4.3.1.2

Oft hat man fremdsprachige Texte oder Quellen, die man wörtlich zitieren möchte. Damit stellt sich die Frage, ob man in der Fremdsprache ziteren soll.
Wenn nichtlateinische Zeichen benutzt werden (etwa griechisch oder russisch), stellt sich die Frage, ob diese umgeschrieben werden sollen?

Übersetzen?
Auch für diese Frage gibt es keine eindeutigen Regeln. Es stehen zwei Erwägungen im Widerstreit:

1. Auf der einen Seite verbürgt das originalsprachliche Zitat höhere Authentizität, besonders dann, wenn eine besonders prägnante Formulierung gefunden wurde. Das ist ein gutes Argument. Zudem drängt häufig die Eitelkeit zur Präsentation der Kenntnis möglichst abgelegener Sprachen. Das ist ein schlechtes Argument.

2. Auf der anderen Seite will man mit seinen Texten Leser erreichen. Wenn diese das Zitat nicht verstehen können oder nur unter Mühe den Inhalt ermitteln können, hat der Text insoweit sein Ziel verfehlt. Das ist ein schlagendes Argument.

Entsprechend läßt sich folgende Tendenz erkennen: Nach einer sehr weit verbreiteten Auffassung kann man die Originalsprache zitieren, wenn diese dem Leserkreis sicher geläufig ist. Freilich ist fraglich, welche Sprachen das üblicherweise sind.

Leider kann man davon heutzutage nur noch beim Englischen ausgehen. Manche zählen auch noch Französisch dazu, doch scheint das allzu optimistisch. Lateinkenntnisse sind bei Historikern durch die meisten Studienordnungen zwar de jure gewährleistet, die Praxis sieht jedoch anders aus. Bei Althistorikern und Mediävisten geht es, bei Frühneuzeitlern wird man wahrscheinlich noch auf Wohlwollen stoßen. Bei Zeitgeschichtlern fragt sich freilich auch, ob die Wahrscheinlichkeit denn hoch ist, daß man in die Verlegenheit kommt, lateinische Quellen anzuführen. Es empfiehlt sich daher, längere Zitate im Zweifel zu übersetzen.
Das gleiche gilt für die übrigen geläufigeren Sprachen: Französisch, Italienisch, Spanisch, Altgriechisch kann man zitieren, wenn der Leserkreis die Sprache beherrscht. Wenn man zweifelt, übersetzt man besser.
Leider hat der Satz "Slavica non leguntur" - "Slavische Sprachen muß man nicht können" in der Praxis nach wie vor Geltung: Ist man nicht gerade in einem Institut für osteuropäische Geschichte, übersetzt man.
Alles andere gilt gegenwärtig als "exotisch" – wer Exotik will, wird im Zweifel aber lieber mit TUI (und Dolmetscher) hinfahren.

Zitat, französisch

Jeismann, Michael: Das Vaterland der Feinde: Studien zum nationalen Feindbegriff und Selbstverständnis in Deutschland und Frankreich 1792 - 1918, Stuttgart 1992.

Alternativen – wie bringe ich die Originalsprache doch noch unter?
Es bietet sich freilich als Alternative an, das originalsprachliche Zitat im Text zu bringen und es in der Fußnote zu übersetzen. Das macht freilich nur dann Sinn, wenn es selten vorkommt. Sonst mutet man dem sprachunkundigen Leser ständiges Springen zwischen Fußnote und Text zu. Das dadurch entstehende Nicken wird freilich jedenfalls innerlich eher ein Kopfschütteln werden.

Üblicher ist daher die Übersetzung im Haupttext mit dem Originalzitat in der Fußnote. Man kann das stringend durchziehen oder sich auf besonders prägnante Formulierungen beschränken.

 Fremdsprachige Zitate, die nur in den Fußnoten gebracht werden, werden häufig nicht übersetzt.