4.1.2

Bei Symbolen denkt man zumeist an gegenständliche Symbole wie Fahnen und Wappen, seltener an symbolische Handlungen wie politische Feste und Ehrungen; die im Medium der Sprache realisierten Symbole jedoch erscheinen oft unspektakulär, als schmückendes Beiwerk mit geringer Bedeutung für die öffentlichen Formen von Kommunikation. Diese Sicht verkennt die überragende Rolle der Sprache für den unseren Wirklichkeitsbezug. Auch gegenständliche Symbole und symbolische Handlungen entfalten ihre volle Wirksamkeit oft erst dort, wo ihre Aussageabsichten ‘versprachlicht’, in natürliche Sprache ‘übersetzt’ werden. Die Bilder und Symbole, mit denen Sprache selbst angereichert ist, haben entscheidenden Anteil an der gesamten Sinnkonstruktion: jedes sprachliche Symbol legt eine besondere Interpretation desjenigen Gegenstandsbereichs nahe, auf den es bezogen wird. Die Auswahl eines Symbols bestimmt daher die Bewertung des von ihm bezeichneten Phänomens ebenso, wie sie die Vorstellung von diesem Phänomen auch in eine bestimmte Richtung lenkt.

Beispiel: Kriegsausbruch

Am geläufigen Begriff des Kriegsausbruchs lässt sich die lenkende Kraft sprachlicher Symbole veranschaulichen: Die Metapher eröffnet den Anspielungshorizont eines Naturereignisses, eines Gewitters, Vulkanausbruchs oder Brandes. Je nach Deutung im größeren Zusammenhang kommt es so zu verschiedenen Interpretation des Krieges, etwa als einem natur- und schicksalhaften Ereignis unter Absehung von konkreten Ursachen, oder als  gleichsam eruptiver Gewalt, die alles einebnet, verdüstert, verschlingt, oder als ansteckender, überspringender, zerstörerischer Feuerkraft. In allen Fällen tritt der Einzelne als geschichtlich Handelnder in der Kriegsdeutung zurück.

Krieg als ‘Reinigende Kraft’, als ‘Weltbrand’, als ‘die Bestie Krieg’ -
Dauerhafte Veränderung des Sinn- und Deutungsgefüges durch die den verwendeten Bildern innewohnende Logik

Strathmann: Sturmangriff, 1914

Sturmangriff, 1914.
Carl Strathmann,  Öl/Leinwand.

Verweiszusammenhang und Verständnis
Sprachliche Ausdrücke erschließen sich eben nicht nur durch das, was sie konkret bezeichnen, sondern auch durch die Verweiszusammenhänge, die sie, gleich ob bildlich oder abstrakt, eröffnen: Der ‘Morgenstern’ ist insofern etwas anderes als der ‘Abendstern’ (obgleich beides Mal die Venus), der ‘Kriegsbeginn’ nicht das Gleiche wie der ‘Kriegsausbruch’. Beispiele für sprachliche Symbole sind: Metaphern, Allegorien, Mythen...