4.2.1

In der Einleitung legen Sie dar, welche Fragestellung in der Hausarbeit bearbeitet wird, d.h., was die Arbeit leisten soll und auch, was sie nicht will. Anschließend sollen die wichtigsten Titel der verwendeten Literatur kurz charakterisiert werden. Eine vorläufige Einleitung relativ früh während der Materialauswertung zu formulieren kann Ihnen dabei helfen, sich über Ihre Ziele klar zu werden und abzuschätzen, was Sie wissen und was Sie noch nicht wissen. Nach Abfassung der Arbeit kann die vorläufige Einleitung, Ihr Arbeitsprogramm, dann noch einmal neu gefasst werden.

Im Hauptteil der Arbeit wird die in der Einleitung skizzierte Fragestellung abgehandelt. Der Hauptteil sollte sinnvoll in Kapitel und, wenn nötig, Unterkapitel unterteilt sein (mehr als zwei Gliederungsstufen sind bei einer Arbeit dieser Länge nicht zu empfehlen). In einer Proseminararbeit soll nicht zuletzt geübt werden, beim Schreiben immer die zu bearbeitende Fragestellung im Auge zu behalten. An ihr misst sich die Relevanz des auszubreitenden Materials; nur die ständige Überprüfung auf den Bezug zur Fragestellung hin verhindert ein Abgleiten in bloßes Erzählen und erlaubt es, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden (und das Limit von 15 Seiten einzuhalten). Die strikte Ausrichtung auf die zu bearbeitende Fragestellung ist die Voraussetzung

wissenschaftlichen Schreibens. Das bedeutet auch, dass die Anordnung Ihres Materials auf die von Ihnen entwickelte Fragestellung hin orientiert sein muss und nicht einfach widerspiegeln sollte, wie Sie das Material gefunden haben – etwa für jeden gelesenen Aufsatz ein Kapitel. Vielmehr sollten Sie sich von Anfang an immer überlegen, was Sie mit Ihren Notizen später anfangen wollen – gerade bei den ersten Versuchen wissenschaftlichen Schreibens, aber beileibe nicht nur dann, gilt das Wort Georg Christoph Lichtenbergs:

“Laß dich deine Lektüre nicht beherrschen,
sondern herrsche über sie.”

Ulrich Molitoris, Von den Unholden oder Hexen. Ulm, 1489.

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Bei den Darlegungen des Hauptteils ist besonders auf die Zitier- und Belegweise zu achten, d.h.

  • alle wörtlichen Übernahmen aus Quellen oder anderen Werken sind als Zitate zu kennzeichnen und in den Fußnoten nachzuweisen;
     
  • alle Paraphrasen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen Werken sind in den Fußnoten nachzuweisen (s.u. Hinweise zu Zitat und Beleg).

Wie schon gesagt sind korrekte Belege und Zitate kein Selbstzweck, sondern gewährleisten die Nachprüfbarkeit der Arbeitsergebnisse. Somit sind sie Voraussetzungen wissenschaftlicher Diskussion und gehören zu den wichtigsten Konventionen des Faches. Deshalb sollten Sie von Anfang an beim Materialsammeln darauf achten, die Fundorte peinlich genau zu notieren. Wie das geht, erfahren Sie im Kapitel Zitierweise.

Erwartet der Leser in der Einleitung die Frage, auf die ihm die Arbeit eine Antwort geben soll, so erwartet er, dass im Schlusskapitel der Arbeit die Ergebnisse zusammengetragen und als Antwort auf die in der Einleitung dargelegte Fragestellung präsentiert werden. Ungelöste oder mit den verfügbaren Mitteln nicht lösbare Probleme können angesprochen, weiterführende Perspektiven ausblicksartig umrissen werden. Dabei wird nicht erwartet, dass Sie zwanghaft die weltgeschichtliche Relevanz Ihrer Arbeitsergebnisse erweisen; es genügt völlig, dass Ihre Arbeitsergebnisse Ihnen zu einem besseren Verständnis eines historischen Zusammenhangs verholfen hat.

Dann haben Sie bereits gezeigt, dass Sie die grundlegenden Arbeitstechniken des Faches anwenden und selbständig mit Quellen und Darstellungen eine Fragestellung bearbeiten können. Gleichzeitig haben Sie beim Schreiben geübt, Ihre Gedanken zu entwickeln und zu formulieren, eine Argumentation aufzubauen und Ihre Aussagen korrekt zu belegen.