Anne Sonnenmoser, Katja Efinger, Universität Konstanz

Lexika und Enzyklopädien bieten nicht nur einen ersten Einblick in einen Themenkomplex für Historiker, sondern haben selbst auch Geschichte und werden damit als Quelle interessant.

Schon die Antike kannte Enzyklopädien (gr: enkyklopaideia - Bezeichnung für universale Bildung) und nutzte sie. Marcus Terentius Varro und Plinius der Ältere fassten das Wissen des römischen Altertums in systematischen Darstellungen zusammen. Auch dem mittelalterlichen Gelehrten waren Enzyklopädien und der Umgang damit nicht fremd. Um 630 schrieb z.B. Isidor von Sevilla seine "Etymologiae", womit er den Versuch unternahm, das gesamte Wissen seiner Zeit und der heidnischen Spätantike zusammenzutragen.

Das große Zeitalter der Enzyklopädie ist das 18. Jahrhundert. Neben der großen Wissensvermittlung verfolgten diesen Werke nun auch einen (volks-)aufklärerischen Anspruch. Zu ihnen zählen Diderots und D'Alemberts "Encyclopédie", die "Encyclopaedia Britannica" von Smellie und das "Zedler'sche Lexikon" - um nur die wichtigsten zu nennen.

Im 19. Jahrhundert dann entstand das Konversationslexikon, später schlechthin Lexikon genannt. Sein Zweck bestand darin, seinen Lesern die für den bürgerlichen Alltag notwendige Allgemeinbildung zu verschaffen. Das bekannteste Werk dieser Zeit ist der Brockhaus. Daneben entstanden Fachwörterbücher, wie etwa das Wörterbuch der Gebrüder Grimm zur deutschen Sprache.

Verwenden Historiker heute diese Werke älteren Jahrgangs als Quelle, so geht es ihnen nicht um die Information an sich, sondern um den semantischen Gehalt der Begriffe. Das Erkenntnisinteresse zielt also vielmehr auf die Frage, welche Auskunft die historischen Lexika über zeitgenössischen Vorstellungen von den Dingen liefern. Im Vergleich illustrieren sie außerdem die Entwicklung von Wissen und Veränderungen in der Gewichtung von Wissensgebieten.

Hierzu ein Beispiel:

Zedler 1735

Harlem/lat. Harlemum, eine Holländische Stadt, wird nach Amsterdam vor die größte gehalten, von dannen sie nur 3. Meilen Westwärts lieget, an einem See, so davon den Namen führet, in welchen der Fluß Sparen, nachdem er durch die Stadt gelauffen, hinein fället, eine Meile von dem Meer und 5 von Leiden. Es liegen ganz nahe dabey sehr lustige Wiesen, ein angenehmer Wald, und viel schöne und reiche Dörffer, welche die Gegend sehr anmuthig machen....
 

Brockhaus 2000

Harlem, Stadtteil von New York, USA, im N des Stadtteils Manhattan, v. a. von Farbigen und Puerto Ricanern bewohnt, hohe Bebauungsdichte, Slums.

 

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