4.2.3

Welche Typen der Karikatur gibt es?
Im Hinblick auf die formale Darstellung lassen sich drei Typen idealtypisch unterscheiden, die allerdings auch als Mischformen auftreten können.

  • Da ist zum einen die seltenere apersonale Sachkarikatur zu nennen. Bei diesem Typus fehlen personale Darstellungen, stattdessen wird das zu karikierende Problem mittels Sachen und Gegenständen dargestellt; so ist die Waage ein verwendetes Symbol bei Problemen der Rechtsprechung und bei Fragen der Gerechtigkeit. Diese Dinge werden dann vom Betrachter auf konkrete Ereignisse oder Personen gedanklich übertragen.
Bismark vor Parlament

Bismark vor dem norddeutschen Reichstag, Wiener Figaro 1870.

  • Häufiger tritt die personale Typenkarikatur auf, in der Staaten, Gruppen, Völker auf “einen Individualtypus reduziert werden” (Marienfeld 16). Der deutsche Michel und die französische Marianne sind markante Beispiele.
     
  • Die personale Individualkarikatur ist die verbreitetste Form dieses Quellentypus. Individuelle Körpermerkmale etwa von berühmten Politikern werden verfremdet und Gestik und Mimik in Beziehung zu dem dargestellten Sachverhalt gebracht. Der Erkennungswert ist hoch, zeichnerische oder sprachliche Erklärungen erübrigen sich meistens.

Inhaltlich lassen sich ebenfalls drei Kategorien von Karikaturen unterscheiden.

  • Zum einen gibt es die Ereigniskarikatur, die sich konkret auf ein bestimmtes Geschehen konzentriert. Diese Form ist die häufigste, da viele Tagesereignisse hier ihre Verarbeitung finden.
     
  • Die Prozesskarikatur dagegen stellt einen längeren Vorgang bzw. eine Entwicklung dar. So wird etwa der Aufstieg und Fall Napoleons oder anderer Herrscher bildlich gerafft und kommentiert.
     
  • Die Zustandskarikatur nimmt eher dauerhafte Strukturen ins Blickfeld. Hierdurch werden vor allem Herrschafts-, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen unter die Lupe genommen.