4.1.1

Die Quellengruppe der Symbole gehört weder eindeutig zu den visuellen, noch zu den sprachlichen Quellen, Symbole können prinzipiell jede beliebige materielle Gestalt annehmen, wobei die sprachliche und die visuelle Form die am häufigsten verwendeten Typen sind. In einfachster und grundlegendster Definition ist ein Symbol schließlich alles, was nicht nur für sich selber, sondern gleichzeitig auch für etwas anderes steht; was gemäß einer mehr oder minder fest verankerten Konvention Bedeutungszusammenhänge aufruft, die außerhalb seiner selbst angesiedelt sind. Jedes politische System, auch eine heutige pluralistische Demokratie, verkörpert Ideen, Werte und Leitvorstellungen, die auch in Symbolen sinnfällig werden. Letztlich hat jede politische Handlung neben ihrem unmittelbar-praktischen Zweck auch eine symbolische Dimension, indem sie auf das gesamte Normensystem zurückverweist, von dem sie angeleitet wird und in das sie eingebettet ist.

Beispiel:
Die Krone eines Monarchen teilt nicht nur als Schmuckstück seinen materiellen Wert mit, sondern zeigt ihren Träger als legitimen Machthaber. Sie ist nur eine Spielart symbolischer Kopfbedeckungen wie der Lorbeerkranz des Cäsar oder die Mitra des Bischofs. Dass Napoleon auf dem Gemälde bei der Kaiserkrönung einen Lorbeerkranz trägt, unterstreicht seine Legitimation jenseits kirchlicher Autorität: Napoleon krönt sich in päpstlicher Gegenwart selbst. Als monarchisches Zeichen ist die Krone meistens nur eines von mehreren Insignien, z.B. neben dem Szepter auf dem Bildausschnitt von Kaiser Maximilian. Herrschaftsinsignien haben oft solch einen symbolischen Wert, dass ihr Schutz in höchstem staatlichen Interesse liegt, damit die Legitimation und Autorität nicht auf den Falschen übergehen. Graf Sinzendorff hält die Krone auf einem Kissen. Als Symbol des Heiligen Römischen Reiches steht sie hier zunächst für sich selbst und verweist nur mittelbar auf Sinzendorffs Amt als Reichsschatzmeister.

Napoleons Krönung in Nôtre Dame zum ‘Kaiser der Franzosen’ am 2.12.1804. Gemälde von Jacques-Louis David 1806/07; Louvre, Paris.

Napoleons Krönung in Nôtre Dame zum ‘Kaiser der Franzosen’ am 2.12.1804. Jacques-Louis David 1806/07.

Georg Ludwig Graf Sinzendorff , Ölgemälde von Simon Peter Tilemann 1653 oder 1658; Deutsches Historisches Museum, Berlin.

Georg Ludwig Graf Sinzendorff (in der Robe des Reichsschatzmeisters) mit der Krone des ‘Heiligen Römischen Reiches’.  Simon Peter Tilemann 1653 oder 1658, Öl.

Was kann Symbol sein?
In einem sehr weit gefassten Sinn kann jedes erdenkliche Objekt zu einem Symbol werden: Insofern es über sich hinaus auf etwas anderes verweist. Auf dieser Basis wäre es natürlich müßig, überhaupt zwischen verschiedenen Quellen- bzw. Symboltypen unterscheiden zu wollen. Beschränkt man jedoch den Symbolbegriff auf die Gruppe der im politischsozialen und kulturellen Leben tatsächlich - und intentional - Verwendung findenden Symbole, dann lässt sich zumindest eine grobe Einteilung vornehmen. Hier bietet sich eine Dreiteilung an. Die erste Gruppe bilden hierbei die ‘gegenständlichen Symbole’. eine zweite Gruppe wird von den ‘symbolischen Handlungen’ konstituiert, und die im Medium der Sprache realisierten Symbole treten zu einer dritten Rubrik zusammen.

Kaiser Maximilian I. Ölbildnis von Bernhard Strigel 1496; Deutsches Historisches Museum, Berlin.

Kaiser Maximilian I..
Bernhard Strigel 1496, Öl.

Wichtig: Symbole sind als Kommunikationsmittel eine wichtige Quelle
Wie die Wörter einer Sprache besitzen auch Symbole (mehr oder weniger) fest zugeordnete Bedeutungen. Diese werden bei jeder Verwendung des Symbols aufgerufen. Mit Symbolen kann man also kommunizieren. Wer gesellschaftliches Handeln in all seinen Formen verstehen will, muss diese symbolische Kommunikation einbeziehen. –Eben auch durch den Einsatz von Symbolen teilen Menschen beziehungsweise Menschengruppen einander etwas mit und bringen ihre Auffassungen zum Ausdruck- Die Rekonstruktion der Bedeutung von Symbolen trägt so entscheidend zum Verständnis von sozialen Interaktionen bei. Gerade wenn es darum geht, in kulturwissenschaftlicher Perspektive den Sinnhorizont von historischen Akteuren oder Gesellschaftsformationen zu rekonstruieren, sind die Symbole, in denen sich sehr viel vom Weltverständnis der Zeitgenossen ausspricht, eine wertvolle Quelle.