Jens Schmalz, Universität Münster

Wozu Rezensionen?
Rezensionen (Buchbesprechungen) dienen dem Leser primär dazu, sich rasch über wissenschaftliche Neuveröffentlichungen zu informieren. Daher sind sie sowohl für den Wissenschaftler als auch für den Studenten eine wichtige Orientierungshilfe. Generell gilt: Es werden aktuelle Publikationen rezensiert. Wer schnell einen Einblick in die aktuelle Forschungssituation eines Themas benötigt, für den sind Rezensionen, insbesondere Sammelrezensionen eine gute Zugriffsmöglichkeit. Folglich sollten die Rezensionsteile in wissenschaftlichen Zeitschriften, aber auch in überregionalen Tageszeitungen zur regelmäßigen Lektüre werden. Der Maßstab für die Bewertung von Neuerscheinungen ist stets der aktuelle Forschungsstand. Daher sind Rezensionen als aktuelle Medien der Kritik integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Diskussion.

Für den Rezensenten ergeben sich aus diesen Eigenschaften einige Implikationen: Er muss immer fragen, ob das Buch in seiner Darstellung dem jüngsten Erkenntnisstand gerecht wird. Das heißt, dass nur die Fachleute auf dem entsprechenden  Gebiet Rezensenten sein sollten.

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Gut zu wissen!
Buchbesprechungen stellen immer die subjektive Meinung des Rezensenten dar. So ist es nicht verwunderlich, dass ein und dasselbe Buch unterschiedlich bewertet werden kann. Die divergierenden Urteile können aus fachlicher Überlegung und Argumentation heraus entstanden sein. Daneben gibt es aber auch noch andere Formen der Urteilsfindung. So tragen zum Beispiel ‘Forschungsschulen’ ihren wissenschaftlichen Disput unter anderem mittels Rezensionen aus, ein besonders beliebtes Forum bei diesen Auseinandersetzungen sind die überregionalen Tageszeitungen. Auch auf der Autorenebene lassen sich solche Vorgänge beobachten – persönliche Differenzen werden mit Hilfe der hier besprochenen Textgattung zur Sprache gebracht.

Rezensionen basieren zuweilen auch auf kalkulierter Verlagspolitik: Ein Beispiel hierfür war die Werbeaktion für Daniel Goldhagens Bestseller “Hitlers willige Vollstrecker”. Ein Verlag gibt eine oder mehrere Rezension(en) für eines seiner neuen Bücher in Auftrag und lanciert diese dann in den entsprechenden Publikationsorganen. Das Ergebnis können ‘sehr’ positive Buchbesprechungen sein, denen es an kritischer Distanz fehlt. Manchmal bilden sich auch sogenannte ‘Seilschaften’ heraus, die im Gegenzug für eine positive Kritik seitens eines Kollegen dessen Veröffentlichung wohlwollend besprechen. Für den Rezipienten derartiger Buchbesprechungen kann die Kenntnis solcher Hintergründe beim Lesen von Nutzen sein.

 

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