3.2

In der Gestaltung von Karteikästen, der Anlage von Ordnern oder auch von Exzerptheften sind der produktiven Phantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt, so dass konkrete Vorschläge sich erübrigen. Zwei Gedanken können aber als Leitlinie gegeben werden:

  • Exzerpte stellen nur eine erste Stufe der Wissensaufbereitung und Wissensaneignung dar. Die in ihnen zusammengetragenen Informationen müssen bis zur Synthese eines eigenen wissenschaftlichen Textes nicht nur in ihren Zusammenhängen untereinander untersucht, sondern auch in vielfältige neue Bezüge gebracht werden. Die mediale Form, die man für das Exzerpt wählt, darf diesen Verarbeitungsprozess nicht behindern, sondern sollte ihn befördern, indem sie ein möglichst flexibles visuelles Arrangement der festgehaltenen Informationen unterstützt (und dabei sichergestellt ist, dass die Informationen ihre ‘Adresse’ nicht verlieren). Gleichzeitig scheint es sinnvoll, dass einmal erfasste Informationen auch in späteren Phasen des Studiums und der wissenschaftlichen Tätigkeit benutzbar sind. Dies spricht dafür, Notizen aus Texten so zu markieren, dass ursprüngliche Zusammengehörigkeiten sich immer wieder rekonstruieren lassen. Außerdem erleichtert es die Wiederauffindbarkeit, wenn Exzerpte einen festen Ort haben.
     
  • Stichwortregister und Gliederungen sind deswegen hilfreich für die Aufbewahrung und auch für die Weiterverarbeitung der zusammengetragenen Informationen. Trotzdem bleibt der nützlichste Zettelkasten wohl nicht der, der am ordentlichsten geführt ist, sondern der, der in seiner Benutzung die meisten Überraschungen bereit hält. So ärgerlich es gelegentlich sein mag, Suchen im eigenen Material gehört zum Wesen der Wissenschaft. Wer sucht, findet nicht nur (gelegentlich) das Gesuchte; wer sucht, hat vor allem die Chance, das längst Vergessene wieder zu finden und neue Zusammenhänge zu entdecken, die in der zielgerichteten Synthesearbeit nicht gesehen wurden. Deswegen hat jede produktive wissenschaftliche Ordnung letztendlich doch einen Zug ins (zeitfressende) anarchisch Unordentliche. Was dabei überwiegt, ist dann Ansichts- oder auch Temperamentssache.

 

Aufbewahren und Ordnen