Jürgen Osterhammel, Universität Konstanz

China ist nicht erst heute das bevölkerungsreichste Land der Welt. Die Chinesen werden seit mehr als 2200 Jahren – von einigen Unterbrechungen abgesehen – in einem Einheitsstaat zentral regiert. Sie haben eine Zivilisation hervorgebracht, deren schriftliche Überlieferung sich nur mit derjenigen Europas vergleichen lässt. Im 20. Jahrhundert war und ist China Schauplatz dramatischer politischer und gesellschaftlicher Experimente. Aus diesen Gründen darf die Geschichtswissenschaft China nicht vernachlässigen. Die internationale Chinaforschung, wie sie vor allem in den USA und Japan betrieben wird, steht mittlerweile hinsichtlich ihrer methodisch-theoretischen Qualität nicht hinter der Erforschung europäischer Länder zurück und hält für diese eigene methodische Anregungen bereit.

Forschungsschwerpunkt in Konstanz ist die Zeit zwischen etwa 1800 und 1950. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den sozialgeschichtlichen Entwicklungen innerhalb des chinesischen Reiches wie unter der auslandschinesischen Diaspora sowie den auswärtigen Beziehungen Chinas in dieser Periode. Die chinesische Erfahrung wird dabei unter dem Gesichtspunkt des interkulturellen Vergleichs immer wieder mit derjenigen anderer Zivilisationen in Beziehung gesetzt.

Boxer verteidigen eine Stadt gegen den Angriff deutscher Truppen, chinesischer Holzschnitt um 1900.

Boxeraufstand