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Konstanz - Kunstwissenschaft |
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| Dargestellte Architektur - Teil
4 Felix Thürlemann, Professor für Kunstwissenschaft/Kunstgeschichte, Universität Konstanz |
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Die Rezeption der Architektur Borrominis verlief vor allem im Norden vermittelt durch die Stichwerke eines Giannini oder Domenico De Rossi, in denen fast ausschließlich die maßstabgerechte Orthogonalprojektion zur Anwendung gelangt. Ein Verständnis für das subjektive Architekturkonzept des Hochbarock konnte durch diese Publikationen nicht vermittelt werden. Die Wiederentdeckung der Ästhetik Borrominis und der des römischen Hochbarock überhaupt fand im frühen 20. Jahrhundert statt. Sie ist zu einem guten Teil das Ergebnis der Verbreitung der Fotografie, bei der - technisch bedingt - eine dem perspektivischen Aufriß eng verwandte Darstellungsform praktiziert wird. Durch den Zwang zu einem bestimmten Augenpunkt besitzt auch die Architekturfotografie einen subjektiven Charakter. Sie konnte deshalb, sofern sie aus einer adäquaten Betrachterdistanz aufgenommen war, das hochbarocke Architekturkonzept wieder neu erfahrbar machen. |
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Die bislang prägnanteste theoretische Definition der subjektiven Architekturauffassung des Hochbarock, jene, die Hans Sedlmayr in seinem 1930 in erster Auflage publizierten Borromini-Buch innerhalb eines umfassenden Entwicklungsschemas der barocken Architekturästhetik vorstellte, beruht auf dem Konzept des projektiven Verhaltens der architektonischen Formen. Die Definition ist aus der Reflexion über die zeichnerische und fotografische Darstellbarkeit der für die einzelnen Epochen charakteristischen Bauformen heraus entstanden. Nach Sedlmayr sind die Schöpfungen des italienischen Hochbarock dadurch charakterisiert, daß bei orthogonaler Projektion ihre harmonische Struktur verloren geht. Das subjektive Architekturkonzept und die maßstabgetreue Darstellung auf der Fläche, dies hat Sedlmayr wieder klar gemacht, schließen einander aus. In ein besonderes Verhältnis zur Architektur Borrominis tritt die Fotografie schießlich in den erfolgreichen, vom italienischen Architekten und Architekturhistoriker Paolo Portoghesi geschaffenen Bildbänden. Sie prägen die Wahrnehmung der Werke Borrominis beim architekturinteressierten Publikum bis heute. In ihnen wird ein durch die Ästhetik der Moderne geschultes fragmentiertes, in Kontrasten akzentuiertes Sehen, das die Subjektivität und Partialität einer jeweiligen Betrachterposition gegenüber der architektonischen Gegebenheit betont, zum Prinzip der Darstellung erhoben (Abb. 15, 16). Hier, vor allem in den Wiedergaben komplexer Profilbildungen, wird auch erfahrbar, daß die gebaute Wirklichkeit erst im Zusammenspiel mit dem jeweiligen auf sie geworfenen Licht zum sinnvollen Gebilde wird. Portoghesi vertritt eine Definition der Architektur Borrominis als einem aus dem kalkulierten Zusammenspiel von Baukörper, variabler Lichtquelle und individuellem Betrachterstandpunkt generierten plastischen Phänomen. Die ästhetische Wahrnehmung der Werke Borrominis - dies hat der kurze Überblick Über die Geschichte ihrer Darstellung gezeigt - ist wesentlich durch die jeweils zur Verfügung stehenden Mittel der flächigen Wiedergabe der Bauten, durch Zeichnung, Kupferstich und Fotografie, geprägt. Das Sehen der plastischen Architektur Borrominis wird vornehmlich im Zweidimensionalen, beim Betrachten illustrierter Bücher, erlernt. |
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| Abbildungsnachweise Anhang1, 2: Bernd Altenried, Lindau Weiterführende Links Die Website der Graphischen Sammlung
Albertina in Wien zum 400. Geburtstag Borrominis.
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