Michael Meier, Universität Konstanz

Begriff:

Der Film ist aufgrund seines technischen Produktions- und Rezeptionsprozesses ein modernes Medium. Der Begriff wird sowohl für das Einzelne Produkt, den Produktions- und Wiedergabeprozess als auch Gruppen von Filmen verwendet. Grundlegend für seine Entwicklung ist die Photographie, sowie die Entwicklung von verschiedenen Projektionstechniken. Durch die Aneinanderreihung von Einzelaufnahmen ist es möglich, Bewegungsabläufe abzubilden und so eine Narrativität zu verwirklichen.

Durch die Entwicklung von Montagetechniken und Bildbearbeitungsmöglichkeiten wurde die reine Illusion durch fiktive, artifizielle Wirklichkeiten abgelöst. Dadurch wurde die symbolischen Kommunikation über das Medium Film deutlich erweitert.

Bei der Auseinandersetzung mit der Quellengattung Film spielen medientheoretische Überlegungen eine wichtige Rolle, deren Angebot ist jedoch sehr vielfältig und findet in der Theoriegeschichte des Films verschiedene Ausprägungen, indem meist einzelne Aspekte in den Vordergrund der Analyse rücken. Verallgemeinert lässt sich eine Entwicklung weg von innerfilmischen Schwerpunkten, hin zu diskursiven Analysen des Verhältnisses von Film, Rezipient, Kultur und Gesellschaft feststellen.

Es gibt allerdings einige Merkmale, die bei solche Überlegungen eine wichtige Rolle spielen. Folgt man dem technischen Prozess eines Films, fällt der Blick zunächst auf den Aspekt des Konstrukts, dann auf die Verfügbarkeit und Möglichkeiten der Vervielfältigung, schließlich auf die Situation der Gruppenrezeption, welche jedoch durch die Entwicklung des Fernsehens und des Videos/DVD einem Wandel unterzogen war und ist.

http://www.super8filmmaking.com/s8edit.htm

Schneideutensilien für Super 8 Film

Typen:

Die Bezeichnung Film/–film kann unterschiedlich verwendet werden. Zum einen werden räumlich oder zeitlich verwandte Filme unter pauschalisierenden Begriffen zusammen gefasst (Hollywoodfilm, Nachkriegsfilm der 50er, Stummfilm). Andererseits kann man Gattungstypen wie Dokumentarfilm, Spielfilm und Kunstfilm unterscheiden. Jedoch kann eine solche Typisierung dadurch problematisch werden, dass die spezifischen Produktionsprozesse ausgetauscht werden, ebenso stilistische Anlehnungen.

Vor allem den Bereich des Spielfilms kann man aufgrund der Entwicklung des Genres und neuerer Unterscheidungskriterien noch weiter auseinander differenzieren: Komödie, Drama, Krimi, Western, Musical, Science-Fiction, Heimatfilm, Erotik, Horror, Kathastrophenfilm, realistischer Film, „Sandalenfilm“, historischer Film, „Antikriegsfilm“.

Eine solche Möglichkeit der Unterscheidung gibt es auch beim Dokumentarfilm, die sich jedoch meist aufgrund des jeweiligen Schwerpunktthemas (Natur, Technik, Geschichte) ergibt. Zu beachten ist hierbei allerdings auch der Adressat (Lehrfilm, unterhaltende Dokumentation, Biographischer Film).

Beim Kunstfilm fällt jede Art von Typisierung schwer. Zum einen gibt es Zuordnungen zu bestimmten Kunstgattungen, zum anderen werden Kunstfilme oftmals nicht in der filmtypischen Rezeptionssituation vorgeführt, wenn doch dann werden sie meist Genres oder anderen Formen der Typisierung, meist pragmatischer Art, zugeordnet.(Undergroundfilm, Szenefilm, Problemfilm)

Der Comic stellt eine besondere Form des Films dar. Aufgrund seiner Herstellungstechnik eigentlich zum Kunstfilm gehörend, wird er inhaltlich eher im Bereich des Spielfilms angesiedelt. Das Angebot ist vielfältig, Gruppierungen ergeben sich aufgrund der Identifikation mit dem Produzenten (Disney-Filme) oder bestimmter Produktions- und Rezeptionskonstellationen (Manga) .

Technikgeschichte:

Die erste Öffentliche Vorführung der Gebrüder Lumiere am 28.12.1985 wird meist als der Beginn der Filmgeschichte gesehen. Jedoch war ihr Cinématograph nicht die einzige Entwicklung im Bereich der bewegten Bilder. Das Interesse an der Idee war groß und dementsprechend gab es unterschiedlichste Innovationen bezüglich Aufnahme und Wiedergabe. Da Filme zu Beginn ihrer Entwicklung meist auf Jahrmärkten vorgeführt wurden oder ein außergewöhnliches Ereignis darstellten, konnte sich die Apparatur der Lumieres durchsetzen, da sie Kamera und Projektor verband. Bald entwickelte sich jedoch eine Produktionsindustrie und ein Markt der Wiedergabe, woraufhin Projektor und Kamera wieder einzeln entwickelt und verwendet wurden.

Die ersten Filme waren Stummfilme, das Problem der Synchronizität zwischen Bild und Ton ließ sich bei dem ersten Tonfilm („The Jazz Singer“ 1927 Warner) und seiner Nachfolger, die alle auf dem Nadeltonverfahren beruhten, nicht beheben. Zwar wurde in Deutschland 1918 erfolgreich das Lichttonverfahren entwickelt, diese optische Aufzeichnungsmethode setzte sich jedoch erst in den frühen Dreißiger durch. Zu dieser Zeit war dann auch die gesamte Filmproduktion von Stumm- auf Tonfilm umgestellt worden. In den Vierzigern begann man dann mit der magnetischen Aufzeichnung des Tons..

http://www.filmsite.org/jazz.html

Die Farbe hingegen hatte ihre ersten Auftritt sehr früh, durch das nachträgliche Bemalen der Einzelbilder. Das Verfahren der Coloration mit Schablonen trat schon um die Jahrhundertwende in Erscheinung. Kurz darauf kam der Trend auf einzelne Sequenzen und Szenen in einer Farbe einzufärben. ( Natur/ grün, Liebe/ rot). Die Bezeichnung hierfür ist Virage. Die weiteren Experimente brachten zunächst in den zwanziger Jahren das Zweifarbensystem hervor. 1935 wurde mit „Becky Sharp“ der erste mit dem von Technicolor entwickelten Produktionsprozess hergestellte Spielfilm gezeigt. Nachdem man zunächst mechanische und optische Verfahren favorisierte, setzten sich mit den Zweifarbenfilmen chemische Methoden durch.

Mit Technicolor ging man dazu über, bei der Aufzeichnung mit Spezialkameras zu arbeiten, sowie mit einzelnen Negativstreifen, die bei der Vorführung dann übereinadergelegt wurden. Der Prozess war aufwendig und wurde nur für ausgewählte Filme verwendet.

Schon 1936 entwickelte man in Deutschland das Verfahren Agfacolor, bei dem man mit nur einem Negativstreifen arbeitete. Aufgrund der nachfolgenden politischen Entwicklung setzte es sich jedoch nur in der Östlichen Welt durch, von den Japanern wurde mit Fujicolor ein ähnliches System entwickelt. In der westlichen Welt wurde erst mit der Eastman-Color Methode zu Beginn der Fünfziger ein ähnliches Verfahren etabliert, das sich dann als Norm etablierte. Gegenüber dem Ton war die Farbe schon früh vorhanden, jedoch setzte sie nicht schlagartig, sondern in einem langsameren Prozess durch.

Die Verfügbarkeit neuer technischer Möglichkeiten durch die Entwicklung des Computers wurde ab der Mitte der Siebziger Jahre durch die Filmindustrie wahrgenommen.. Der Erfolg der “Star Wars“ (Teil 1 1977) Reihe war richtungsweisend. Der Prozess der Digitalisierung setzte ein.

Bei „Rogger Rabbit“ (1988) wurden dann Comic und reale Aufnahme kombiniert. Nachdem in „Jurassic Park“ (1993) zum ersten mal digital erstellte Akteure auftraten, wurde das Konzept dann in „Toy Story“ (1995) zum Programm; der ganze Film ist digital am Rechner produziert. In „Final Fantasy“ (2001) schließlich ersetzten digitale Figuren denn menschlichen Schauspieler, die Grenzen zwischen Comic und Spielfilm verschwimmen endgültig.

Theoriegeschichte des Films

Nachdem der Film im Laufe seiner Entwicklung massenmedialen Charakter angenommen hat, kam in den Slapstick-Komödien der Zwanziger Jahre ein erstes sozialkritisches Element auf. Dieser systemimmanenten Kritik steht die Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft der russischen Revolutionsfilmer (Eisenstein) gegenüber, die jedoch auf dem Bereich der Filmästhetik durch das von ihnen theoretisch fundierte Verfahren der Montage größere Bedeutung erlangten. In Deutschland war zu dieser Zeit ein starker Bezug zu Literatur und Kunst üblich.

Die Entwicklung des Genres führte zu einer neuen, kommerziellen Art der Filmkonzeption. Es wurde mit bestimmten, immer wiederkehrenden Stilmitteln, oder mit Stars gearbeitet, um so dem Zuschauer die Möglichkeit der fortlaufenden Identifikation zu geben und ihn so an ein Studiosystem zu binden.

In den Erzeugnissen des „Film Noir“ wurde übergegangen zu einer kritischen Darstellung der vorhanden Gesellschaftsverhältnisse.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Entwicklung in Frankreich zu einer Stärkung des Autors. (Truffaut, Godard) Eine Entwicklung, die in Deutschland in den Siebziger mit dem „neuen deutschen Autorenfilm“(Faßbinder, Herzog) adaptiert wurde. Der Bruch in Hollywood weg vom standardisierten Genrefilm wird durch die Regisseure des „New Hollywood“ (Coppola, Altman, Scorcese) vollzogen.

Abschließend müssen die „postmodernen“ Neuerungen genannt werden, die sich in der Praxis hauptsächlich durch neue filmische Mittel auszeichnet, entlehnt aus dem kommerziellen Bereich der Werbe- und Musik-Clips. In der Theorie ergibt sich dadurch eine Verschmelzung von Kunst und Massenkultur.

Auseinandersetzung mit dem Medium

Hierbei gibt es zwei zentrale Dichotomien: Illusion und Realität, Ware und Kunst.

Im Vordergrund standen zunächst Legitimation, Förderung (Béla Balázs) und Kritik des neuen Mediums. Eisensteins stellte mit seinen Genossen die Wirkung des Films in den Vordergrund. Die weitere Auseinandersetzung mit dem Medium hatte zunächst einen rein deskriptiven Charakter. Der Name Siegfried Kracauer wird im allgemeinen mit der Forderung der Sechziger nach Realismus verbunden. Dies war richtungsweisend für den sich etablierenden Dokumentarfilm.

Linguistische Methodik fand durch den semiotischen Ansatz des Christian Metz Eintritt in die Filmanalyse. Ebendieser leistete viel für die Institutionalisierung der Filmwissenschaften. Zunächst „strukturalistisch“ geprägt, erweitert er sein Modell aufgrund Postmoderner Einflüsse um psychologische Methodik, welche die Rezeptionssituation in den Vordergrund stellten.

Mit der Gründung des CCCS durch Hoggart 1964 in Großbritannien treten die „Cultural Studies“ auf, die verstärkt in den Bereich der Filmwissenschaft hineinwirken. Infolge dessen werden die kulturellen Kontexte des Produktions- und Rezeptionsprozesses in den Vordergrund gestellt. Des weiteren wird die Bedeutung des Films für die Soziale Alltagswelt der Zuschauer thematisiert. Man könnte hier vom Entstehen eines soziologischen Zugriffs sprechen.

Film als Quelle des Historikers

Der Zugang über die Soziologie macht den Film interessant für den Historiker. Der Film nimmt durch seine „Omnipräsenz“ eine wichtige Rolle in der Alltagswelt der jeweiligen Zeit ein (Kino der Zwanziger und Dreißiger), auch nimmt er Einfluss auf Sprache und Kommunikationsformen (Balzás) und damit auf sich bildende Wirklichkeitskonstruktionen.

Zwar wird alltägliche Praxis abgebildet, entscheidend ist jedoch der Aspekt des Films als Konstrukt. Durch das Medium Film werden Themen artikuliert sowie verarbeitet. Als Beispiele hierfür können einerseits die sozialkritischen Elemente des „Film Noir“ genannt sowie pazifistische Postulate, die verschieden artikuliert werden („Planets of the Apes“, „The Day After“, „Apocalypse Now“ ), andererseits kann man auch die in den Fünfzigern auftretenden Science-Fiction Filme („Invasion aus dem Weltall“) als eine Auswirkung der Ängste des kalten Krieges verstehen. Hierzu fällt wohl auch die These, der Repräsentation der SDI-Thematik durch die „Star Wars“ Trilogie. Auch „Der große Diktator“ kann uns Auskunft über den Umgang einer Gesellschaft mit einer realen Problematik zeigen.

Dieser mentalitätsgeschichtliche Charakter des Films wird noch verstärkt durch den künstlerischen Aspekt des Films, der den Diskurs mit den anderen, länger etablierten Kunstformen gewährleistet.

Die oben angesprochene „Omnipräsenz“ des Films in der Alltagswelt einer Gesellschaft führt uns zu einem anderen Phänomen. Der Massenmediale Charakter des Films muss einerseits bei der Analyse der Rezeptionssituation beachtet werden („Traumerleben“), andererseits führt er uns zu schwierigen, massenpsychologischen Überlegungen. Hierbei ist wohl zunächst an die Filme des nationalsozialistischen Deutschlands zu denken, die durch das in ihnen vermittelte Körperideal (Riefenstahl) Einfluss auf die ideologische Ausrichtung der Gesellschaft ausübte. Hierbei wäre die Frage zu beachten, inwieweit die Rezeptionssituation einen solchen Prozess beeinflusste.

Der Massenmediale Charakter des Films wird oftmals anthropologisch ausgelegt, indem man ein Grundbedürfnis nach Unterhaltung diskutierte.

Der nationalsozialistische Film bringt uns zu dem Problem des Films als Konstrukt einer bestimmten Ideologie (Propagandafilm der NS-Zeit) oder „Kulturkreises“(früher Westernfilm)

Die in der Kunst- und Medienwissenschaften neuerdings verwendeten Methoden der Dekonstruktion, kann der Historiker schwer für sich nutzbar machen, da sie innerhalb des zu untersuchenden Textes arbeiten. Der Aspekt der Konstruktion kann vor allem für kulturgeschichtliche Untersuchungen fruchtbar gemacht werden, jedoch darf dabei „Die Macht des Films“ nicht außer Acht fallen. (Wag the Dog).

Der historisch Film als Gattung fällt nur als Konstrukt einer jeweiligen Zeit in den Blickpunkt einer quellenkritischen Untersuchung, was nicht heißt, der Historiker sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung entziehen darf.

Schließlich kann uns auch das überall auftretende Phänomen der Filmzensur Auskunft geben zu dem Verhältnis des gesellschaftlichen Anspruchs zur sozialen Wirklichkeit

 

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