Alexander Schlaak, Universität Konstanz

Bilder sind nicht nur bloße „Illustration“ des bisher schon durch Texte erschlossenen Wissens. Sie stellen eine eigene Quellengattung dar und bieten einen spezifischen und eigenständigen Zugang zur wissenschaftlichen Erforschung von Geschichte. Dies gilt für alle Arten der bildlichen Darstellung, sei es bezogen auf die vielfältigen Formen der Herstellungstechnik (Holzschnitte, Kupferstiche) als auch auf die unterschiedlichen Materialien des Bilduntergrunds (Stein, Tapeten, Teppiche, Leinwand etc.).

Bilder geben zunächst einen Einblick in die historisch-gesellschaftlichen Erfahrungen des Künstlers oder des Auftraggebers. Sie erlauben so dem Historiker die Auseinandersetzung mit den Lebensvorstellungen und Wertorientierungen einzelner sozialer Gruppen und mit gesellschaftlichen Beziehungen und deren Wandel.

http://www.kunsthaus.ch/ausstellungen/2002/turner.html

Wiliam Turner, Schneesturm - Hannibal überquert mit seinem Heer die Alpen, 1812.

Zum anderen sollte der Einfluss von bildlichen Darstellungen auf den historischen Prozess nicht unterschätzt werden. Bilder wirken in diesem Zusammenhang, indem sie Bewusstsein bilden und artikulieren helfen..

Der Historiker muss aber das jeweilige Verhältnis von Bildmotiven zur Wirklichkeit analysieren, wenn er die oben genannten Bedeutungsdimensionen erfassen will. Bilder dürfen nicht als wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der „Realität“ missverstanden werden. Sie müssen quellenkritisch und methodisch nachvollziehbar analysiert werden (Historische Bildanalyse)

Im folgenden werden daher zur Übersicht die (nach Heike Talkenberger, in Goertz 1998) wichtigsten fünf Interpretationsmethoden der Historischen Bildanalyse kurz vorgestellt :

    1) Realienkunde : Der R. geht es darum, die auf einem Bild dargestellten Gegenstände und ihren Verwendungszusammenhang als Beispiele der „materiellen Kultur“ einer Gesellschaft aufzufassen. Die bildliche Überlieferung kann dabei die in den schriftlichen Quellen fehlende ergänzen.

    2) Ikonographie/ Ikonologie: Diese von Erwin Panowsky begründete Methode stellt die Analyse des Einzelbildes in den Vordergrund. Nacheinander wird dabei zunächst die Stilgeschichte berücksichtigt, dann der Bezug zu literarischen Quellen und vorhandener Bildtradition (Motivgeschichte) untersucht, und der Versuch einer Interpretation unternommen, um den „Gehalt“ des Kunstwerks zu erfassen

    3) Funktionsanalyse: Stärker als bei der ikonographisch-ikonologischen Methode wird hierbei versucht, innerhalb eines weittestmöglichen Verständnisses der vorliegenden Kommunikationsprozesse auch Produktions- und Distributionsbedingungen von Bildern sowie ihre formalen Gestaltungskriterien zu berücksichtigen und damit formale und inhaltliche Bildanalyse zu verbinden.

    4) Semiotischer Ansatz: Bei dieser Methode wird das Bild als Teil einer visuellen Kommunikation aufgefasst. Dem Bild wird Syntax, Semantik und Pragmatik bzw. soziale Funktion zugeschrieben. Es wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen der ermittelten Bildstruktur und den visuellen Kommunikationsprozessen, in denen das Bild angeeignet bzw. „betrachtet“ wird. Die Rezeptionssituation wird somit berücksichtigt.

    5) Rezeptionsästhetischer Ansatz: Der r. A. legt das Schwergewicht auf die Rezeption von Bildern. Fragen der Bildproduktion, die Beschäftigung mit dem sozialen Hintergrund des Künstlers oder mit der Motivgeschichte des Bildes werden zum größten Teil ausgeblendet. Die Methode versteht sich als werkorientiert, als Analyse der Betrachterfunktion im Werk. Überlegungen zur Wahrnehmungspsychologie werden dabei mit einbezogen.

 

Übersicht ‘Quellenarten’