5.2.3

Die Chronologie als Lehre von den Grundlagen und dem Gebrauch der Zeitrechnung untersucht und beschreibt die unterschiedlichsten Formen der Datierung und ihre zeitlich und regional verschiedene Anwendung und ermöglicht somit dem Wissenschaftler sowohl die richtige Deutung, als auch die Überprüfung und unter Umständen sogar die Korrektur überlieferter Zeitangaben.

Warum Chronologie?
Die Einteilung der Zeit in möglichst gleichmäßige Abschnitte und die damit gegebene Möglichkeit, Zeit zu ‘messen’, ist eine notwendige Voraussetzung für die Existenz und Verständlichkeit des Begriffs Geschichte.

Die Erfahrung von Zeit und Raum gehört zu den elementaren Grunderfahrungen des Menschen; in diesen beiden Dimensionen verortet er sich selbst in seinem Weltbild und seinem Bild von sich selbst. Er setzt sich in der zeitlichen Dimension in Beziehung zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Alles, was geschieht, hat immer auch eine zeitliche Dimension.

Diese spielt auch bei der Rekonstruktion des Geschehenen und der Zusammenhänge des Vergangenen, wie sie die Historiker anstreben, eine wichtige Rolle. Kausalzusammenhänge und Beziehungen von Ereignissen zueinander sind nicht zu verstehen, wenn ihre Reihenfolge nicht geklärt ist.

Big Ben

Big Ben in London.

Unklarheiten über die zeitliche Abfolge von Ereignissen, oder gar Missverständnisse in ihrer Reihenfolge können zu schweren Fehlern führen. Gerade die Vielzahl der Möglichkeiten, ein Ereignis oder ein Schriftstück zu datieren, wie sie das Mittelalter und auch noch die Zeit nach der Kalenderreform bieten, können zu solchen schweren Fehlern führen, da zum Beispiel schon die Unklarheit darüber, ob es sich um ein Stück aus einem protestantischen oder einem katholischen Territorium handelt, einen Fehler von 10 Tagen bedeuten kann.

Grotefend

Der “Grotefend” als wichtigstes Hilfsmittel der Chronologie
Wie man sieht, steht der Historiker bei der Arbeit mit den Quellen auch einer ganzen Reihe Problemen bei der Datierung und zeitlichen Einordnung derselben gegenüber. Ihm steht jedoch in Grotefends “Taschenbuch der Zeitrechnung” ein unschlagbares Hilfsmittel zur Verfügung, das es ihm ermöglicht, nahezu alle Daten aufzulösen und in den heute gebräuchlichen Kalender zu übertragen.

Die Benutzung dieses hilfswissenschaftlichen Werkzeuges sei deshalb hier kurz erläutert und
an einem Beispiel durchexerziert.

Grotefend, Hermann: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. 13. Aufl., Hannover 1991.