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Uwe Goppold, Universität Konstanz

Die Diplomatik ist die Lehre von den Urkunden. Sie beschäftigt sich damit also mit Quellen, die in der Regel dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit entstammen und in denen ausschließlich rechtliche Inhalte behandelt werden. Doch die Unschärfe, die sich hinter dem Begriff ‘rechtliche Inhalte’ verbirgt, deutet darauf hin, dass sich die Diplomatik mit einer kaum zu übersehenden Vielzahl von Quellen auseinanderzusetzen hat: Schenkungsurkunden, Privilegienverleihungen oder -bestätigungen, Besitzbestätigungen, Verträge, Gerichtsurteile, Testamente und vieles mehr gehören u.a. in ihren Aufgabenbereich.

Grundsätzlich unterscheidet die Diplomatik drei Gruppen von Urkunden: Königs-, Kaiser und Privaturkunden, je nachdem, von wem das Dokument ausgestellt wurde. Sie befasst sich mit deren Herstellung und Aufbau.

Erleichternd ist dabei, dass sich die meisten Urkunden in dieser Hinsicht nicht unähnlich sind: Der Einleitung (Protokoll), in der der Aussteller namentlich genannt wird, folgt der Hauptteil (Kontext), der den eigentlichen Inhalt der Quelle umfasst. Im Schlussteil (Eschatokoll) schließlich erfolgt die Beglaubigung der Urkunde sowie ihre Datierung. Allerdings sind unterschiedliche Ausprägungen dieses Schemas üblich: Anhand der Typologisierung von Urkunden vermag die Diplomatik diese oft erstaunlich genau regional und zeitlich einzuordnen und kann daher z. B. auch zeitgenössische Fälschungen als solche entlarven.


Obgleich manche Urkunde inzwischen in edierter und gedruckter Form vorliegt, ist zu konstatieren, dass ein Großteil dieser Quellen – man denke nur an die Vielzahl von Testamenten – nur in den Archiven eingesehen werden kann und dort ihrer wissenschaftlichen Bearbeitung harren. Bei dieser Bearbeitung liefert dann die Diplomatik das notwendige Vorwissen, wie mit der Quelle umzugehen ist, wie diese möglicherweise entstanden ist und wie sie verstanden werden kann.

Urkunde

Privileg Kaiser Heinrichs VI. für die Bürger von Konstanz.

 

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