Rainer Lindner, Universität Konstanz

1. Wie stellen Sie sich darauf ein?
Es ist lange her. Wann hatten Sie eigentlich die Arbeit abgegeben, damals in den Semesterferien? Und jetzt wissen Sie im Grunde nichts mehr davon. Herrlich waren die Semesterferien, nicht mit einer Silbe haben Sie an die Arbeit gedacht, vielleicht einmal kurz, als bei Freunden die Sprache auf das Studium kam. Irgendwie war es Ihnen durch den Kopf geschossen: hatte ich eigentlich auf Seite 12 noch den Kommafehler berichtigt und den Namen des einen Autors noch einmal nachgeschlagen? Jetzt war es ohnehin zu spät.

2. Persönlich und vorbereitet zur Nachbesprechung
Und nun steht zu Semesterbeginn der Name auf der Liste der korrigierten Hausarbeiten, die zum Abholen bereitliegen. Also das übliche Verfahren: Anmelden zur Sprechstunde, Wartezeit einplanen und vor allem: Sie müssen auf jeden Fall noch einmal die Arbeit lesen. Sonst wissen Sie gar nichts zu sagen, wenn in der Nachbesprechung auf irgendwelche Kapitel oder Seiten, ganz zu schweigen von Autoren oder Zitaten gesprochen wird. Also, noch einmal in Ruhe durchlesen. Vielleicht finden sich ja auch jetzt noch Fehler, die man vielleicht gleich selbst ansprechen kann.

Was natürlich am besten ist, wenn sich – und sei es aus Zufall, weil man vielleicht zu Hause im Buchladen auf eine Neuerscheinung gestoßen ist – noch ein Buch oder ein Artikel gefunden hat, der zwar in der Arbeit nicht erwähnt worden ist, aber ganz wesentliche Aspekte hinzufügt. Damit könnten Sie zeigen, dass Sie das Thema noch weiter mit sich ‘herumgetragen’ haben und an ihm weiter interessiert bleiben.

Es darf natürlich auch nachgefragt werden, wie eine bestimmte Bewertung durch den Veranstaltungsleiter zustande gekommen ist. Dazu ist eine Besprechung da; es soll kein Monolog des Lehrenden sein, sondern eine kommunikative Situation entstehen, deren Thema die Arbeit ist. Klingt kompliziert, ist aber ganz selbstverständlich.

3. Was ist nach der Besprechung noch zu tun?
Das hängt irgendwie davon ab, welche Bewertung die Arbeit erfahren und welches Gefühl sich nach der Besprechung einstellt. In jedem Fall empfiehlt es sich, die Korrekturen oder Ergänzungsvorschläge genau zu prüfen, um künftig Fehler zu vermeiden oder auch um eventuell Missverständnisse auszuräumen. Von einem Seminarleiter sollten Sie jedenfalls eine gründliche Lektüre Ihrer Arbeit erwarten können, um einen Lerneffekt nicht nur aus der Beschäftigung mit dem Thema, sondern auch aus dem Schreiben der Arbeit selbst ziehen zu können. Daher ist es zu empfehlen, sowohl gut präpariert in die Besprechung zu gehen, als auch gründlich die Besprechung auszuwerten. Mancher Seminarleiter freut sich übrigens auch über ein eigenes Exemplar der Hausarbeit, das man ihm (oder ihr) dann auch nicht vorenthalten sollte.

 

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