4.1
Krawattenknoten

Bevor Sie einen Text zu schreiben beginnen, haben Sie eine bewusste oder unbewusste Vorstellung davon, an wen und zu welchem Zweck Sie schreiben – ein Liebesbrief an Ihre alte Jugendfreundin, für die Sie plötzlich entflammt sind, wird anders abgefasst sein als einer an Ihre hinreißende Dozentin aus dem Proseminar ‘Mittelalterliche Geschichte’. Und selbstverständlich gelten in einem Liebesbrief andere Konventionen als in einem amtlichen Schreiben.

Wissenschaftliche Texte wie Ihre Hausarbeit richten sich an andere Wissenschaftler. Sie sind Werkzeuge im wissenschaftlichen Arbeitsprozess und dienen der Vermittlung von Information und dem Aufbau und Austausch von Argumenten. Die Form wissenschaftlicher Texte ergibt sich zum großen Teil bereits aus dieser Funktion. Hinzu kommen eine Reihe fachspezifischer Konventionen, die Wissenschaftlern die Arbeit mit solchen Texten erleichtern sollen.

Schauen wir uns die Einteilung eines wissenschaftliches Werk einmal genauer an. Sie finden darin

  • zunächst ein ausführliches Inhaltsverzeichnis. Es vermittelt dem Leser einen ersten Eindruck von den behandelten Gegenständen und verrät die weitere Gliederung des Buches.
     
  • Vorwort, Einleitung, Hauptteil, Schluss.
     
  • Verzeichnis der benutzen Quellen und Literatur .
     
  • Personenregister
     
  • evtl. auch ein Sachregister

All dies sind wertvolle Orientierungshilfen für den sich angesichts der Fülle der wissenschaftlichen Literatur stets in Zeitnot befindlichen Wissenschaftler. Anhand des Inhaltsverzeichnisses, der Einleitung und eventuell auch schon des Schlusses kann er beurteilen, ob sich eine genauere Lektüre eines Werkes lohnt. Sucht er spezifischere Informationen, hilft ihm das Register, direkt die relevanten Stellen im Buch zu finden. Kennt er sich bereits in seinem Fach aus, so kann er anhand des Literatur- und Quellenverzeichnisses erkennen, ob das Buch ihm noch nicht bekannte Informationen aufbereitet; ist er ein Neuling auf seinem Fachgebiet, findet er hier bereits Anregungen für weiterführende Recherche.

Blättern wir nun das Buch auf, so finden wir zunächst eine abschreckende ‘Bleiwüste’ – eigentlich ein antiquierter Ausdruck, da Bücher ja schon lange nicht mehr aus Bleilettern gesetzt werden. (Je mehr ein Buch weitgehend am Computer entsteht, desto mehr wird der Verfasser, d.h., werden Sie, auch zum Setzer – doch dazu später). Charakteristisch für ein wissenschaftliches Buch sind

  • Fuß- oder Endnoten, in denen Nachweise und Belege für die im Text aufgestellten Behauptungen angebracht werden. Siehe zu Fuß- und Endnoten auch das Kapitel Zitierweise.
     
  • Kapitel beginnen mit einleitenden, das Folgende ankündigenden Abschnitten und enden mit einer kurzen Zusammenfassung.
     
  • evtl. Tabellen und Graphiken.
     
  • wissenschaftliche Bücher sind in Antiquaschriften gesetzt.

Da ein wissenschaftliches Buch ein Arbeitsinstrument sein soll, ist es unerlässlich, dass der Wissenschaftler für seine Aussagen Belege anführt:

Handpresse

Handpresse.

Stützt er sich auf die Forschungen anderer? Gründet er seine Argumentation auf die Auswertung bestimmter Archivmaterialen? Auf welche Textstellen bezieht sich seine Kritik an den Auffassungen anderer Wissenschaftler? Erst durch die Belege ist es dem Leser möglich, den Erkenntnisweg des Autors nachzuvollziehen, seine Schlüsse nachzuprüfen, sich selbst ein Bild abweichender Auffassungen zu machen, eventuell eigene Nachforschungen zu einer Frage zu unternehmen, die im Buch unzureichend behandelt worden ist. Belege stehen in Fuß- oder Endnoten. Wie die Geschichtswissenschaft selbst hat auch die in ihr so beliebte Fußnote eine Geschichte.

Die einleitenden Abschnitte an Kapitelanfang und -ende dienen wiederum dem eiligen Leser zur ersten Orientierung und dem gründlichen dazu, in einer vielleicht komplexen Argumentation den Überblick zu behalten. Es handelt sich also um Konventionen, die dem Leser den Gebrauch des Buches erleichtern, seinen Gewinn maximieren sollen. Gleiches gilt für Tabellen und Graphiken, die als Veranschaulichung, aber auch als Beleg gelten können.