Konstanz - Kunstwissenschaft


 

Vorlesungsverzeichnis SS 2003


Vorlesungsbeginn 28.04.2003


Proseminare - Kurse - Seminare - Kolloquium


Proseminare


Große Epochen der Kunstgeschichte exemplarisch
S.Bogen / J.Stöhr / F.Thürlemann
Mi 10–12 Uhr, A 701

Das Proseminar versteht sich als Ergänzung zur "Einführung in die Kunstwissenschaft" und gibt einen Überblick über die Epochen der europäischen Kunstgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Ziel ist es, die für die jeweiligen Perioden wichtigsten künstlerischen Konzepte kennenzulernen und in exemplarischen Einzelanalysen von Werken der drei großen Gattungen – Malerei, Skulptur und Architektur – zu erproben. Im Mittelpunkt wird die Frage nach dem Raumbezug der ausgewählten Beispiele stehen.
Leistungsnachweis zum Erwerb eines Proseminarscheines: Klausur am Ende des Semesters.

Die Zwischenprüfungen im Fach Kunstwissenschaft werden von den drei Dozenten im SS 2003 – außer in begründeten Ausnahmen – nur zum Thema dieses Proseminars abgenommen.

Links



Einführung in die Analyse ausgewählter Werke der Nachkriegsmalerei
J. Stöhr
Di 14–16 Uhr, A 704

Das Proseminar bietet in einer Auswahl exemplarischer Werke der Nachkriegsmalerei einen ersten Einblick in das Spektrum des Kunstschaffens seit 1945. Im Mittelpunkt dieser Einführung steht die Analyse von Einzelwerken. Dabei geht es darum, jeweils bildspezifisch den adäquten Zugang zu den Bildern zu erlernen und in der konkreten Bildanschauung das Vergegenwärtigigungsvermögen der visuellen Phänomene zu untersuchen.
Leistungsnachweis: Klausur.



Altar-Bild: kleine Kunstgeschichte des Altarretabels im Mittelalter
V. Möhle
Do 16–18 Uhr, H 306

Altarretabel: das sind auf oder hinter dem Altar befestigte Bilder bzw. Bildkomplexe, sprachlich ungenau auch selbst Altäre genannt. Geschnitzt oder gemalt, mit einer Ansicht oder wandelbar, gehören sie seit dem 12. Jahrhundert, insbesondere aber im Spätmittelalter zu den anspruchsvollsten und prominentesten kirchlichen Ausstattungsstücken. Im Seminar wird es darum gehen, anhand ausgewählter Beispiele Geschichte und Entwicklung dieses wichtigen mittelalterlichen Mediums nachzuzeichnen. Der Schwerpunkt wird dabei auf Werken des deutschen Sprachraums liegen, mit Seitenblicken auf die frühen italienischen und niederländischen Altarretabel. An den Werken soll vor allem das Beschreiben und Analysieren mittelalterlicher Bildsysteme eingeübt werden. Erwartet wird die regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar.

Obligatorische Einführungslektüre: Bruno Reudenbach, "Der Altar als Bildort. Das Flügelretabel und die liturgische Inszenierung des Kirchenjahres", in: Uwe M. Schneede (Hrsg.): Goldgrund und Himmelslicht. Die Kunst des Mittelalters in Hamburg, Ausstellungskatalog Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1999, S. 26–33 (Kopiervorlage im Sekretariat). Einen Überblick über viele der im Seminar zu behandelnden Werke (mit hervorragendem Bildmaterial) gibt Norbert Wolf, Schnitzretabel des 14. Jahrhunderts, Berlin 2002.

 



Kurse

Ein Gegenstück zum Genter Altar:der Paramentenschatz des Ordens vom Golden Vlies
F.Thürlemann
Do 10–12 Uhr, H 306

Der Kunsthistoriker Otto Pächt hat den im Auftrag von Philipp dem Guten im wesentlichen nach 1432 geschaffenen "Paramentenschatz" mit Recht als ein Werk bezeichnet, dessen Bekanntheit im umgekehrten Verhältnis zu seiner kunsthistorischen Bedeutung steht. Bei den heute in der Weltlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien aufbewahrten Textilien handelt es sich um ein Ensemble von zwei Altarbehängen, drei Chormänteln, einer Kasel und zwei Dalmatiken, die bei den religiösen Zeremonien des Ordens vom Goldenen Vlies getragen wurden. Was ihr ikonografisches Programm betrifft, bilden die drei Chormäntel, deren Entwurf auf Robert Campin zurückgeht, zusammen ein Gegenstück zur Feiertagsseite des Genter Altars der Brüder van Eyck mit der Allerheiligendarstellung. Durch ihre kostbare Technik – Stickereien aus Silber- und Goldfäden sowie farbiger Siede – sollten sie jedoch das im bürgerlichen Kontext entstandene malerische Vorbild übertreffen.

Zur Einführung: Felix Thürlemann, Robert Campin: eine Monographie mit Werkkatalog, München 2002, S. 155ff.



"In Between" Architektur in der Kunst / Architektur als Kunst
J.Stöhr
Do 12–14 Uhr, H 306

In der Moderne haben bildende Künstler in ihren Werken immer wieder die Grenze zur Architektur gesucht. Sie sind in ihren Installationen, Räumen oder Häusern zu "Erfahrungsarchitekten" geworden und haben damit den klassischen Werkbegriff zuletzt radikal aufgelöst. Andererseits gibt es seitens der Architektur immer wieder Konzepte, die die Bauwerke radikal von ihrer Funktionsgebundenheit lösen und in "reine" Kunst überführen wollen. Der Kurs analysiert, ausgehend von Kurt Schwitters‘ "Merzbau", die unsicher gewordene Grenze der Disziplinen. Zwischen proto-architektonischen Kunstwerken und trans-architektonischen Gebäuden entfalten sich Zwischenräume, in denen Künstler und Architekten wie etwa James Turrell, Gerhard Merz, Gregor Schneider, Eric Owen Moss oder Peter Eisenman an der Auflösung traditioneller Gattungsgrenzen arbeiten.


 



Seminare

 
  Bild als Komposition
F.Thürlemann
Do 14–16 Uhr, H 306

Seit Leon Baptista Alberti 1435 den aus der antiken Architekturtheorie stammenden Begriff der compositio in die Theorie der Malerei eingeführt hat, spielt dieser in der abendländischen Reflexion über Malerei, aber auch in der malerischen Praxis eine bedeutende Rolle. Aufgabe des Seminars ist es, die wichtigsten theoretischen Ausformungen des Begriffs in ihrem Verhältnis zur jeweiligen künstlerischen Praxis nachzuzeichnen. Insbesondere soll dabei untersucht werden, welche Funktionen der Kompositionsbegriff im Übergang von der traditionellen figürlichen zur sogenannten abstrakten Malerei, etwa den "Kompositionen" eines Kandinsky oder Mondrian, spielte.
Grundlegend für die Zeit bis zum 19. Jh.: Thomas Puttfarken, The Discovery of Pictorial Composition, New Haven/London 2000.



  Repräsentierte Zeit und Bewegung in Bildern und Diagrammen: Mittelalter/Moderne
J.Paech/S.Bogen
Di 10–12 Uhr, H 304

Bilder repräsentieren Zeit und Bewegung, lange bevor sie selbst verzeitlicht und bewegt erscheinen. Im Seminar werden neuere Bild- und Diagrammtheorien (Peirce, Deleuze) in ihren Anwendungsmöglichkeiten auf ein breites historisches Material diskutiert. Vorgesehene Themen sind u.a. die Repräsentation der heilsgeschichtlichen Zeit in mittelalterlichen Bilderzählungen, die graphische Repräsentation technischen und mechanischen Wissens in der Neuzeit (Leonardo u.a.), die Entstehung des Kurvendiagramms im 19. Jahrhundert und die wissenschaftliche Analyse von Bewegung, diagrammatische Darstellungen des Filmbildes [...].
Vor Semesterbeginn ist ein Reader mit den wichtigsten im Seminar diskutierten Texten in den Sekretariaten Kunst- und Medienwissenschaft zu erwerben.



 

Michel Foucault und die bildende Kunst
F.Wappler
Blockseminar: Obligatorische Einführung und Festlegung der Unterrichtszeiten am Fr, 9. Mai 2003, 16–18 Uhr, H 306
1. Block: 25.06.03 12-18 Uhr, 26.06.03 10.15-15 Uhr
2. Block: 17.07.03 und 18.07.03 10.15-15 Uhr
Räume werden noch bekannt gegeben.

Lässt sich Kunstwissenschaft/-geschichte als Archäologie denken, als eine diskursive Praxis, die ihre Bedingungen reflektiert? Als ein spezifisches Wissen? Ausgehend von Michel Foucaults Texten zu Bildern von Diego Velázquez, Edouard Manet, René Magritte und Marcel Broodthaers fragt das Seminar nach der Beziehung Michel Foucaults zur bildenden Kunst und Kunstgeschichtsschreibung sowie dem Status von Bildern im Denken Foucaults, das sich weitgehend auf sprachlich überlieferte "Aussagen" bezieht. Foucaults Reflexion der Autorfunktion macht die Interdiskursivität künstlerischer Produktion deutlich. Sie ist ebenso Thema wie die in der zeitgenössischen künstlerischen Arbeit vieldiskutierte Fragestellung, ob Foucaults Texte zur Geschichte der Sexualität und die damit einhergehende "Ästhetik der Existenz" für die gegenwärtige Konzeptionalisierung von Kunst und Künstlerdasein von Bedeutung sind.
Literatur: Siehe Semesterapparat.


 

   

Kolloquium

 

    Forschungskolloquium
F. Thürlemann
Do 16–18 Uhr, H 304

Das Forschungskolloquium richtet sich an fortgeschrittene Studierende, insbesondere an jene, die eine Magisterarbeit oder Dissertation vorbereiten. Voranmeldung beim Dozenten ist erwünscht.

     
   
geändert am 23. April 2003