5.2.1

Astronomische Grundlagen
In der Einteilung der Zeit, um deren ‘Vergehen’ zu messen, orientierte sich der Mensch von jeher an Erscheinungen der Natur, die zum einen für jeden sichtbar sind und zum anderen eine regelmäßige Wiederkehr deutlich erkennen lassen. Am vollkommensten erfüllen die astronomischen Erscheinungen, die Bewegungen von Erde und Himmelskörpern, diese Bedingungen. Aus ihnen bildete sich die Menschheit die Rechnungseinheiten Stunde, Tag, Monat und Jahr, sowie deren Bruchteile und Vielfache. Die astronomischen Grundlagen, die der Historiker von den Astronomen übernehmen kann, sind vor allem der (mittlere) Sonnentag (der Zeitraum, in dem sich die Erde einmal um die eigene Achse dreht = 24 Stunden), der synodische Monat (der Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden Neumonden = ca. 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten) und das (tropische) Sonnenjahr, in dem die Erde einmal um die Sonne läuft (= 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden).

Sanduhr

Die oben genannten Zahlen machen deutlich, dass die wichtigste Grundlage der historischen Zeitrechnung, das Jahr, weder durch den Zeitabschnitt ‘Tag’ noch durch den ‘Monat’ ohne Rest teilbar ist. Da der Tag aber dem menschlichen Leben seinen Rhythmus gibt, und der Mond entscheidend den für die abendländische Chronologie wichtigen christlichen Festkalender beeinflusst, musste der Mensch versuchen, möglichst brauchbare und genaue Kombinationen zwischen diesen Zeitrechnungskategorien zu schaffen. Erschwerend kam als vierte Kategorie die 7tägige Woche hinzu, die die Römer von den Juden übernahmen und auch ins Christentum übertrugen.

Historisch-politische Grundlagen
Das größte Problem der Zeitmessung stellte also die Unterteilung des Sonnenjahres in die Zeiteinheiten Monat und Jahr dar, ein Problem, das von den Menschen zu unterschiedlichen Zeiten verschieden gelöst wurde.

Die Basis des mit mehreren Umformungen heute noch gültigen Kalenders stellt hierbei die Reform des römischen Kalenders durch C. Julius Caesar im Jahre 46 v. Chr. dar. Dieser setzte die Dauer eines durchschnittlichen Sonnenjahres auf 365 Tage und 6 Stunden fest. Um die überschüssigen 6 Stunden auszugleichen, wurde jedes vierte Jahr ein zusätzlicher Tag, der heute so benannte ‘Schalttag’ eingefügt.

Dieses julianische Jahr ist aber im Durchschnitt 11 Minuten länger als das Sonnenjahr. Auf lange Sicht führte dies zu einer Verschiebung der Jahreszeiten, zu einer Differenz zwischen Sonnenjahr und Kalenderjahr, die im Laufe von 128 Jahren einen vollen Tag betrug.

Julius Caesar
Papst Gregor XIII

Julius Caesar, 106-44 v. Chr..

Papst Gregor und seine Kalenderreform
Diese Verschiebung beeinflusste auch die eigentlich von der Berechnung des Mondmonats abhängige christliche Festberechnung, da die für die Berechnung des den weiteren Jahreskreis der kirchlichen Feste bestimmenden Ostertermins wichtige Tag- und Nachtgleiche zu Frühjahrsanfang nicht mehr auf den offiziellen Termin des 21. März fiel.

Papst Gregor XIII. reformierte deshalb im Jahre 1582 auf Anregung von Nicolaus v. Cues und Kopernikus den Kalender erneut, um diese beiden Termine wieder in Übereinstimmung zu bringen und diese Übereinstimmung auch dauerhaft zu erhalten. Dies wurde erreicht, indem man zum einen einmalig 10 Tage ausfallen ließ und 1582 auf den 4. den 15. Oktober folgen ließ, und zum anderen das durchschnittliche Kalenderjahr um 11 Minuten verkürzte. Dies erreichte man dadurch, dass innerhalb von 400 Jahren drei Schaltjahre ausgelassen werden: die Jahrhundertjahre gelten nur dann auch als Schaltjahre, wenn sie durch 400 teilbar sind.

Papst Gregor XIII, 1502-1585.