, Anthropologie sei die "Lehre vom Menschen am Leitfaden seiner Bezweifelbarkeit", bestimme sich aus grundsätzlichem Zweifel an der Geschichte, Natur stelle folglich die einzige Daseinsbasis des Menschen dar (Marquard, 1971, 369ff). Die Initialschrift für die gegenwärtige Anthropologie von Scheler (Scheler [1928] 91978) lenke den Blick auf den "Aufbau der biophysischen Welt", Prävalenz habe der Bezugspunkt 'Natur', der Biologie werde eine Vorrangstellung eingeräumt. Bei Gehlen (Gehlen [1940] 1962) werde die Naturphilosophie unter Preisgabe des 'Geist'-Begriffs radikalisiert, die Naturprobleme des Menschen werden zur Instanz der Geschichte. Die Kulturleistungen des Menschen werden als Entlastung seiner natürlichen Mängellage und als Vermeidungsstrategien des drohenden Todes angesehen. Nur die Natur mache Sinn, nicht aber Geist und Geschichte; d.h. bei Gehlen aber kein "Zurück zur Natur" wie bei Rousseau, sondern ein Zurück oder Hin zur Kultur. Die Gegenwarts-Anthropologie erforsche daher nicht nur die Natur des Menschen, sondern auch dessen Kultur (im Sinne von Herders 'Kulturanthropologie'), nicht als Geschichtsphilosophie, wie Marquard betont, sondern als eine "Philosophie auch der Geschichte". Habermas (Habermas, 1958, 20) jedoch hat auf diesem Hintergrund den Anspruch der phil. Anthropologie als begründende Wissenschaft in Frage gestellt und definiert sie als bloß verarbeitende 'reaktive' Einzelwissenschaft. Anthropologie erscheint hier als Kompensat versagender Geschichtsphilosophie; sogar die beiden konkurrierenden Kulturwissenschaften, die Geisteswisssenschaften und die Soziologie, so Marquard, seien in diesem Sinne auf Anthropologie aus. Auf der Basis der Geisteswissenschaften und in Anlehnung an Dilthey habe etwa Rothacker (Rothacker 1964) die Kultur-Anthropologie als Theorie der "Kulturstile" definiert, Cassirer seine Theorie der menschlichen Kultur anhand des "homo symbolicus" ebenfalls anthropologisch genannt. Auf dem Hintergrund der amerikanischen 'cultural anthropology' habe Mühlmann die Frage nach 'transkulturellen Konstanten' oder 'kulturellen Varianten' aufgeworfen. In der Soziologie sei die Rede vom "künstlichen Menschen" (Schelsky) und vom "homo sociologicus" (Dahrendorf) (s. Marquard, 1971, 372ff). Bezugspunkt aller dieser Versuche bleibt immer noch die Natur. Auch die Soziologie gehe von 'sekundären Systemen' (Gehlen) aus, von einer Entgegensetzung von Naturkulturen und Spätkulturen, knüpfe an die 'Anthrobiologie' (im Bündnis mit 'cultural anthropology' und Ethnologie) an. Auch die strukturale Anthropologie räume der Geschichtsphilosophie als einem "letzten Refugium eines transzendentalen Humanismus" keinen bevorzugten Platz ein (Lévi-Strauss).

1.4 Das Dilemma von Natur- vs. Geschichtsphilosophie - Aporie der philosophischen Anthropologie?

Marquard (Marquard 1971) sieht die philosophische Anthropologie in den 60er Jahren in einem unversöhnlichen Dilemma zwischen Natur- und Geschichtsphilosophie verhaftet. In "Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie" (Marquard 1973) trifft Marquard selbst "Vorbereitungen zum Abschied von der Geschichtsphilosophie" und "Vorbereitungen zum Abschied der Anthropologiekritik". Angesichts von phil. Anthropologie als zentralem Thema der Philosophie und dem unversöhnlich scheinenden Gegensatz von Natur- und Geschichtsphilosophie sei es notwendig, diesen Gegensatz zu liquidieren, was - wie er selbst sagt - nicht restlos möglich sei. Den notwendigen Zusammenhang von Anthropologie und Geschichtsphilosophie betonen dagegen Grundner u.a. und auch Ignatow (Grundner/Krausser/Weiss 1974 und Ignatow 1993). In einem Lexikonartikel zur phil. Anthropologie versucht Landmann (Landmann 1984) dem Dilemma zwischen Natur- und Geschichtsphilosophie zu entgehen, indem er die phil. Anthropologie erneut als "Fundament aller Humanwissenschaft" entwirft. Historisch diagnostiziert er, ähnlich Marquard, den Anthropomorphismus der Philosophie nach dem Theozentrismus. Im 18. und 19. Jahrhundert sei der Mensch auf engere Disziplinen aufgeteilt worden und danach "als solcher nicht mehr thematisiert worden", in den 20er Jahren des 20. Jhd. sei deshalb ein Bedürfnis nach einer Gesamtschau entwickelt worden. Den gegenwärtigen Vorwürfe gegen die Anthropologie (von Habermas, die Anthropologie sei nur reaktiv und habe keine eigene Methode; von Jaspers, Anthropologie unterliege einer dinghaften Verfestigung und Ontologisierung des Menschen; von Marquard, Anthropologie sei naturalistisch, indem sie die Geschichtsphilosophie außer acht lasse) könne entgegnet werden, diese Vorwürfe träfen auf die klassischen Menschenbilder zu, die eine bestimmte inhaltliche Ausprägung des Menschseins für mustergültig erklärten. Im 20. Jhd. seien aber weder das religiöse noch das humanistische und naturalistische Menschenbild verbindlich. Dies treibe die Frage nach dem Menschen eine Schicht "tiefer" (Scheler). Die moderne formale Anthropologie verfahre dagegen nicht im Sinne der mustergültigen klassischen Menschenbilder, sondern suche nach dem Möglichkeitsgrund all jener inhaltlichen Ausprägungen: die Struktur des Menschen bilde das elementare Apriori. Die formale Anthropologie gehe methodisch folgendermaßen vor: Von menschlichen Eigenschaften aus, sog. "Anthropina" wie z.B. aufrechter Gang, Sprache (Herder), Angst (Kierkegaard), werde erst in einem zweiten Schritt die transzendentale Rückfrage gestellt: "Wie muß ein Wesen beschaffen sein, bei dem diese Eigenheit eine sinnvolle und notwendige Funktion versieht?" Eine solche Frage sei aber heute kein Ausdruck einer metaphysischen Anthropologie mehr, denn auch die Humanbiologie gehe von einer 'Entwicklungsfähigkeit' aus. Aufgrund der "anthropinen Lücke" aber dürfe und müsse der Mensch sich in den Kulturen gleichsam selbst zuendeschaffen. Mit einer solchen Perspektive sei in der modernen Anthropologie nach Landmann der Weg frei für eine ganzheitliche und doch nicht primitiv naturalisierende Auffassung; ganzheitlich heißt hier: "Nur wo kein Dualismus herrscht, hat Anthropologie ihren Ort." Scheler noch sei vom Dualismus zwischen 'Drang' und 'Geist' ausgegangen, aber Plessner habe den Menschen schließlich in "exzentrischer Distanz" zu sich selbst bestimmt. "Als ineinandergreifende Gefügeeinheit sieht die moderne Anthropologie nicht nur Seele und Leib, sondern auch Individuum und geschichtlich-gesellschaftliches Ganzes, subjektiven und objektiven Geist", faßt Landmann zusammen. In diesem Sinne habe sie, so Landmann, eine Nähe zur Kultur-Anthropologie und der amerikanischen Schule der Ethnologie ('cultural anthropology'). Nach Gehlen sei der Mensch als "unspezialisiertes Mängelwesen" zu sehen, das den Sozialraum, kulturelle Errungenschaften und Normen brauche; es entlaste sich durch selbsterzeugte Institutionen, unter denen die Sprache hervorrage. "Kulturen", so Landmann, "sind geschlossene, Haltung prägende Lebensstile, in denen die Deutungssymbole des Lebens und seine reale Formung sich gegenseitig hochstilisieren. Jede solche kulturelle Umwelt können wir aber verstehend und uns wandelnd wieder überschreiten". Der Mensch sei nach Nietzsche das "nicht festgestellte" Wesen und daher "unergründlich" (Plessner). Kreativität und Modellierbarkeit seien die Pole des Kulturwesens als Geschichtswesen (s. dazu auch Landmann 1971 und 1984). Auch Rombachs "Strukturanthropologie" (Rombach 1987), auf die sich viele neuere Arbeiten stützen, will von im Menschen angelegten Strukturen ausgehen anstatt des in der bisherigen phil. Anthropologie angelegten spezifischen (beschränkten) Selbstverständnisses des Mensch-Seins. Rombach versteht den Menschen als ein Wesen, das sich gegenwärtig im Umbruch befinde: "Der Mensch ist erst dabei, Mensch zu werden. Voreilig hat er sich einen Gattungsnamen zugelegt, noch bevor er den ganzen Wesensumfang, zu dem er fähig ist, in Besitz genommen hat." Nötig sei in der Philosophie eine Hinwendung zur Denkform der Struktur. Rombach plädiert methodisch für eine kritische Phänomenologie, die allein der modernen Selbsterfahrung, die eigentlich eine "Verfallsform der Normalphänomene" sei, adäquat sei: "Die Methode der 'kritischen Phänomenologie' geht dahin, daß sie die Phänomene nicht nur beschreibt, wie sie sind, sondern sie auf diejenige Struktur hin zu durchleuchten sucht, die in ihnen angezielt und 'gemeint' (intendiert) ist."

1.5 Die Unmöglichkeit eines Begriffs vom Menschen - Grundsätzliche Kritik an der klassischen phil. Anthropologie

Auch Kamper (Kamper 1973) diagnostiziert - ähnlich Marquard - die Sackgasse, in die die Diskussion um die philosophische Anthropologie geraten ist. Im Gegensatz zu Marquard aber, der eine Versöhnungsmöglichkeit von Natur- und Geschichtsphilosophie und eine positive Bestimmung einer phil. Anthropologie anvisiert, kommt Kamper zu dem Schluß, daß die Beschäftigung mit der philosophischen Anthropologie als Ganzes auf der Stelle trete und dieses Dilemma nur durch eine Kritik bzw. Destruktion der Anthropologie angegangen werden könne. Das Problem "Mensch" sei durch anthropologische Theoreme verschüttet worden und müsse durch Kritik erst freigelegt werden. So fordert Kamper eine historische Perspektive nicht nur auf den Menschen, sondern auf die (phil.) Anthropologie, die ihre eigene Auffassung vom Menschen historisch differenzieren müsse. Der Beginn der Anthropologie sei nämlich mit dem Aufkommen des Bürgertums gleichzusetzen, welches mit dem Begriff des "allgemeinen Menschen" eine neue Ordnungsmacht gegen die Theologie habe errichten wollen. Schließlich beruft sich Kamper auf Heideggers Fundamental-Ontologie als Höhepunkt der Anthropologiekritik. Das grundlegende Problem der Anthropologie sei, daß sie schon vor jeder Untersuchung bei der Wahl ihrer Methoden von einem konkreten Menschenbild, einer ganz bestimmten Auffassung vom Menschen ausgehen müsse und damit in jeder Untersuchung nur eben dieses Menschenbild wiederfinde. Kamper konstatiert ein Paradox: die "Unmöglichkeit eines Begriffs vom Menschen". Sein Lösungsweg ist die "anthropologische Differenz": "Ein Begriff vom Menschen, der die Unmöglichkeit eines Begriffes vom Menschen begrifflich nachweist, steht noch aus.[...] Dies genau wäre der Inhalt der anthropologischen Differenz." Mit dem Begriff "anthropologische Differenz" plädiert Kamper für eine unverzichtbare selbstreflexive Perspektive der phil. Anthropologie aufgrund ihrer strukturellen Probleme. Phil. Anthropologie müßte vor jeglicher Frage nach dem Menschen aus einer Perspektive der Differenz heraus ihren Begriff vom Menschen historisch und methodisch reflektieren, wenn nicht einen allgemeinen Begriff vom Menschen überhaupt aufgeben, so könnte man folgern. Kamper stand nicht allein mit seinem Unbehagen an der Weite des Begriffs 'Philosophische Anthropologie' und der Frage, ob nicht methodische und strukturelle Probleme es überhaupt unmöglich machen, ein einheitliches "Bild vom Menschen" zu gewinnen, wie es die 'Neue Anthropologie' der 60er Jahre trotz aller Ausdifferenzierung und Vielfalt intendierte. Sonnemann bringt angesichts dieser Probleme den Begriff der "Negativen Anthropologie" in die Debatte (Sonnemann [1969] 1981). Hier scheint auch ein grundsätzliches Problem auf, das sich durch die Geschichte der Anthropologie hindurch verfolgen läßt. Zum einen scheint eine Ausdifferenzierung und Pluralität der anthropologischen Disziplinen unausweichlich, um einem möglichst differenzierten, komplexen und vollständigen Menschenbild gerecht zu werden; zum anderen scheint in dieser Ausdifferenzierung immer wieder die reflexive Beschreibbarkeit von Anthropologie als einer methodisch und theoretisch homogenen Disziplin verloren zu gehen. In diesem Dilemma ebbt die Diskussion um die phil. Anthropologie Ende der 70er Jahre zunächst ab oder mündet in die historische Anthropologie, bevor erst (bis auf wenige Ausnahmen) in den 90er Jahren erneute Versuche einer Neudefinition einer phil. Anthropologie erfolgen. Jedoch scheint auch hier die Wiederaufnahme anthropologischer Ansätze begleitet von einer inflationären Begriffsverwendung, die wieder ganz allgemein vom Menschen redet. Auf diesem Hintergrund bleibt die immer wieder bemühte Konvergenz der phil. Anthropologie zur 'cultural anthropology' zunächst äußerst unbestimmt. Innerhalb der Philosophie ließen sich aber Richtungen ausmachen, die sich entweder auf anderem Wege einer anthropologischen (im Sinne einer kulturanthropologischen) Perspektive annähern, ohne eine solche Ausrichtung explizit zu machen, oder aber die wichtige Anregungen für eine eventuelle Neudefinition und Neuausrichtung der philosophischen Anthropologie beinhalten (s. dazu 'Interkulturelles Denken' in Teil 3 'Interkulturalität').

1. Einführungen, Forschungsüberblicke, Lexikonartikel

Benedikt, Michael/Burger, Rudolf (Hgg.): Kritische Methode und Zukunft der Anthropologie, Wien 1985 (Philosophica 6).

Böhme, Gernot: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. Darmstädter Vorlesungen, Frankfurt 1985.

Brugger, Walter: Grundzüge einer philosophischen Anthropologie, München 1986. [als Nachschlagewerk konzipiert mit ausführlichem Inhalts- und Literaturverzeichnis, jedoch erschwert die Vielzahl der vereinzelten und sehr knapp gehaltenen Artikel die sinnvolle Arbeit]

Coreth, Emerich: Was ist der Mensch? Grundzüge philosophischer Anthropologie, Innsbruck 1973.

Dölle-Oelmüller, Ruth/Oelmüller, Willi: Grundkurs Philosophische Antropologie, München 1996 (UTB 1906) ["Mit Staunen und Erschrecken stellen Menschen in verschiedenen Situationen und an verschiedenen Orten etwa solche Fragen: "Was bin ich? oder Was bist du doch für ein Mensch? Was ist der Mensch, seine Größe und sein Elend?" Die Autoren wollen nun einen Leitfaden für einen möglichen Antwortenkatalog entwickeln. Dazu geben sie zu Beginn einen Überblick über Antwortversuche am Beginn der europäischen Geschichte (altes Testament, Sophokles, Sophisten, Platon, Aristoteles, Epikur, Kyniker, Stoiker und Protagoras), dem sie "philosophische und wissenschaftliche Anthropologie seit dem 18. Jahrhundert" gegenüberstellen (Holbach, Darwin, Monod, Kant, Herder, Marx, Plessner, Pascal). Die einzelnen Kapitel sind durch Merkkästen, in denen die "wichtigsten" Informationen gesammelt sind, strukturiert. Sehr weiter Anthropologie-Begriff, so daß dessen Relevanz nicht mehr ersichtlich wird]

Donceel, J.F.: Philosophical Anthropology, New York 1967.

Graber, Franz: Die Weltoffenheit des Menschen. Eine Darstellung und Deutung der philosophischen Anthropologie, Stuttgart/München 1974 (Neue Anthropologie Bd.6/7).

Habermas, Jürgen: Anthropologie, Artikel im Fischer-Lexikon, Bd. Philosophie, Frankfurt/M. 1958, 20.

Haeffner, Gerd: Philosophische Anhtropologie, Stuttgart 1982 (Grundkurs Philosophie 1).

Hengstenberg, Hans-Eduard: Philosophische Anthropologie, München 1984.

Hüllen, Jürgen: Mensch sein - human werden. Grundzüge kritischer Anthropologie, Frankfurt 1985.

Jacques, Francis: Différence et Subjectivité. Anthropologie d'un point de vue rélationel, Paris 1991.

Kamper, Dietmar: Geschichte und menschliche Natur. Die Tragweite gegenwärtiger Anthropologiekritik, München 1973. [Überblick über die Klassiker Scheler, Plessner, von Weizsäcker, Rothacker und Gehlen, und über die Ausdifferenzierung der Anthropologie, Kritik am gescheiterten Versuch einer Gesamtanthropologie und Plädoyer für einen historischen Blickwinkel]

Keller, Wilhelm: Einführung in die philosophische Anthropologie, München 1971.

Landmann, Michael: Fundamentalanthropologie, Bonn (2. erw. Aufl.) 1984. [darin besonders der Artikel "Anthropologie (philosophischer Aspekt). Ein Lexikonartikel", Überblick über verschiedene Strömungen der phil.A. des 20.Jhd.]

Lorenz, Kuno: Einführung in die philosophische Anthropologie, Darmstadt 1990.

Luyten, N.-A./Schefflzyk, L.: Veränderungen im Menschenbild, Freiburg/München 1987.

Marquard, Odo: Anthropologie, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hg.v. Joachim Ritter, Basel 1971, S.362-374. [Historische Herleitung des Begriffs A. und Einteilung nach Epochen, sehr guter Überblick über die Entwicklung der Anthropologien bis Anfang der 70er Jahre und einen Ausblick auf die Anthropologie-Kritik, behandelt die Unvereinbarkeit von Anthropologie und Geschichtsphilosophie; auch ausführliche Literaturhinweise zur Geschichte der Anthropologie]

Pleger, Wolfgang H.: Differenz und Identität. Die Transformation der philosophischen Anthropologie im 20.Jhd, Berlin 1988. [Sehr guter Überblick über Gehlen, Scheler, Plessner u.a. und Versuch, verschiedene Positionen in Bezug zueinander zu setzen; Inhalt: I. Zur Vorgeschichte der philosophischen Anthropologie im Übergang vom 19. und 20. Jhd: Nietzsche ("Naturnotwendigkeit und experimentelle Freiheit") und Dilthey ("Leben und Geschichte"); II. Mensch und Welt - Krise und Kritik der metaphysischen Anthropologie: Heidegger ("Dasein und Sein"), Scheler ("Gefühlsdrang und Geist") und Sartre ("Existenz und Freiheit"); III. Natur und Gesellschaft - Der Anspruch der Wissenschaft: Freud ("Die Macht des Unbewußten und die Methode der Ichstärkung"), Plessner ("Die exzentrische Position des Menschen"), Gehlen ("Entlastung durch Institution" und Portmann vs. Lorenz ("Gestaltbildung versus Arterhaltung - Zwei alternative naturwissenschaftliche Konzepte"), IV. Geschichte und Praxis - Konzepte einer dialektischen Anthropologie: Bloch ("Identität als konkrete Utopie"), Marcuse ("Eros und Gesellschaft") und Kosík ("Die Dialektik der Praxis")]

Plessner, Helmuth: Die Stufen des Organischen und der Mensch. Einleitung in die philosophische Anthropologie, Berlin (3.Aufl.) 1975.

Pöhlmann, H.G. (Hg.): Was ist der Mensch?, Gütersloh 1979.

Rothacker, Erich: Philosophische Anthropologie, Bonn 1964.

2. Philosophische Anthropologie im engeren Sinne

Gehlen, Arnold: Anthropologische Forschung, Frankfurt/M. 1961.

ders.: Der Mensch. Seine Natur und Stellung in der Welt, Frankfurt 1962 (zuerst 1940).

ders.: Urmensch und Spätkultur. Philosophische Ergebnisse und Aussagen, Frankfurt/M. 1964 (zuerst 1956).

Ignatow, Assen: Anthropologische Geschichtsphilosophie. Für eine Philosophie der Geschichte in der Zeit der Postmoderne, Sankt Augustin 1993. [Ignatow versucht, "eine geschichtsphilosophische Theorie zu entwerfen", um diesen totgesagten Zweig der Philosophie wiederzubeleben bzw. fehlerhafte Einschätzungen postmoderner Philosophen zu korrigieren; Infragestellung des Geschichts-Begriffs als teleologisches Konzept und als Reduktion auf die "eine§ Geschichte]

Kamlah, Wilhelm: Philosophische Anthropologie. Sprachkritische Grundlegung und Ethik, Mannheim 1973.

Landmann, Michael: Das Ende des Individuums. Anthropologische Skizzen, Stuttgart 1971.

Marquard, Odo: Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie, Frankfurt/M. 1973. [Aufsatzsammlung von den "Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie" über "Vorbereitungen zum Abschied von der Geschichtsphilosophie" zu "Vorbereitungen zum Abschied von der Anthropologiekritik"; These, phil.A. sei als Gegenbewegung zur klassischen Philosophie entstanden, als "Wende zur Lebenswelt" und als "Wende zur Natur"; Versuch, den Gegensatz zwischen Geschichtsphilosophie und Anthropologie aufzuheben]

Müller, Max: Philosophische Anthropologie (herausgegeben von W. Vossenkuhl mit einem Beitrag "Zur gegenwärtigen Anthropologie"), München 1974.

Pfligersdorffer, Georg (Hg.): Blickpunkt philosophischer Anthropologie. Fünf Vorträge, Salzburg 1983 (Veröffentlichungen des internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg, Neue Folge Bd.9). [Inhalt: Marian Heitger: Werterziehung in der pluralistischen, freiheitlich-demokratischen Gesellschaft, Peter Kampits: Die Machbarkeit des Menschen als Herausforderung an die philosophische Anthropologie, Hans Köchler: Erkenntnistheorie als biologische Anthropologie?, Helmut Konrad: Sprache und Nähe als ein Problem von Sprache und Bildung, Wilhelm J.Revers: Spontaneität und Normen im menschlichen Werden]

Plessner, Helmuth: Die Aufgabe der philosophischen Anthropologie (1936), in: ders: Zwischen Philosophie und Gesellschaft, Bern 1953.

ders.: Die Stufen des Organischen und der Mensch, Berlin 1975 (zuerst 1928).

ders.: Philosophische Anthropologie: Lachen und Weinen, Frankfurt/M. 1970.

ders.: Die Frage nach der Conditio Humana, Frankfurt/M. 1976.

Rombach, Heinrich: Strukturanthropologie. "Der menschliche Mensch", Freiburg 1987. [Der Mensch als Wesen, das sich gegenwärtig im Umbruch befindet, weg vom Denken in der Grundform des Systems hin zur Denkform der Struktur; Kritik am bisherigen von der phil. A. geleiteten Selbstverständnis des Menschen, das reduzierte Selbsterfahrung in der Moderne und Selbstverkleinerung des Menschen bedeute; das Menschsein sei noch nicht voll entfaltet, "Intentionsanalyse" nach Husserl]

Rothacker, Erich: Probleme der Kultur-Anthropologie, in: Systematische Philosophie, hg.v. N. Hartmann, 1942, 55-198.

Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos, Bern (9.Aufl.) 1978 (zuerst 1928).

Schelsky, Helmut: Der Mensch in der wissenschaftlichen Zivilisation, Köln 1961.

Scherer, Georg: Grundphänomene menschlichen Daseins im Spiegel der Philosophie, Düsseldorf 1994.

Schilling, Christof: Moralische Autonomie. Anthropologische und diskurstheoretische Grundstrukturen, Paderborn 1996 (Diss. Univ. Tübingen 1994). [Schilling beschreibt die 'Moralische Autonomie' in der Diskursethik von Habermas und die Autonomie bei Kant und untersucht die anthropologischen Grundlagen von Handlungsfreiheit und praktischer Vernunft. "Wie in dieser Rekonstruktion des Begriffs moralischer Autonomie strukturellanthropologische und diskurstheoretische Grundlagen ineinandergreifen, so bleibt auch auf der ("existenziellen") Ebene faktischer Lebensführung sowohl die Ausbildung eines Selbstverständnisses als moralisch autonome Person als auch die Entfaltung der moralischen Vernunft des Individuums abhängig von einem soziokulturellen Kontext, der dieses Selbstverständnis ermöglicht und der Raum bietet für moralische Rechtfertigung in ihrer ganzen argumentativen Komplexität. Die moralische Autonomie des Individuums stellt sich so dar als eingebettet in eine, wie auch immer partikulare, postkonventionelle "Kultur der Vernunft", in der die radikale moralische Freiheit des Individuums strukturell verschränkt ist mit der sozialen Dimension diskursiver Kritik und Rechtfertigung." (S.231f)]

Seifert, Josef: Leib und Seele. Ein Beitrag zur philosophischen Anthropologie, Salzburg 1973. [Seifert knüpft an eine Tradition zur philosophischen Leib-Seele-Diskussion an unter besonderer Berücksichtigung zeitgenössischer Autoren wie z.B. Feigl (s. auch ders. in Gadamer, Neue Anthropologie Bd.5). Umfangreiche Behandlung der Problematik von den Anfängen bei Aristoteles und Platon bis heute mit Vorab-Reflexion über die eigene wissenschaftliche Methodik] Bellut, Clemens: (Hr.): Mensch und Moderne: Beiträge zur philosophischen Anthropologie und Gesellschaftskritik (zum 60.Geb. von Helmut Fahrenbach), Würzburg 1989.

Sonnemann, Ulrich: Negative Anthropologie. Vorstudien zur Sabotage des Schicksals, Frankfurt/M. 1981 (zuerst 1969).

3. Anthropologie im Kontext der philosophischen Anthropologie

Barkhaus, Annette u.a. (Hgg.): Identität, Leiblichkeit, Normativität: neue Horizonte anthropologischen Denkens, Frankfurt/M. 1996.

Becker, Christian: Selbstbewußtsein und Individualität: Studien zu einer Hermeneutik des Selbstverständnisses, Würzburg 1993.

Biella, Burkhard: Zur Kritik des anthropofugalen Denkens, Essen 1986.

Blechmann, Wilhelm: Der Mensch im Futteral: Umrisse einer kritischen Kulturanthropologie, Stuttgart 1980.

Cassirer, Ernst: Versuch über den Menschen: Einführung in die Philosophie der Kultur, Frankfurt 1990.

Claessens, Dieter: Anthropologische Grundlagen modernen Denkens, Düsseldorf 1970.

Dietrich, Rainer/Pfeiffer, Carsten (Hg.): Freiheit und Kontingenz. Zur interdisziplinären Anthropologie menschlicher Freiheiten und Bindungen. Festschrift für Christian Walther, Heidelberg 1992 (Person und Umwelt - Theoretische und praktische Perspektiven Bd.3). [Dieser Band ist nur im weitesten Sinne dem Thema 'Philosophische Anthropologie' zuzuordnen. Die Aufsätze beschäftigen sich vorwiegend mit 'Freiheit' in bezug auf religiöse und kirchliche Fragestellungen.]

Frey, Gerhard: Anthropologie der Künste, München 1994 (Alber-Reihe Philosophie).

Gadamer, Hans-Georg/Vogler, Paul (Hg.): Neue Anthropologie, Stuttgart, München 1972-1975. [Diese Reihe bietet einen umfassenden Überblick über die Ausdifferenzierung der Anthropologie in den 70er Jahren, die Weite und Vielfältigkeit des Feldes der Anthropologie]

In dieser Reihe erschienen:

dies.: Bd.1: Biologische Anthropologie Teil 1, München 1972. [darin: H.-G.Gadamer: Theorie, Technik, Praxis - die Aufgabe einer neuen Anthropologie, P.Vogler: disziplinärer Methodenkontext und Menschenbild, H.Schaefer/P.Novak: Anthropologie und Biophysik, K.Steinbuch: Ansätze zu einer kybernetischen Anthropologie, A.Sollberger. Biologische Rhythmusforschung, St.Vogel: Komplementarität in der Biologie und ihr anthropologischer Hintergrund, R.Bachmann: Anthropologische Relevanz der allgemeinen Ontogenie, O.H.Schindewolf: Phylogenie und Anthropologie aus paläontologischer Sicht, A.Remane: Die Bedeutung der Evolutionslehre für die allgemeine Anthropologie, H.M.Peters: Historische, soziologische und erkenntniskritische Aspekte der Lehre Darwins]

dies.: Bd.2: Biologische Anthropologie Teil 2, München 1972. [darin: I.Eibl-Eibesfeldt: Stammesgeschichtliche Anpassung im Verhalten des Menschen, B.Hassenstein: Das spezifisch Menschliche nach den Resultaten der Verhaltensforschung, D.Ploog: Kommunikation in Affengesellschaften und deren Bedeutung für die Verständigungsweisen des Menschen, H.Schnipperges: Anthropologie in der Geschichte der Medizin, K.Goerttler: Morphologische Sonderstellung des Menschen im Reich der Lebensformen auf der Erde, W.Kretschmer: Konstitution und Rasse, K.Wezler: Menschliches Leben in der Sicht des Physiologen, W.Doerr: Anthropologie des Krankhaften aus der Sicht des Pathologen, P.Vogler: Theorienbildung in der Medizin und die Lehre der Grundfunktionen]

dies.: Bd.3: Sozialanthropologie, München 1972. [darin: F.Wagner: Mensch und Umwelt - Ein Kulturvergleich, H.Glubrecht: Das Wachstum der Weltbevölkerung und seine anthropologischen Konsequenzen, F.Baade: Ökonomische Chancen des Menschen in dieser Welt, F.Pirchner: Tierzucht, G.Schmölders: Das Bild vom Menschen in der Wirtschaftstheorie, Th.Luckmann: Zwänge und Freiheiten im Wandel der Gesellschaftsstruktur, R.Schubert: Aufgabe und Ziele der Gerontologie, G.Albers: Städtebau und Menschenbild - Zur Entwicklung der Leitvorstellungen in der Raumplanung seit der industriellen Revolution, E.Kühn: Anmerkung zum Verhalten des Großstädters, A.H.Hawley: Urbanisierung und Modernisierung, H.Hoffmann: Die Stadt als Ausweg]

dies.: Bd.4: Kulturanthropologie, München 1973. [darin: K.J.Narr: Beiträge der Urgeschichte zur Kenntnis der Menschennatur, K.Jettmar: Die Anthropologische Aussage der Ethnologie, F.J.J.Buytendijk: Das Menschliche Spielen, A.Nitschke: Verhalten und Wahrnehmung, A.Heuss: Zum Problem einer geschichtlichen Anthropologie, F.Wagner: Universalgeschichte und Gesamtgeschichte, H.Bianchi: Der Mensch und sein Rechtssystem, C.J.Friedrich: Entscheidung und Planung in politischer Perspektive, A.Nitschke: Anthropologie mittelalterlicher Naturwissenschaftler, K.Alsleben: Infomationstheorie und Ästhetik, P.Gorsen: Kunst, Literatur und Psychopathologie heute, A.Greither: Anthropologie der Musikinstrumente]

dies.: Bd.5: Psychologische Anthropologie, München 1973. [darin: H.Feigl: Leib-Seele, kein Scheinproblem, Y.Reenpää: Über das Körper-Seele-Problem, J.Bredenkamp/C.F.Graumann: Möglichkeiten und Grenzen mathematischen Verfahrens in den Verhaltenswissenschaften, O.W.Haseloff: Kommunikation, Transformation und Interaktion, R.B.Cattell/S.E.Krug: Persönlichkeit - die Ansicht des Experimentators, J.Nuttin: Das Verhalten des Menschen: Der Mensch in seiner Erscheinungswelt, S.Koch: Psychologie und Geisteswissenschaften, K.Holzkamp: Verborgene Voraussetzungen der allgemeinen Psychologie, W.Toman: Motivationsmodelle und ihre anthropologische Aussage, H.Thomae: Formen der Daseinsermöglichung, C.Bühler/R.Ekstein: Anthropologische Resultate aus biographischer Forschung, D.von Uslar: Ontologische Voraussetzungen der Psychologie]

dies.: Bd.6: Philosophische Anthropologie Teil 1, München 1975. [darin: W.Keller: Philosophische Anthropologie - Psychologie - Transzendenz, H.Kunz: Die Erweiterung des Menschenbildes in der Psychoanalyse Sigmund Freuds, W.Bräutigam: Anthropologie der Neurose, H.Tellenbach: Die Begründung psychiatrischer Erfahrung und psychiatrischer Methoden in philosophischen Konzeptionen vom Wesen des Menschen, R.Schinzinger: Das Bild des Menschen in der japanischen Tradition und Vorkriegsphilosophie, H.Steininger: Die Stellung des Menschen im Konfuzianismus und im Taoismus, H.Hoffmann: Das Menschenbild des indischen religiösen Genies, E.Bannerth: Der Mensch im Islam, K.Kerényi: Die anthropologische Aussage des Mythos, E.Jüngel: Der Gott entsprechende Mensch; E.Benz: Der Mensch in christlicher Sicht]

dies.: Bd.7: Philosophische Anthropologie Teil 2, München 1975. [darin: H.Plessner: Anthropologie der Sinne, W.W.Bartley III: Wissenschaft und Glaube: Die Notwendigkeit des Engagements, P.Watzlawick: Wesen und Form menschlicher Beziehung, R.Panikkar: Verstehen als Überzeugtsein, L.Weisgerber: Die anthropologische Tragweite der energetischen Sprachbetrachtung, J.Lohmann: Die Sprache als das Fundament des Menschseins, Ch.Morris: Sprechen und menschliches Handelns, P.Lorenzen: Das menschliche Fundament der Mathematik, K.O.Apel: Das Leibapriori der Erkenntnis. Eine erkenntnisanthropologische Betrachtung im Anschluß an Leibnizens Monadenlehre, F.Kambartel: Erkennen und Handeln. Methodische Analysen zur Ethik, D.von Uslar: Die Welt als Ort des Menschen (Spinoza, Leibniz, Schelling, Heidegger), K.Löwith: Zur Frage einer philosophischen Anthropologie, H. Kuhn: Werte - eine Urergebenheit]

Grossheim, Michael: Leib und Gefühl: Beiträge zur Anthropologie, Berlin 1995.

Grundner, Klaus-Jürgen/Krausser, Peter/Weiss, Heinrich (Hg.): Der Mensch als geschichtliches Wesen. Anthropologie und Historie. Mit einem Geleitwort von Heinz Heimsoeth, Stuttgart 1974. [Inhalt: Rainer Nickel: Poseidonis und Senecas 90. Breif an Lucilius, Wolfgang Hübener: Aneignung des Überlieferten - Versuch einer strukturanalytischen Rechtfertigung von Heideggers Aristoteles-, Kant- und Hegeldeutung, Peter Krausser: Zu einer systematischen Rekonstruktion der Erkenntnis-Anthropologie in Kants "Kritik der reinen Vernunft": Der Schematismus der Kategorien, Michael Strauss: Die Rückwirkung zweckgerichteter Tätigkeit, Otto F. Bollnow: Über einen Satz Diltheys, Ingetrud Pape: Zur Grundlegung einer Meta-Ethik im anthropologischen Verstande, Arnold Gehlen: Erfahrung zweiter Hand, Ernst Bloch: Herausbringen, unverfälschtes Ordnen - Über die Möglichkeit eines Systems, aber eines offenen, Wilhelm Weischedel: Der Mensch im planetarischen Zeitalter, Elfriede Tielsch: Kritik der Philosophiegeschichtsschreibung, exemplifiziert am Thema "Das Verhältnis von Naturwissenschaft und Materialismus", Michael Landmann: Materialien zur Selbstdarstellung]

Holz, Harald: Personalität als Wesen und Geschichte, München 1974 ["Es wurde versucht, einen Totalaspekt zu gewinnen, der die Frage stellt nach der fundamentalen Situation des Menschen, nach seinem Verhältnis zu sich selbst: als Individuum wie als Gemeinschaft sowie zur Welt im weitesten Sinne, und schließlich zur Transzendenz - was die Dinge nur scheinbar kompliziert, in Wahrheit jedoch vereinfacht - vereinigt mit der Frage nach der Geschichte des Menschen, wiederum unter den soeben genannten Aspekten. Dies geschieht jedoch in der Weise, daß diese Geschichte sowohl den Rückblick auf den allgemeinen Naturprozeß als auch den Vorblick auf die besondere Zukunftsdimension menschlicher Geschichte als solcher einschließt. - Der Ausweg aus den in der Natur der Sache gelegenen Schwierigkeiten durch die Erklärung ihrer Nichtexistenz bedarf hier eigentlich keiner weiteren Erwähnung; aber auch die Möglichkeit einer Lösung durch eine - wie auch immer verstandene - Dialektik schien dem Ernst der gestellten Probleme nicht voll angemessen. Der Versuch einer Lösung, wie er hier vorgelegt wird, kann demgegenüber als anthropologisch applizierte Theorie auf dem Boden einer allgemeinen Relationsphilosophie charakterisiert werden." (S.14f)]

Lévi-Strauss, Claude: Strukturale Anthropologie, Frankfurt/M. 1967. [orig.: Anthropologie Structurale, Paris 1958; Strukturanalyse in Sprachwissenschaft, Ethnologie und Anthropologie; Lévi-Strauss setzt die amerikanische cultural anthropology mit der britischen social anthropology gleich und versucht, Ethnologie und Anthropologie in Beziehung zu setzen; die amerikanische A. untersuche den Menschen in seiner ganzen historischen und geographischen Ausdehnung, Geographie, Psychologie, Soziologie, Sprachwissenschaft und Archäologie können als Teildisziplinen der A. gelten]

ders.: Das Wilde Denken, Frankfurt/M.1986.

Michalski, Krzysztof (Hg.): Der Mensch in den modernen Wissenschaften (Castelgandolfo-Gespräche 1983, Institut für die Wissenschaften vom Menschen), Stuttgart 1985.

Mühlmann, W.E.: Homo creator. Abhandlungen zur Soziologie, Anthropologie und Ethnologie, 1962.

ders./Müller, E.W.: Kultur-Anthropologie, 1966. Probst, Peter: Politik und Anthropologie. Untersuchungen zur Theorie und Genese der philosophischen Anthropologie der Gegenwart in Deutschland, Frankfurt/M. 1974 (Studienreihe Humanitas - Studien zur Philosophie; Diss. Univ. Gießen 1971) [Im ersten Teil geht Probst auf Probleme der philosophischen Anthropologie in der Gegenwart ein. Er unterteilt diese in zwei Bereiche: die mathematische und die historische Kritik der Anthropologie]

Schöpf, Alfred (Hg.): Phantasie als anthropologisches Problem, Würzburg 1981 (Studien zur Anthropologie Bd.1).

der.: Bedürfnis, Wunsch, Begehren: Probleme einer philosophischen Sozialanthropologie, Würzburg 1987.