Dr. Katja Patzel-Mattern, Universität Konstanz

Ausgelöst durch die politischen Forderungen der zweiten Frauenbewegung wurde die Geschlechterdifferenz seit den frühen siebziger Jahren auch als Gegenstand wissenschaftlicher und theoretischer Überlegungen in den Blick genommen. In den kontroversen Debatten über die Bedeutung von Geschlecht etablierten sich zwei Positionen: Eine erste Annahme geht davon aus, dass der geschlechtliche Körper eine natürliche, biologisch gegebene Tatsache ist, die aus sich heraus definierte gesellschaftliche und soziale Bedeutungszuweisungen impliziert. Geschlechterrollen und -identitäten finden ihre Begründung dann vorrangig in der unterschiedlichen Anatomie der Menschen. Innerhalb dieser Grenzen wird die Beteiligung von Frauen an der Geschichte in kompensatorischer Absicht untersucht.

Die Vorstellung eines natürlichen Geschlechts ist sehr bald von feministischen Theoretiker/Innen als Determinismus zurückgewiesen worden. Vielmehr müsse zwischen dem gegebenen biologischen Geschlecht - Sex - einerseits und den gesellschaftlich und kulturell erworbenen Rollenerwartungen - Gender - andererseits unterschieden werden. Die analytische Unterscheidung von Sex und Gender hatte erhebliche politische Implikationen, unterstützte sie doch die Zurückweisung bestehender, durch den biologischen Unterschied begründeter Geschlechterbilder im Kampf um eine weibliche Emanzipation.

Arbeiterin

In den achtziger Jahren wurde Kritik an der Sex/Gender-Unterscheidung laut. Diese richtete sich gegen drei Aspekte: Im Rückgriff auf geschlechtliche Gemeinsamkeiten wird eine generelle Solidarität unter Frauen angenommen, die sich auch durch den Ausschluss von Männern definiert und damit die Entstehung neuer Herrschaftsdiskurse befördert. Demgegenüber formulieren Kritiker/Innen die Zielsetzung, in der Erforschung des einen, das andere sichtbar werden zu lassen, den Blick für die Differenzen zu schärfen.

Darüber hinaus manifestiere eine Trennung in Sex und Gender die kulturelle und zeitliche Universalität des biologischen Geschlechts und entzieht es der historischen Analyse, obgleich es doch immer wieder als Agens der Geschichte angenommen wird. Eng mit diesem Kritikpunkt verknüpft ist schließlich der dritte Einwand, der die Grundlage körpertheoretische Überlegungen bildet: Die Annahme eines gegebenen biologischen Geschlechts manifestiere das heterosexuelle System als ahistorische und akulturelle Konstante, das die Welt vorrangig ordnet.