2.1
Schriftsteller beim schreiben

Für die formale Gestaltung von Exzerpten hat dies zur Folge, dass sie mehreren Anforderungen gleichzeitig genügen müssen. Sie

  • müssen die Verbindung einer Information mit einer eindeutigen Adresse gewährleisten.
  • sollen so gestaltet sein, daß der ursprüngliche Text- oder Quellenzusammenhang, aus dem exzerpiert wird, noch erkennbar und nachvollziehbar bleibt; dies bleibt eine wesentliche Voraussetzung der Text- und Quellenkritik.
  • sollten schließlich aber auch so angelegt sein, daß die zusammengetragenen Informationen sich immer wieder neu sortieren lassen. Nur so lässt sich die Ordnung des Materials einer sich entwickelnden (neuen) Fragestellung anpassen; nur so kann es auch überraschen und neue, zunächst nicht sichtbare Zusammenhänge freigeben, also dem eigentlichen Ziel wissenschaftlicher Arbeit dienlich sein.

Der Schriftsteller Matthias Politycki beim schreiben (Quelle: Spiegel Spezial, 10/1999).

Man sieht leicht, daß es für die Verbindung dieser drei Gesichtspunkte keine optimale technische Lösung gibt. Es empfielt sich, unterschiedliche Techniken auszuprobieren, um zu einer Praxis zu finden, die dem eigenen Arbeitsstil, der eigenen Art und Weise, Wissen zu sammeln und zu verarbeiten wie auch unterschiedlichen Themen am angemessensten ist.

Einige allgemeine Überlegungen können dabei behilflich sein:

  • Die Einzelnotation von Informationen auf kleinen Karteikarten oder Zetteln bringt zwar eine hohe Sortierbarkeit, ist allerdings meist mit großem Schreibaufwand verbunden. Jeder Informationsträger muss mit den vollständigen bibliographischen Angaben versehen werden, um die eindeutige Adressierung zu gewährleisten. Außerdem besteht natürlich die Gefahr, dass der Zusammenhang des exzerpierten Textes in den verschiedenen Bearbeitungs- und Sortiervorgängen verloren geht. Dies beeinträchtigt möglicherweise auch die Wiederverwendung von Exzerpten in anderen Themenzusammenhängen, da diese Art der Exzerpte eine sehr hohe Selektivität der Aufmerksamkeit bei der wissenschaftlichen Lesearbeit unterstützt.
Arbeit mit Karteikarten
  • Große Formate, wie etwa Schreibhefte im DIN A4 Format, in denen die Exzerpte nacheinander eingetragen werden, sichern den Textzusammenhang (wenn er beim schreibenden Lesen erfasst wurde), sind aber in ihrer Handhabung starr und statisch. Um die Informationen einer sich entwickelnden Fragestellung anzupassen, müssen die Exzerpte wiederholt durcharbeitet und immer neue Zusammenstellungen der relevanten Informationen als ‘Sekundärexzerpte’ angefertigt werden. Dies fördert zwar eine intensive Durchdringung des Materials, gleichzeitig lässt sich aber der Gewinn, den es bringen kann, Informationen einfach auf einem Tisch auszubreiten, um sie probeweise nebeneinander in unterschiedlichen Kombinationen sichtbar zu arrangieren, nicht ohne Zusatzarbeit realisieren.
     
  • Auch wenn Exzerpieren immer auf ein konkretes Thema hin erfolgt oder mit einer bestimmten Hausarbeit in Zusammenhang steht, ist die mögliche Weiterverwendung von Exzerpten in anderen thematischen Zusammenhängen ein wichtiger Gesichtspunkt. Dies spricht dafür, Dauerhaftigkeit und Einheitlichkeit der Aufzeichnungen anzustreben.