Dr. Katja Patzel-Mattern, Universität Konstanz

Die aktuelle Diskussion um eine Neufassung des Körperbegriffs stellt die historische Konstanz von Körperwahrnehmung und -interpretation als zweigeschlechtliches System infrage. Die unterschiedlichen Konzepte von Körperlichkeit lassen sich hinsichtlich des von ihnen angenommenen Grades körperlicher Konstruiertheit gliedern.

Der in diesem Sinne zurückhaltendste Ansatz interpretiert den Körper als ‘sozialen Bedeutungsträger’. Vertreter/Innen solcher Überlegungen gehen davon aus, dass die Geschlechtsmerkmale, ebenso wie die Gliedmaßen, an sich neutrale ‘Bausteine’ des menschlichen Körpers sind, die erst in einem Akt gesellschaftlicher Zuschreibung ihre jeweils spezifische Bedeutung erhalten. Damit setzten sie dem funktionalistischen Verständnis von Körperlichkeit ein symbolisches entgegen. Gleichzeitig geht dieser Ansatz weiterhin von einem natürlich gegebenen geschlechtlichen Körper mitsamt seinen spezifischen Attributen aus, der - wenn auch ohne Wertungen - a priori ist.

Demgegenüber bestimmt eine zweiter Ansatz den Körper selbst als ‘soziales Konstrukt’ und gibt damit die Annahme seiner Natürlichkeit auf. Der Körper wird zu einer historischen und kulturellen Variable, die zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten sowohl in der Selbst- als auch in der Fremdwahrnehmung ganz verschieden gefüllt worden ist.
Daraus folgt zweierlei: Zum einen sind biologische ‘Tatsachen’ nicht gegeben, sondern werden zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt durch ihre Benennung und Funktionszuweisung geschaffen. Dies hat zur Folge, dass zum anderen die geschlechtliche Unterscheidung in Männer und Frauen erst im Augenblick der Fixierung auf die Verschiedenheit ihrer Geschlechtsmerkmale entsteht.

Ein dritter Ansatz schließlich formuliert den Körper als ‘Produkt’. In solchen Überlegungen löst sich der Körper in seinen jeweiligen Konstitutionsprozessen auf. Nicht nur Bedeutungen, Benennung, Differenzen und Ordnungen erweisen sich als Konstrukte, auch jede Form von Körperlichkeit als leibliche Erfahrung oder spezifische Wahrnehmung eines Innen und Außen, eines körperlichen Raumes mit seinen Grenzen unterliegen historischem und kulturellem Wandel.
Der Körper oder seine Substrate verlieren sich als eigenständige Größen im Ordnungssystem. Was in solchen Ansätzen bleibt ist nur noch Sprache, das Sprechen über das Sprechen, das sich Körper nennt, jenseits leiblicher Referenzen

 
Bildnachweis: http://www.koerperwelten.com/

Menschlicher Körper als Ausstellungsstück. Ganzkörperplastinat mit Haut.