2.2

Da Exzerpte ein wesentlicher Schritt in der wissenschaftlichen Rezeption und Verarbeitung von verfügbarem Wissen sind, folgt die inhaltliche Gestaltung von Exzerpten wesentlich dem, was zur Art und Weise wissenschaftlichen Lesens gesagt werden kann.

Informationen aus Texten können in unterschiedlicher Weise erfasst und aufgeschrieben werden. Man kann sie als ‘Zitat’ erfassen, in der die Vorlage im interessierenden Ausschnitt wörtlich wiedergegeben wird, oder als ‘Paraphrase’, die Texte in Teilen oder als Ganzes zusammenfasst und sie mit eigenen Worten in unterschiedlichen Graden der Abstraktion referiert. Im Regelfall bestehen Exzerpte aus einer Mischung dieser beiden Notationsformen. Es lohnt sich, besonders gelungene Formulierungen, Definitionen oder Behauptungen, die für einen Text zentral sind, wörtlich als Zitat in ein Exzerpt zu übernehmen. Das Zitat hat deswegen bei Quellenexzerpten einen besonders hohen Stellenwert. Da Exzerpieren aber immer auch Selektion und damit bereits komprimierende Verarbeitung von Informationen darstellt, dominiert in vielen Exzerpten die zusammenfassende Paraphrase, die lange Passagen bis zum einfachen Stichwort komprimieren kann.

Exzerpt
Exzerpt

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese Art der Notation und Verarbeitung des Gelesenen dem Exzerpt eine bestimmte Richtung oder Perspektive gibt, die um so deutlicher spürbar wird, je mehr das Gelesene zusammengefasst und je selektiver es wahrgenommen wurde. Dies kann der aktuellen Brauchbarkeit von Exzerpten möglicherweise zu Gute kommen, ihre Wiederverwendbarkeit in anderen Themenzusammenhängen dadurch aber einschränkt. In jedem Fall sind Exzerpte nicht bloßes Erfassen von Informationen, sondern eine erste Stufe ihrer aneignenden Verarbeitung. Daraus folgt zwingend, dass weder die Kopie noch auch Anstreichungen (und mögen sie noch so leuchtend und bunt sein) das exzerpierende Lesen wirklich ersetzen können.

Eine erste Stufe der Verarbeitung von Information und Wissen im Prozess des Hervorbringens neuer Erkenntnis. Deswegen wird das exzerpierende Lesen immer auch verbunden sein mit ‘Gedankenblitzen’, neuen Einsichten in noch nicht bekannte Zusammenhänge, kritischen Einfällen zum Gelesenen usw.. Schon im Sinne der Selbstreflexivität wissenschaftlichen Lesens sollten diese Einfälle festgehalten werden. Man kann sie – je nach Arbeitsweise – separat notieren, sie aber auch zusammen mit den Exzerpten aufschreiben. Sie sollten in diesem Fall jedoch eindeutig als Kommentar kenntlich gemacht werden, um auch in diesem Fall zu gewährleisten, dass die Idee später die richtige Adresse bekommt.